Menschenrechte

Geschlagen, vergewaltigt und mit 9 Jahren von Pädophilen in einen Käfig gesperrt: die modernen Sklaven Indiens

Übersetzt aus dem Englischen

Original von Tom Parry veröffentlicht auf mirror.co.uk am 26.3.2014

[Bei der Quelle handelt es sich um eine britische Boulevardzeitung.]

Geschlagen, vergewaltigt und mit 9 Jahren von Pädophilen in einen Käfig gesperrt: die modernen Sklaven Indiens

Aus einer spärlich beleuchteten Gasse kommt ein Zuhälter im Teenageralter hervor, um ein Schulmädchen anzupreisen, das in dem sechsstöckigen Bordell hinter ihm gefangen gehalten wird. „Ich kann dir junge Mädchen besorgen,“ prahlt er. „Minderjährig, nur vier oder fünf Mal benutzt. Hier in Mumbai kann man alles kaufen, Sir.“

Irgendwo da drinnen ist ein Mädchen, dessen geraubte Unschuld ein grausiges Verkaufsargument ist im rattenbefallenen Rotlichtbezirk des Bezirks Kamathipura.

In diesem Labyrinth aus müllübersäten Gassen, in denen obdachlose Kleinkinder neben wildäugigen Drogensüchtigen im Freien schlafen, gibt es tausende solcher Mädchen, manche nicht älter als sechs. Sie sind Sklaven, verkauft an die Menschenhändler von ihren eigenen bettelarmen Familien in anderen Teilen Indiens.

Kamathipura wurde von den Briten zur Nutzung durch die Kolonialtruppen eingerichtet. Es wurde als „comfort zone“ bezeichnet – „Trostzone“.

Als unsere Truppen 1947 abzogen, zogen die Zuhälter ein, das leichtverdiente Geld durch die Ausbeutung von Kindern witternd.

Während Großbritannien mit der Modern Slavery Bill [Gesetz gegen moderne Sklaverei] kurz davorsteht, lebenslange Haftstrafen für Menschenhändler zu verhängen, verbleibt Indien das Land mit den meisten Menschen in der Zwangsarbeit weltweit.

Ein globaler Sklaverei-Index, der vor kurzem veröffentlicht wurde, besagt, dass die Nation mit der zweitgrößten Bevölkerung fast die Hälfte der Sklaven weltweit beherbergt. Insgesamt 15 Millionen Menschen, viele von ihnen Kinder, werden dazu gezwungen, ohne Bezahlung zu arbeiten, als Hausdiener, Bergleute, Baumwollpflücker und, am Schlimmsten von allen, als Prostituierte.

Sklaverei ist heute das drittprofitabelste Geschäft für organisierte Verbrechenssyndikate und wird nur noch von Waffen und Drogen übertroffen.

Und mitten im wuselnden Chaos von Mumbai werden die jüngsten Opfer des Sex-Gewerbes in stockfinsteren, hölzernen Kistenkäfigen gehalten, in geheimen Zimmern tief im Inneren der Bordelle.

Diese winzigen, verschlossenen Zellen sind hinter Falltüren und falschen Wänden versteckt und die Mädchen, von ihren Fängern mit Makeup beschmiert, haben keine Möglichkeit, vor den Pädophilen zu entkommen, die nachts auf der Pirsch sind, ungestört von der mutmaßlich korrupten Polizei.

Seena Simon, die ein Übergangshaus für gerettete Mädchen leitet, erklärt: „Die Mädchen werden wie Hühner in der Massentierhaltung in ihren Käfigen schön und rund gehalten. Die Zuhälter wollen sie so jung wie möglich, um mehr Geld zu mit ihnen zu machen. Männer hier zahlen mehr für jüngere Mädchen. Deswegen werden sie versteckt gehalten.“

Eine indische Kinderrechtsorganisation gibt an, dass 40 Prozent der Prostituierten im Land im Schulalter sind.

Ich treffe ein Mädchen, das vor kurzem gerettet wurde: die sechzehnjährige Padma aus dem Staat Uttar Pradesh, die von ihren verschuldeten Eltern im Alter von sechs Jahren verkauft wurde.

