Mia de Faoite vor dem nordirischen Parlament zum Gesetzesvorschlag zur Freierbestrafung (Niederschrift)

Übersetzt aus dem Englischen

Veröffentlicht im Original von der nordirischen Regierung auf niassembly.gov.uk

Es handelt sich um die Niederschrift der Anhörung von Mia de Faoite zum Gesetzesvorschlag Lord Morrows zur Kriminalisierung von Prostitutionskunden vor dem Justizausschuss des nordirischen Parlaments am 6.2.2014.

Offizieller Bericht (Hansard)

Committee for Justice

Anwesende Mitglieder

Zeuginnen und Zeugen

Frau Mia de Faoite

Gesetzesvorschlag Menschenhandel und Ausbeutung (weitere Maßnahmen und Unterstützung für Opfer): Mia de Faoite

Der Vorsitzende: Ich heiße Frau Mia de Faoite willkommen. Ich werde Ihnen, Mia, erlauben, meine Aussprache zu verbessern, wenn Sie an den Tisch kommen. Diese Sitzung wird aufgezeichnet und zu gegebener Zeit veröffentlicht. Ich werde an Sie übergeben um einige einleitende Worte zu sprechen, woraufhin die Mitglieder sicherlich Fragen haben werden. Wir wissen zu schätzen, dass Sie die Zeit gefunden haben, heute mit uns zu sprechen.

Frau Mia de Faoite: Danke für diese Gelegenheit. Mein Name ist Mia de Faoite, und ich bin Überlebende der Prostitution und Drogensucht. Ich bin Aktivistin sowohl als Einzelperson als auch als eine von vielen Partnerinnen der Turn Off The Red Light Kampagne. Ich habe öffentlich über das Thema referiert und habe die verschiedenen Kanäle der Medien genutzt, um auf die Schäden und Gefahren, die der Prostitution innewohnen, aufmerksam zu machen, und auf die Gründe, warum die Empfehlungen unseres eigenen Justizausschusses nun umgesetzt werden müssen. Ich bin in meinem zweiten Jahr an der National University of Ireland in Maynooth, wo ich Philosophie und Soziologie studiere. Ich bin auch die Mutter einer Tochter, und ich habe zwei wundervolle Enkelinnen, die ich sehr liebe.

Meine Entscheidung, in die Prostitution einzutreten, schien mir zu der damaligen Zeit eine sehr vernünftige. Ich hatte im Alter von 33 Jahren ein Heroinproblem entwickelt, nachdem ich noch nie eine Droge zu mir genommen hatte, und meine Partnerin hatte ein noch größeres Drogenproblem. Mein Geld war weg und Verbrechen war keine Option, aber ich wusste dass ich eine wertvolle Ware hatte weil ich einen weiblichen Körper hatte, den ich verkaufen konnte. Es sollte nicht lange andauern; nur bis sie und ich hatten, was wir brauchten. Allerdings traf ich diese Entscheidung, während ich von einer bewusstseinsverändernden Droge abhängig war, und man trifft keine guten Entscheidungen, während man in der Sucht feststeckt. Ich trat in ein Paradoxon ein, aus dem sehr wenige Frauen entkommen. Ich bin eine der wenigen Glücklichen.

Das Leben auf der Straße ist komplex. Wir führten schwierige, komplexe Leben, und ich wäre nie in der Lage, sie in dieser kurzen Zeit zu erklären. Aber es gibt zwei Dinge, die ich heute gerne ansprechen würde. Die erste Sache ist Vergewaltigung. Vergewaltigung wird ein Teil der Arbeit, so sehr, dass wir nicht wirklich das Wort „Vergewaltigung“ verwenden; wir haben nicht die Erlaubnis dazu. Wir weisen vielleicht darauf hin, aber es wird ignoriert und das Thema wird gewechselt. Viele Menschen stumpfen gegenüber den Schmerzen Anderer ab, denn wenn man den Schmerz Anderer anerkennt, dann muss man vielleicht auch den eigenen anerkennen. Wir haben keinen Ort für diesen Schmerz, keinen Ort an dem wir mit ihm umgehen können, und so begraben manche Menschen ihn, und manche benutzen Drogen, um ihn zu vergessen, und manche spalten ihn ab. Leider akzeptieren manche ihn als Alltag.

