Geschlagen, vergewaltigt und mit 9 Jahren von Pädophilen in einen Käfig gesperrt: die modernen Sklaven Indiens

Übersetzt aus dem Englischen

Original von Tom Parry veröffentlicht auf mirror.co.uk am 26.3.2014

[Bei der Quelle handelt es sich um eine britische Boulevardzeitung.]

Geschlagen, vergewaltigt und mit 9 Jahren von Pädophilen in einen Käfig gesperrt: die modernen Sklaven Indiens

Aus einer spärlich beleuchteten Gasse kommt ein Zuhälter im Teenageralter hervor, um ein Schulmädchen anzupreisen, das in dem sechsstöckigen Bordell hinter ihm gefangen gehalten wird. „Ich kann dir junge Mädchen besorgen,“ prahlt er. „Minderjährig, nur vier oder fünf Mal benutzt. Hier in Mumbai kann man alles kaufen, Sir.“

Irgendwo da drinnen ist ein Mädchen, dessen geraubte Unschuld ein grausiges Verkaufsargument ist im rattenbefallenen Rotlichtbezirk des Bezirks Kamathipura.

In diesem Labyrinth aus müllübersäten Gassen, in denen obdachlose Kleinkinder neben wildäugigen Drogensüchtigen im Freien schlafen, gibt es tausende solcher Mädchen, manche nicht älter als sechs. Sie sind Sklaven, verkauft an die Menschenhändler von ihren eigenen bettelarmen Familien in anderen Teilen Indiens.

Kamathipura wurde von den Briten zur Nutzung durch die Kolonialtruppen eingerichtet. Es wurde als „comfort zone“ bezeichnet – „Trostzone“.

Als unsere Truppen 1947 abzogen, zogen die Zuhälter ein, das leichtverdiente Geld durch die Ausbeutung von Kindern witternd.

Während Großbritannien mit der Modern Slavery Bill [Gesetz gegen moderne Sklaverei] kurz davorsteht, lebenslange Haftstrafen für Menschenhändler zu verhängen, verbleibt Indien das Land mit den meisten Menschen in der Zwangsarbeit weltweit.

Ein globaler Sklaverei-Index, der vor kurzem veröffentlicht wurde, besagt, dass die Nation mit der zweitgrößten Bevölkerung fast die Hälfte der Sklaven weltweit beherbergt. Insgesamt 15 Millionen Menschen, viele von ihnen Kinder, werden dazu gezwungen, ohne Bezahlung zu arbeiten, als Hausdiener, Bergleute, Baumwollpflücker und, am Schlimmsten von allen, als Prostituierte.

Sklaverei ist heute das drittprofitabelste Geschäft für organisierte Verbrechenssyndikate und wird nur noch von Waffen und Drogen übertroffen.

Und mitten im wuselnden Chaos von Mumbai werden die jüngsten Opfer des Sex-Gewerbes in stockfinsteren, hölzernen Kistenkäfigen gehalten, in geheimen Zimmern tief im Inneren der Bordelle.

Diese winzigen, verschlossenen Zellen sind hinter Falltüren und falschen Wänden versteckt und die Mädchen, von ihren Fängern mit Makeup beschmiert, haben keine Möglichkeit, vor den Pädophilen zu entkommen, die nachts auf der Pirsch sind, ungestört von der mutmaßlich korrupten Polizei.

Seena Simon, die ein Übergangshaus für gerettete Mädchen leitet, erklärt: „Die Mädchen werden wie Hühner in der Massentierhaltung in ihren Käfigen schön und rund gehalten. Die Zuhälter wollen sie so jung wie möglich, um mehr Geld zu mit ihnen zu machen. Männer hier zahlen mehr für jüngere Mädchen. Deswegen werden sie versteckt gehalten.“

Eine indische Kinderrechtsorganisation gibt an, dass 40 Prozent der Prostituierten im Land im Schulalter sind.

Ich treffe ein Mädchen, das vor kurzem gerettet wurde: die sechzehnjährige Padma aus dem Staat Uttar Pradesh, die von ihren verschuldeten Eltern im Alter von sechs Jahren verkauft wurde.