Sie erzählt mir, ihr Vater habe zuerst gebettelt, dann einen Kredit aufgenommen, den er nicht zurückzahlen konnte. Die Kredithaie schlugen ihre Eltern zusammen und drohten damit, sie zu töten, wenn sie nicht Padma, ihr jüngstes Kind, an eine Menschenhändlerin in ihrem Ring verkauften.

„Die Frau schlug mich die ganze Zeit – ich wusste nie, warum,“ sagt Padma. „Danach brachte sie mich hierher, nach Mumbai.“

“Als Erstes wurde ich zu einer Sklavin im Haus dieser Dame gemacht. Zu dem Zeitpunkt war ich sieben. Etwa ein Jahr später wurde ich an diese Gang übergeben. Einer der Männer sagte mir, ich müsse bereit sein, eine Frau zu sein.“

„Sie brachten mich dazu, dass ich anfing, Makeup zu tragen. Eines Tages sagte er mir, ich solle mich ausziehen. Ich wusste nicht, was ich tun müssen würde.“

„Er griff mich an, belästigte mich; ich hatte keine Ahnung, was geschah. Ich war währenddessen die ganze Zeit völlig versteinert. Als er fertig war, verschloss die Frau, die mich verkauft hatte, die Tür von außen und ließ mich dort. Ich war nackt und weinte.“

„Als sie am nächsten Tag wiederkam, um mit mir zu reden, sagte sie, „Es ist keine Sünde, es ist einfach nur das, was wir tun.“ Ich wurde so oft bedroht, dass ich einfach beschloss, zu akzeptieren, was sie von mir wollten. Ich war damals neun. Ich war eine Prostituierte geworden.“

Padma spricht mit verblüffender Fassung während sie ihren Leidensweg schildert. Aber während sie in ihrem pinkfarbenen Sari erwachsen gekleidet ist, wirkt ihre Mimik kindlich.

Unser Interview findet in ihrem Zimmer im Wohnheim statt, eingerichtet wie ein Kinderzimmer mit Schablonenbildern von Engeln an den farbenfrohen Wänden.

Mumbai brothel box cage

Eine hölzerne Käfigkiste, in der Mädchen missbraucht und gefangen gehalten werden, bis sie „gebrochen“ sind und nicht versuchen werden, aus dem Bordell wegzulaufen. (Foto: Hazel Thompson)

Das Gebäude ist absichtlich in einer ruhigen Straße weit weg von den Jägern, denen der Sinn nach Rache stehen könnte gegen Mädchen, die durch ihr Netz geschlüpft sind.

Padma beschreibt ruhig, wie sie schweigend erleiden musste, dass ein niemals abreißender Strom von Männern sie von 16 Uhr bis 4 Uhr jede Nacht vergewaltigte.

Wenn sie jemals über den Missbrauch klagte, wurde sie geschlagen, gefesselt oder sogar hungern gelassen.

„Einmal zogen sie mich aus, banden mich an den Deckenventilator und schalteten ihn dann ein,“ erinnert sie sich. „Ich wurde geschlagen, während ich herumgewirbelt wurde.“

Die Erzählung dieser Folter lässt mich von Grauen erfüllt zusammenzucken; Padma erzählt einfach weiter ihre tragische Geschichte.

„Die Männer kamen ins Bordell und suchten sich eine von uns im Wartezimmer aus, wo wir alle saßen,“ fügt Padma hinzu.

„Ich brachte jede Nacht tausende Rupien ein, aber ich bekam nie etwas von dem Geld. Tagsüber musste ich einige der jüngeren Mädchen babysitten, also habe ich nie wirklich geschlafen.“

„Viele von uns, manchmal bis zu zehn, waren tagsüber in diesem winzigen, heißen Zimmer zusammengepfercht. Es war schrecklich.“

Padma wurde letztes Jahr endlich gerettet, als die Polizei eine Razzia in dem Bordell machte.

In diesem Fall, wie in vielen anderen, sind die Zuhälter und Menschenhändler alle ohne Strafe davongekommen.

Ein weiteres Mädchen in der Zufluchtsstätte, Dishita, erzählt, wie die Bordellbetreiber immer im Voraus vor Polizeirazzien gewarnt wurden.

Man verfrachtete sie dann vorübergehend in ein anderes Gebäude.

Dishita wurde in einem Zimmer gefangen gehalten, das gerade groß genug für eine winzige Matratze war. Das Essen wurde durch einen Schlitz geschoben; sie musste stundenlang an die Tür klopfen, um auf die Toilette zu dürfen.