Jede prostituierte Frau hat einen Lebenslauf der Vergewaltigung oder der sexuellen Übergriffe, und hier ist meiner. Es war Dezember, es war eiskalt und wir waren mehr als sonst draußen, da es kurz vor Weihnachten war. Ich bekam einen Job angeboten mit einer Freundin von mir namens Jenny, und es war für eine Weihnachtsfeier. Sie sagte, es würden nur ein paar Männer dort sein, sie kannte einen von ihnen gut und uns würde nichts passieren. Ich war ein wenig naiv, da ich erst seit fünf Monaten auf der Burlington Road war, und der Gedanke, eine große Geldsumme auf einmal zu bekommen, verhieß, dass ich bis nach Weihnachten nicht mehr raus müssen würde, also ging ich hin.

Es stellte sich heraus, dass dort insgesamt acht Männer waren. Nun war ich nervös, aber wir vereinbarten die Bedingungen – was erlaubt war und was nicht etc. –, man bezahlte uns die volle Summe und wir fingen an. Alkohol und Kokain wurden angeboten. Ich nahm Kokain, aber ich trank keinen Alkohol, also können sie sich vorstellen, was los war. Nicht alle Männer wollten etwas von uns, und ich fühlte mich schon in gewisser Weise, als hätte ich die Kontrolle, aber mir war bewusst, dass Jenny dabei war, betrunken zu werden, genau wie die Männer, die laut wurden. Als die Zeit um war, wurden wir eine Minute lang allein gelassen. Ich sammelte meine Sachen ein und sagte Jenny, sie solle sich fertig machen um zu gehen.

Ich ging in das andere Zimmer und sagte, „Okay Jungs, wir gehen jetzt, danke“ oder etwas in der Richtung. Ich konnte spüren, dass etwas in der Atmosphäre sich geändert hatte, und die Haare an meinem Nacken stellten sich langsam auf. Einer der Männer sagte, „Du gehst nirgends hin; wir sind nicht fertig“. Ich versuchte, ihm Vernunft einzureden indem ich sagte, „Komm schon, fair ist fair“, aber ich sah zur Tür und rüber ins Schlafzimmer, wo Jenny immer noch nicht fertig war. Ich konnte nicht einfach wegrennen und sie zurücklassen. Daraufhin wurde an meinen Haaren gezogen und ich wurde aufs Sofa geschubst. Dann fing es an.

Ich wurde zurück ins Schlafzimmer geschleift, wo Jenny und ich einem unvorstellbaren Grauen ausgesetzt wurden. Wir wurden vergewaltigt, hauptsächlich anal und oral. Wir waren wie Flickenpuppen – nicht einmal das. Wir waren einfach nur Gegenstände, die man herumreicht. Meine Haut kribbelte und mein Inneres fühlte sich so an, als würde es mir im Hals hochkommen. Ich wollte schreien, aber ich konnte nicht. Ich sah Jenny an, aber ich konnte sie nicht beschützen. Sie war viel jünger als ich, viel dünner und schwächer. Ich sah direkt in die Augen des Mannes, der auf mir war. Ich dachte, „Kannst du mich nicht sehen? Kannst du nicht meine Tränen sehen?“. Ich werde nie die Augen vergessen, die auf mich zurückblickten, denn sie waren leer. Er sah direkt durch mich hindurch. Sie versuchten, Gegenstände in uns einzuführen. Jenny wurde auf einem Stuhl positioniert. Es tut mir Leid, aber ich kann nicht von dem sprechen, was als nächstes geschah, aber irgendwann endete es und sie gingen. Zum Glück nahmen sie nicht das Geld zurück, sodass wir von dort weg konnten. Ich hob Jenny auf, zog sie halbwegs an, und wir gingen. Ich verließ dieses Gebäude mit meinem Körper und meinem Gesicht voller blauer Flecken, nach Urin riechend und aus dem Rektum blutend.