Sie erzählt mir, ihr Vater habe zuerst gebettelt, dann einen Kredit aufgenommen, den er nicht zurückzahlen konnte. Die Kredithaie schlugen ihre Eltern zusammen und drohten damit, sie zu töten, wenn sie nicht Padma, ihr jüngstes Kind, an eine Menschenhändlerin in ihrem Ring verkauften.

„Die Frau schlug mich die ganze Zeit – ich wusste nie, warum,“ sagt Padma. „Danach brachte sie mich hierher, nach Mumbai.“

“Als Erstes wurde ich zu einer Sklavin im Haus dieser Dame gemacht. Zu dem Zeitpunkt war ich sieben. Etwa ein Jahr später wurde ich an diese Gang übergeben. Einer der Männer sagte mir, ich müsse bereit sein, eine Frau zu sein.“

„Sie brachten mich dazu, dass ich anfing, Makeup zu tragen. Eines Tages sagte er mir, ich solle mich ausziehen. Ich wusste nicht, was ich tun müssen würde.“

„Er griff mich an, belästigte mich; ich hatte keine Ahnung, was geschah. Ich war währenddessen die ganze Zeit völlig versteinert. Als er fertig war, verschloss die Frau, die mich verkauft hatte, die Tür von außen und ließ mich dort. Ich war nackt und weinte.“

„Als sie am nächsten Tag wiederkam, um mit mir zu reden, sagte sie, „Es ist keine Sünde, es ist einfach nur das, was wir tun.“ Ich wurde so oft bedroht, dass ich einfach beschloss, zu akzeptieren, was sie von mir wollten. Ich war damals neun. Ich war eine Prostituierte geworden.“

Padma spricht mit verblüffender Fassung während sie ihren Leidensweg schildert. Aber während sie in ihrem pinkfarbenen Sari erwachsen gekleidet ist, wirkt ihre Mimik kindlich.

Unser Interview findet in ihrem Zimmer im Wohnheim statt, eingerichtet wie ein Kinderzimmer mit Schablonenbildern von Engeln an den farbenfrohen Wänden.

Mumbai brothel box cage

Eine hölzerne Käfigkiste, in der Mädchen missbraucht und gefangen gehalten werden, bis sie „gebrochen“ sind und nicht versuchen werden, aus dem Bordell wegzulaufen. (Foto: Hazel Thompson)

Das Gebäude ist absichtlich in einer ruhigen Straße weit weg von den Jägern, denen der Sinn nach Rache stehen könnte gegen Mädchen, die durch ihr Netz geschlüpft sind.

Padma beschreibt ruhig, wie sie schweigend erleiden musste, dass ein niemals abreißender Strom von Männern sie von 16 Uhr bis 4 Uhr jede Nacht vergewaltigte.

Wenn sie jemals über den Missbrauch klagte, wurde sie geschlagen, gefesselt oder sogar hungern gelassen.

„Einmal zogen sie mich aus, banden mich an den Deckenventilator und schalteten ihn dann ein,“ erinnert sie sich. „Ich wurde geschlagen, während ich herumgewirbelt wurde.“

Die Erzählung dieser Folter lässt mich von Grauen erfüllt zusammenzucken; Padma erzählt einfach weiter ihre tragische Geschichte.

„Die Männer kamen ins Bordell und suchten sich eine von uns im Wartezimmer aus, wo wir alle saßen,“ fügt Padma hinzu.

„Ich brachte jede Nacht tausende Rupien ein, aber ich bekam nie etwas von dem Geld. Tagsüber musste ich einige der jüngeren Mädchen babysitten, also habe ich nie wirklich geschlafen.“

„Viele von uns, manchmal bis zu zehn, waren tagsüber in diesem winzigen, heißen Zimmer zusammengepfercht. Es war schrecklich.“

Padma wurde letztes Jahr endlich gerettet, als die Polizei eine Razzia in dem Bordell machte.

In diesem Fall, wie in vielen anderen, sind die Zuhälter und Menschenhändler alle ohne Strafe davongekommen.