Sie, wie viele andere in dem Zentrum, ist HIV-positiv. Und sie sieht einer schwierigen Zukunft entgegen während sie versucht, ihre schreckliche Vergangenheit zu verarbeiten.

Ihre Freundin Rashmi, 18, wurde von ihrer eigenen Mutter an ein Bordell verkauft als sie gerade mal 8 Jahre alt war.

Seena sagt, einige Mädchen in ihrer Obhut sind so traumatisiert, dass sie ihre Vergangenheit komplett ausgeblockt haben.

Die meisten können nachts nicht schlafen, weil sie derart daran gewöhnt sind, in den Nachtstunden wach zu sein.

„Die schlimmsten Fälle, von denen ich gehört habe, sind Kinder, die ihren Müttern weggenommen werden noch während sie nach der Geburt im Krankenhaus sind,“ sagt Seena. „Sie werden weiterverkauft um schließlich in den Bordellen benutzt zu werden, wenn sie noch im Grundschulalter sind.“

„Man kann diese sehr jungen Mädchen nicht sehen; sie werden vor den Augen der Öffentlichkeit auf der Straße versteckt, aber sie sind da.“

„Die Menschenhändler sagen ihren Familien, dass sie den Mädchen in Mumbai einen Job verschaffen,“ fügt sie hinzu.

Sie zahlen etwa 50 Pfund [ca. 60 Euro], um sie mitzunehmen.

Sie fährt fort: „Sobald sie angekommen sind, werden sie für das Zehnfache an Bordelle weiterverkauft – 50.000 Rupien.“

„Die Mädchen stehen bei ihnen in der Schuld, ab dem Zeitpunkt, an dem sie über die Schwelle treten. Und bis sie diese 50.000 abbezahlt haben, und noch jede Menge obendrauf, können sie nicht weg. Oft müssen sie mit 15 bis 20 Männern pro Nacht Sex haben. Der Bordellbetreiber behält das Geld, nicht sie selbst.

„Manchmal führt die Polizei Razzien im Rotlichtbezirk durch, aber das geht trotzdem weiter. Ich denke, die sehen weg. Es ist total korrupt. In Indien, genau wie in Großbritannien, ist es ein sehr schweres Verbrechen, mit Minderjährigen Sex zu haben, aber sie entscheiden sich dafür, nichts dagegen zu tun.“

„Kinderprostitution nimmt zu. Es ist ein Geschäft mit großen Profiten und sie erlauben, dass es passiert. Niemand von ihnen denkt über die Auswirkungen auf das Leben der Mädchen nach.“

In Großbritannien bleiben schockierende Fälle wie jener der drei Frauen, die als Sklaven im Süden Londons gehalten wurden, selten.

Hier in den zwielichtigen, übelriechenden Gassen von Kamathipur gibt es nicht nur Sklavenkinder in den Bordellen, sondern auch jüngere Jungen und Mädchen, die in die körperliche Arbeit gezwungen werden.

Laut der Wohltätigkeitsorganisation Tearfund, welche das Übergangshaus mitfinanziert, nutzen die Menschenhändler Eltern aus, die nach Naturkatastrophen alles verloren haben.

„Wenn Familien Brotverdiener und sogar ihr Zuhause verlieren, dann fallen sie opportunistischen Kinderhändlern zum Opfer,“ so die humanitäre Organisation.

„Aus Verzweiflung nehmen Familien das Angebot an, ohne zu realisieren, dass ihr Kind in die Sex-Industrie oder in die Kinderarbeit verkauft werden wird.“

 

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Irische Männer die Sex kaufen unbewegt von Wissen um Menschenhandel

Übersetzt aus dem Englischen

Original von Zara King veröffentlicht auf newstalk.ie am 27.3.2014

Irische Männer die Sex kaufen unbewegt von Wissen um Menschenhandel

Der Menschenhandel für die Prostitution macht in Irland 250 Millionen Euro Umsatz im Jahr.
Ein neuer Bericht der EU-Kommission zeigt, dass die Sex-Käufer hierzulande meist Männer in Beziehungen mit einem hohen Bildungsstand sind.

92% sind alter als 45 und verdienen mehr als 20.000 Euro im Jahr.

Einer von fünf gab an, ihm seien junge Mädchen, die Opfer des Menschenhandels waren, untergekommen, aber dennoch hat es in Irland noch nie eine strafrechtliche Verfolgung unter dem Menschenhandelsgesetz gegeben.

Die Vorsitzende des Zuwanderungsrats, Denise Charlton, sagte, “Wenn wir die Einstellungen untersuchen, dann sehen wir, dass die Tatsache, dass sie vielleicht Opfer des Menschenhandels sein könnte oder das Wissen, dass Menschenhandel vorliegt, keinerlei Einfluss auf die Muster hat. Ein hoher Prozentsatz der Käufer gab an, Sex von Personen gekauft zu haben, von denen sie glaubten, sie werden ausgebeutet – aber es gibt eine auffallende Lücke zwischen dieser Feststellung und einer Meldung an die Behörden.”

Frau Charlton berichtete Newstalk, dass bis zu tausend Frauen zu jeder Zeit in Irland zum Verkauf stehen.

Der irische Zuwanderungsrat hält heute in Dublin die “Stop Trafficking Conference” [“Menschenhandel stoppen”].

 

What does the Fox say? Die Strategie eines Super-Zuhälters für Amnesty International

Übersetzt aus dem Englischen
Veröffentlicht im Original von Martin Dufresne auf facebook.com/martindufresne am 31.1.2014

fr Siehe https://www.facebook.com/martindufresne/notes für viele französische Übersetzungen zum Thema Prostitution/Abolition, Amnesty

What does the Fox say? Die Strategie eines Super-Zuhälters für Amnesty International

In The Equality Illusion: The Truth About Women and Men Today, identifiziert Kat Banyard Douglas Fox als „Gründer und Geschäftspartner bei Christony Companions – einer von Großbritanniens größten Escort-Agenturen“ (S. 140). In einer Mitteilung vom April 2008 machte Fox weder einen Hehl aus seinem wachsenden Einfluss innerhalb von Amnesty International noch aus seinen Plänen, sie von der „kompletten Entkriminalisierung“ des Frauen-„Markts“ zu überzeugen – will heißen, Escort-Agenturen, Zuhälter, Prostitutionskäufer, etc.

„…Wir müssen sie gnadenlos verfolgen und sie auf unsere Seite bringen, eigentlich sind sie das sowieso schon, sie brauchen nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung…“

“Titel: Bericht von der Amnesty-Konferenz
Eintrag von: Douglas am 07. April 2008, 08:24:09
Die Amnesty International Jahreshauptversammlung 2008 in Nottingham.

Für diejenigen, die es nicht wissen, ich bin Mitglied bei Amnesty International und Aktivist in der Amnesty-Gruppe in Newcastle, die meine Kampagne für die Rechte von SexarbeiterInnen sehr unterstützt hat. Dieses Jahr hat unsere Gruppe in Newcastle bei der Konferenz den Antrag gestellt, dass Amnesty sich zu SexarbeiterInnen-Rechten positioniert. Der Antrag rief Amnesty dazu auf, die Europaratsresolution 1579 zu unterstützen, die besagt, Mitgliedstaaten sollen den Unterschied zwischen erzwungener und nicht erzwungener Sexarbeit anerkennen, und sollen außerdem SexarbeiterInnen zu allen Entscheidungen, die sie betreffen, befragen. Dieser Antrag verlangt auch, dass Amnesty SexarbeiterInnen in ihrem Kampf für Entkriminalisierung unterstützt, da dies der einzige Weg ist, SexarbeiterInnen vor den negativen Auswirkungen eines kriminellen Markts zu schützen, der sie stigmatisiert und entfremdet. Um zu zeigen, dass diese Forderung mit den grundlegenden Prinzipien Amnestys in Bezug auf die Gewissensfreiheit und die freie Meinungsäußerung übereinstimmt, habe ich mich auf die Brüsseler Erklärung über die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa bezogen, die zur Anerkennung der Menschenrechte von SexarbeiterInnen aufruft. Ich habe mich auch auf Artikel 23 der Menschenrechtserklärung bezogen, der das Recht auf freie Berufswahl, das Recht, Gewerkschaften zu gründen, und das Recht auf Freiheit von Diskriminierung enthält.