Ein weiteres Mädchen in der Zufluchtsstätte, Dishita, erzählt, wie die Bordellbetreiber immer im Voraus vor Polizeirazzien gewarnt wurden.

Man verfrachtete sie dann vorübergehend in ein anderes Gebäude.

Dishita wurde in einem Zimmer gefangen gehalten, das gerade groß genug für eine winzige Matratze war. Das Essen wurde durch einen Schlitz geschoben; sie musste stundenlang an die Tür klopfen, um auf die Toilette zu dürfen.

Sie, wie viele andere in dem Zentrum, ist HIV-positiv. Und sie sieht einer schwierigen Zukunft entgegen während sie versucht, ihre schreckliche Vergangenheit zu verarbeiten.

Ihre Freundin Rashmi, 18, wurde von ihrer eigenen Mutter an ein Bordell verkauft als sie gerade mal 8 Jahre alt war.

Seena sagt, einige Mädchen in ihrer Obhut sind so traumatisiert, dass sie ihre Vergangenheit komplett ausgeblockt haben.

Die meisten können nachts nicht schlafen, weil sie derart daran gewöhnt sind, in den Nachtstunden wach zu sein.

„Die schlimmsten Fälle, von denen ich gehört habe, sind Kinder, die ihren Müttern weggenommen werden noch während sie nach der Geburt im Krankenhaus sind,“ sagt Seena. „Sie werden weiterverkauft um schließlich in den Bordellen benutzt zu werden, wenn sie noch im Grundschulalter sind.“

„Man kann diese sehr jungen Mädchen nicht sehen; sie werden vor den Augen der Öffentlichkeit auf der Straße versteckt, aber sie sind da.“

„Die Menschenhändler sagen ihren Familien, dass sie den Mädchen in Mumbai einen Job verschaffen,“ fügt sie hinzu.

Sie zahlen etwa 50 Pfund [ca. 60 Euro], um sie mitzunehmen.

Sie fährt fort: „Sobald sie angekommen sind, werden sie für das Zehnfache an Bordelle weiterverkauft – 50.000 Rupien.“

„Die Mädchen stehen bei ihnen in der Schuld, ab dem Zeitpunkt, an dem sie über die Schwelle treten. Und bis sie diese 50.000 abbezahlt haben, und noch jede Menge obendrauf, können sie nicht weg. Oft müssen sie mit 15 bis 20 Männern pro Nacht Sex haben. Der Bordellbetreiber behält das Geld, nicht sie selbst.

„Manchmal führt die Polizei Razzien im Rotlichtbezirk durch, aber das geht trotzdem weiter. Ich denke, die sehen weg. Es ist total korrupt. In Indien, genau wie in Großbritannien, ist es ein sehr schweres Verbrechen, mit Minderjährigen Sex zu haben, aber sie entscheiden sich dafür, nichts dagegen zu tun.“

„Kinderprostitution nimmt zu. Es ist ein Geschäft mit großen Profiten und sie erlauben, dass es passiert. Niemand von ihnen denkt über die Auswirkungen auf das Leben der Mädchen nach.“

In Großbritannien bleiben schockierende Fälle wie jener der drei Frauen, die als Sklaven im Süden Londons gehalten wurden, selten.

Hier in den zwielichtigen, übelriechenden Gassen von Kamathipur gibt es nicht nur Sklavenkinder in den Bordellen, sondern auch jüngere Jungen und Mädchen, die in die körperliche Arbeit gezwungen werden.

Laut der Wohltätigkeitsorganisation Tearfund, welche das Übergangshaus mitfinanziert, nutzen die Menschenhändler Eltern aus, die nach Naturkatastrophen alles verloren haben.

„Wenn Familien Brotverdiener und sogar ihr Zuhause verlieren, dann fallen sie opportunistischen Kinderhändlern zum Opfer,“ so die humanitäre Organisation.

„Aus Verzweiflung nehmen Familien das Angebot an, ohne zu realisieren, dass ihr Kind in die Sex-Industrie oder in die Kinderarbeit verkauft werden wird.“

 

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