All dies sollte für Amnesty eigentlich nicht kontrovers sein, aber Amnesty International hat aufgrund der jüngsten Geschichte zwei Hauptgründe, dies nicht zu bald zu unterstützen. Amnesty hat gerade einen dreijährigen kontroversen Kampf um einen Antrag zur Unterstützung des Rechts auf Abtreibung für Frauen hinter sich. Einige bei Amnesty fanden, dass dies einer Pro-Choice-Haltung gleichkäme und Amnesty wurde von der Katholischen Kirche und muslimischen Gruppen verurteilt. Venezuela und Irland weigerten sich, Kampagnen zu machen, und viele Einzelmitglieder verließen Amnesty. Das Thema wurde bei dieser Konferenz wieder besprochen und wieder war es sehr spaltend. Der Amnesty Verwaltungsrat schlug einen Kompromiss vor (gegen den ich stimmte, da ich pro-choice bin) der besagte, dass Amnesty nur Abtreibung unter bestimmten Umständen befürworten würde und dass einzelne Mitglieder oder sogar Länder sich weigern könnten, sich an Kampagnen zu beteiligen. Dieser Kompromiss wurde letztendlich angenommen. Das zweite Problem ist, dass sich Amnesty (in mancher Hinsicht sehr effektiv) gegen Gewalt gegen Frauen eingesetzt hat. Die Leute, und besonders eine Frau, die an der Spitze dieser Kampagne stehen, haben eine Anti-Escorting-Haltung eingenommen und Melissa Farley und Julie Bindel ausgiebig in ihrer Literatur zitiert. Ich habe diese Haltung und die Statistiken, die sowohl auf der Amnesty-Webseite und auf der Konferenz verwendet wurden, in Frage gestellt und am „Gewalt gegen Frauen“-Stand einen Krawall verursacht. Ich habe die Leiterin der Kampagne in Hinblick auf die Statistiken in Frage gestellt und sie hatte eigentlich keine Antwort.

Dies nun war also der Hintergrund zur Amnesty-Konferenz und so war ich nicht wirklich optimistisch. Um also auf den Punkt zu kommen: Amnesty hält zuerst einmal Workshops, in denen die Anträge diskutiert und abgeändert werden etc. Die Anträge werden dann gegebenenfalls auf der vollen Konferenz weiter diskutiert. Mein Workshop hatte ungefähr 150 Teilnehmer. Ich sprach fast 10 Minuten über den Antrag. Der Amnesty-Rat war nach mir an der Reihe und argumentierte, dass Amnesty keine Position zum Thema Escorting habe und die Deklaration über die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa von 2005 sowie die Europaratsresolution 1579 unterstützen solle, aber anstatt die Entkriminalisierung voll zu unterstützen, solle Amnesty zu einer umfassenden Studie zur weltweiten Entkriminalisierung aufrufen.

Ich erhob im Workshop Einspruch gegen diese Änderung, aber sie wurde angenommen während mein Antrag auf Unterstützung der Entkriminalisierung abgelehnt wurde. Ich hatte die Unterstützung von ca. einem Drittel der Arbeitsgruppe.
Der Antrag wurde später auf der Konferenz vorgestellt und ich musste vor der gesamten Konferenz von ca. 5/600 Leuten noch einmal etwa 10 Minuten reden. Der Rat gab wieder dieselbe Änderung ein und wieder erhob ich mit der Begründung, dass viele Mitglieder sie ablehnten, dagegen Einspruch. Es wurde abgestimmt und ich verlor (allerdings hatte ich wieder ca. ein Drittel des Saals auf meiner Seite). Es wurde über die Änderung des Amnesty-Rats abgestimmt und sie wurde mit einer ausreichenden Mehrheit angenommen.
Amnesty haben nun also erklärt, dass sie die Europaratsresolution 1579 unterstützen, und haben erklärt, dass sie die Deklaration über die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa von 2005 unterstützen, und haben beschlossen zu einer „umfassenden, weltweiten Studie zum Thema der Entkriminalisierung des Escorting“ aufzurufen. Ich halte das absolut nicht für ein schlechtes Ergebnis.

Hinterher war ich der örtliche Star LOL und ich habe mit so vielen Leuten geredet, die mir Fragen stellen wollten. Es war so frustrierend, denn nachdem ich mit ihnen geredet hatte, sagten sie alle, dass sie für den gesamten Antrag gestimmt hätten, wenn sie das Thema richtig verstanden hätten, und nicht nur für den Kompromiss (so gut dieser auch war). Ich denke, wenn sie das getan hätten, hätte ich gewonnen. Ein weiterer ähnlicher Antrag wird auf der Konferenz nächstes Jahr gemacht werden, und zweifellos wird meine Amnesty-Niederlassung in Newcastle einen ähnlichen Antrag formulieren. Das hier ist eine gewinnbare Kampagne würde ich sagen, aber SexarbeiterInnen müssen bei Amnesty Lobby machen, vor Allem bei der „Gewalt gegen Frauen“ Kampagnengruppe, die aufgrund meines Wutausbruchs auf der Webseite und am Stand gezwungen waren, ein zweiseitiges Dokument mit alternativen Standpunkten zu kopieren und am Stand zu verteilen.
Ich habe später auch noch weniger zornig mit der Gewalt gegen Frauen-Gruppe geredet, und sie waren gewillt, eine Debatte mit mir, der IUSW und anderen SexarbeiterInnen zu eröffnen, um eine ausgewogenere Sicht im Hinblick auf Literatur und auf der AI-Webseite zu haben. Viele verschiedene regionale Amnesty-Gruppen hätten es gerne, dass SexarbeiterInnen mit ihnen sprechen und ihnen unsere Ansichten erklären und ich habe einige gute Gewerkschaftskontakte durch den TUC* geknüpft, die es hoffentlich mir und anderen erlauben werden, im Nordosten [Englands] mit dem TUC zu reden und die Druckergewerkschaft an der Debatte zu beteiligen. Ich oder jemand anderes wurde dazu eingeladen, in Belfast für SexarbeiterInnen-Rechte zu sprechen, da anscheinend dort Gesetzesänderungen vorgeschlagen worden sind und wieder einmal niemand für die SexarbeiterInnen spricht oder zumindest hört man ihnen nicht zu.
Ich habe mit dem Vertreter von Amnesty in Schweden gesprochen und ein paar Kontaktadressen bekommen, die werde ich jetzt also verfolgen LOL und mit der chinesischen Amnesty Hong Kong Gruppe, die mir auch wieder einige Kontakte brachte.

Sam Ruddick (Anita Ruddicks Tochter) sprach auf der Konferenz und hat ein paar interessante Punkte vorgebracht. Ich habe nach ihrer Rede kurz mit ihr geredet und sie hat eingewilligt, sich mit Cath oder mir zu treffen, um Ideen zu besprechen, wie sie der Gewerkschaft behilflich sein kann. Ihre Rede war leider nicht unterstützend, aber das war wahrscheinlich keine Absicht. Sie hat sich auf ihre Kampagnenarbeit gegen Menschenhandel konzentriert, was starker Tobak war, und sie scheint eng mit anderen Gruppen gegen Menschenhandel zusammenzuarbeiten. Als ich mit ihr redete gab ich ihr meine Bedenken bezüglich ihrer Rede zu verstehen und sie erklärte mir, dass sie die Ansicht vertritt, dass die zwei Themen SexarbeiterInnen-Rechte und das Aufhalten des Menschenhandels zwei getrennte Themen sind (und natürlich sind sie das) aber ich glaube nicht, dass ihr das klar ist, wegen den Medien und der zerstörerischen Negativität der Julie-Bindel-Unterstützer ist Menschenhandel in den Köpfen der Leute synonym mit Sexarbeit geworden. Ich wurde wieder und wieder und wieder zu Sorgen gefragt, Unterstützung für SexarbeiterInnen könnte zu einem Anstieg des Menschenhandels führen. Jedoch habe ich sie jedes Mal sehr leicht auf meine Seite gebracht, was wieder zeigt, dass es wichtig es ist, die Presse/Medien auf unsere Seite zu kriegen um Gegenargumente zu bringen.
Abschließend, es ist traurig dass Amnesty sich nicht dafür entschieden haben, morgen schon für die Entkriminalisierung Kampagne zu machen, und vielleicht dauert es noch ein Jahr bevor sie irgendwelche positiven Aussagen machen, aber jetzt haben sie sich der Recherche verschrieben und Amnesty Neuseeland könnte hier durchaus sehr hilfreich sein. Amnesty auf unsere Seite zu kriegen wird einen Riesenschub für unsere Moral und unser Ansehen bedeuten, allerdings müssen wir sie gnadenlos verfolgen und sie auf unsere Seite bringen, eigentlich sind sie das sowieso schon, sie brauchen nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung. Es wäre auch keine schlechte Idee, wenn mehr bekennende SexarbeiterInnen Mitglieder bei verschiedenen Amnesty-Niederlassungen werden.

Douglas Fox”

Und hier ist ein Teil dessen, was Fox geschafft hat, in Amnesty Internationals vorgeschlagene Positionierung zur Prostitution einzubringen:
„…Wie bereits in Amnesty Internationals Grundsatz zur Sexarbeit festgehalten wurde, lehnt die Organisation die Kriminalisierung aller Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Sex ab. Sexuelles Begehren und sexuelle Aktivität sind ein menschliches Grundbedürfnis. Diejenigen, die nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, dieses durch traditioneller anerkannte Methoden zu erfüllen und daher Sex kaufen, zu kriminalisieren, könnte eine Verletzung der Privatsphäre bedeuten und die Rechte auf Meinungsfreiheit und Gesundheit untergraben.“ (http://www.scribd.com/doc/202126121/Amnesty-Prostitution-Policy-document, Seite 5, Fußnote 2)

[* TUC: Trades Union Congress, ein gewerkschaftlicher Dachverband in Großbritannien. Er vereint 65 Gewerkschaften mit ca. 6,5 Millionen Mitgliedern.]

Vernunft, Gefühle und Sex-Kauf in Norwegen

Übersetzt aus dem Norwegischen
Veröffentlich im Original von Joacim Lund, aftenposten.no am 04.02.2014

gb English version

Vernunft, Gefühle und Sex-Kauf

Das Gesetz gegen Sexkauf weckt starke Emotionen. Ist daraus ein Anfall moralistischer Panik geworden?

Das Anti-Sexkaufgesetz ist verwerflich, meint Bent Johan Mosfjell im Online-Magazin Liberaleren. Es nimmt uns das Recht auf Selbstbestimmung über unsere Körper.

Aksel Braanen Sterri war derselben Meinung, als er vor einem Jahr in Morgenbladet über die Leihmutter-Debatte schrieb:
„Wenn man seine Zeit und seine Arbeitskraft verkauft, verkauft man einen begrenzten Teil seiner Selbstbestimmung über seinen Körper und dessen Funktionen an den Arbeitgeber“, meinte er.

Das hört sich logisch an. Ein Tischler bietet seine körperliche Arbeitskraft gegen Geld an, ohne dass es deswegen verboten wäre, seine Dienste zu kaufen. Wo liegt der Unterschied zwischen ihm und einer Prostituierten wenn nicht in der Moral?

„Die glückliche Hure“

Es gibt Beispiele von Frauen, denen es in der Prostitution gut geht. Deren Frontfrau der letzten Jahre, Hege Grostad, findet in den Medien viel Gehör. Als die dänische ehemalige Prostituierte Tanja Rahm eine völlig entgegensetzliche (und repräsentativere) Ansicht über die Prostitution in der Aftenposten veröffentlichte, nannte Grostad sie eine Moralistin.

Technischer KO. Die Moralistenkarte ist in den meisten Debatten Trumpf. Scheinbar ist das der Grund, dass jetzt sogar die Ministerpräsidentin dazu greift.

Ministerpräsidentin blufft

„Ich möchte betonen, dass das Gesetz gegen den Sexkauf kein Gesetz war, das wir aus moralistischen Gründen eingeführt haben (…). Es war nicht weil wir uns auf ein hohes Ross geschwungen und gesagt haben, Sex zu kaufen sei falsch oder etwas in der Art“, sagte Solberg in der Fragestunde des norwegischen Parlaments vergangenen Donnerstag.

Ein spektakulärer politischer Bluff. Eines der wichtigsten Ziele des Gesetzes war und ist ein Beitrag zur Änderung der Einstellung. Schon im Vorwort des Anhörungsprotokolls steht es schwarz auf weiß geschrieben. Aus gutem Grund.

Gesetze beeinflussen die Moral

Das schrieben Andreas Kotsadam und Niklas Jakobsson, Forscher an der Universität von Oslo, 2011 in dem Artikel „Do laws affect attitudes?“, in dem sie die Einstellung von Norwegern zum Thema Sex-Kauf vor und nach der Einführung des Gesetzes gegen den Sex-Kauf untersuchten. Die junge Bevölkerung hatte eine negativere Haltung gegenüber dem Sex-Kauf. Dasselbe galt für die Bevölkerung von Oslo, wo Prostitution am sichtbarsten ist.

In Norwegen hat das Gesetz in sehr kurzer Zeit Wirkung gezeigt. In Schweden, wo es mit dem Gesetz gegen Sex-Kauf bereits 15 Jahre Erfahrung gibt, hat die Bevölkerung große moralische Bedenken, was den Kauf sexueller Dienstleistung angeht. Und einem staatlichen schwedischen Bericht (SOU 2010:49) zu Folge waren im Jahr 1996 70 Prozent gegen die Kriminalisierung während 2008 70 Prozent dafür waren.

Signalwirkung

Die Debatte um das Gesetz gegen Sex-Kauf ist kompliziert. Es ist völlig legitim, darüber zu diskutieren, inwieweit das Gesetz bezüglich seiner Zielsetzungen funktioniert (die Erfahrungen in Schweden und internationale Forschung deuten darauf hin, dass es das tut) und wen es betrifft (das Gesetz steht von behördlicher Seite im Zusammenhang mit Hilfsmaßnahmen, die Menschen den Ausstieg aus der Prostitution ermöglichen sollen).

All dies muss evaluiert werden. Aber es ist auch eine Wertedebatte. Das Gesetz gegen den Sex-Kauf signalisiert, dass der Kauf sexueller Dienstleistungen niemals dasselbe sein kann, wie das Anheuern eines Tischlers, und dass Gefühle und Einstellungen in der Debatte etwas verloren haben. Moralismus? Pah. Moral? Ja – und ja, bitte.

“Sex-Gewerbe wurde ‘aufgefordert, Amnesty beizutreten und intern Lobby zu machen'”

Übersetzt aus dem Englischen

Veröffentlicht im Original von Philip Bradfield auf newsletter.co.uk am 04.02.2014

Sex-Gewerbe wurde “aufgefordert, Amnesty beizutreten und intern Lobby zu machen”

Eine führende Persönlichkeit des Sex-Gewerbes, die Amnesty Internationals neuen Positionsentwurf den eigenen Bemühungen zuschreibt, forderte Kollegen laut eigener Aussage dazu auf, der Organisation beizutreten, um die Entkriminalisierung von innen voranzutreiben.

Douglas Fox von der International Union of Sex Workers (IUSW) ist ein Sexarbeiter, dessen Lebensgefährte eine Escort-Agentur in England betreibt.

Im Jahr 2008 schlug er erfolglos eine Resolution zur Befürwortung der legalisierten Prostitution bei der Amnesty UK Jahreshauptversammlung vor. Doch in der Samstagsausgabe des News Letter schrieb er sich Amnestys neuen Positionsentwurf als Verdienst zu und sagte, er habe die interne Debatte und die Untersuchungen begonnen.

Gestern bestätigte Fox, dass er 2008 einen Bericht verfasste, in dem er seinen Unterstützern mitteilte, die interne “Kampagnengruppe Gewalt gegen Frauen” sei der Schlüssel zur Opposition gegen die Legalisierung; er habe an ihrem Stand an der Jahreshauptversammlung “einen Krawall verursacht”.

Weiterhin bestätigte er, dass er in dem Bericht 2008 Unterstützer dazu aufforderte, Amnesty beizutreten und bei dieser Gruppe von innen Lobby zu machen.

“Amnesty auf unsere Seite zu bringen wird einen Riesenschub für unsere Moral bringen… wir müssen sie gnadenlos verfolgen und sie auf unsere Seite bringen,” schrieb er.

Amnesty meldeten sich jedoch gestern zu Wort und sagten, Fox sei seit Jahren kein Mitglied mehr und habe “null” Beitrag zu Amnestys Position geleistet.

Seine Resolution von 2008 führte zu Diskussionen in Amnestys weltweiten Verwaltungsorganen, aber wurde letztendlich abgelehnt. Der neue Entwurf entstamme einem Bericht aus dem Hauptquartier von Amnesty International im Jahr 2012, so ein Sprecher.