Verstehen Sie jetzt, wie ich die Freiwilligkeit nicht mehr sehen konnte? Ich habe die Welt seit jener Nacht nicht mit denselben Augen gesehen. Was Jenny angeht – sie ist gestorben. Ihr Drogenkonsum geriet außer Kontrolle, und sie starb ungefähr drei Monate später allein an einer Überdosis. Es war vielleicht das Heroin in ihrem Arm an dem Tag an dem sie starb, aber ich weiß, was sie wirklich getötet hat. Heute bin ich auch ihre Stimme.

Meine nächste Vergewaltigung war etwa ein Jahr später durch einen einzelnen Täter in der Nähe der Burlington Road. Die nächste – ich bin nicht sicher, ob ich es Vergewaltigung nennen kann – geschah in derselben Nacht. Ich saß nach dem Übergriff auf dem Boden auf der Straße. Er hatte mir mein Geld und mein Telefon genommen, und ich saß, desorientiert und allein, mit schmerzendem Körper und mühsam funktionierenden Geist. Ein Stammkunde von mir hielt an, stieg aus seinem Auto, hob mich auf und bot mir an, mich nach Hause zu fahren. Ich erzählte ihm, was passiert war, und er hielt an und kaufte mir einen Kaffee. Aber kurz bevor wir bei mir zu Hause ankamen, fuhr er an den Straßenrand und erinnerte mich, dass ich kein Geld hatte, um ihn zu bezahlen – er war ein Taxifahrer – aber dass ich ihn ranlassen könnte. Ich habe nicht einmal protestiert; ich habe mich einfach zurückgelehnt und ihn gelassen. Wie nennt man es, wenn jemand Sex mit einer Frau hat, von der er weiß, dass sie circa eine Stunde zuvor vergewaltigt wurde?

Meine letzte Vergewaltigung war durch zwei junge Männer, die high auf Kokain waren. Einer sah zu während der andere es tat, aber in meinen Augen war er genauso schuldig. Ich habe unzählige Erfahrungen der Erniedrigung – man hat auf mich uriniert etc. – und der oralen Vergewaltigung. Tatsächlich habe ich keinen Würgereflex; die hintere Halsmuskulatur gewöhnt sich daran, entspannt zu bleiben, weil sie es muss.

Ich habe keinerlei Verständnis für Käufer, da sie mit den Psychen und Körpern einiger der am meisten geschädigten Frauen herumgepfuscht haben, mit denen ich wohl jemals in Berührung kommen werde, und diese Frauen waren meine Freundinnen. Sie lagen mir am Herzen, und ich vermisse sie. Gleichzeitig ist Rache aber nicht mein Ziel, oder etwas das ich verfolge oder mir wünsche. Ich habe mich schon vor langer Zeit damit abgefunden, dass meine Vergewaltiger und Missbraucher niemals zur Rechenschaft gezogen werden. Das ist sogar etwas, das man tun muss, um die Prostitution zu überleben.

Manche Menschen haben Schwierigkeiten mit Absatz 6 weil, so glaube ich, sie denken, dass die Männer die menschliche Wesen für Sex kaufen, größtenteils gute Bürger sind, in der Hinsicht, dass sie ihre Steuern zahlen, sie zahlen ihre Miete, sie kaufen Eigenheime mit ihren Partnerinnen, sie haben zwei bis vier Kinder, und sie setzen überall ein Häkchen, wo die Gesellschaft es als richtig ansieht, und so erlauben wir ihnen diese kleine Schwäche. Wie erlauben wir sie? Durch unser Schweigen und indem wir es legal lassen. Die Männer, die mich und all die anderen Frauen kauften, die Männer, die diese kranke Industrie nähren, sind jeden Tag unter Ihnen. Sie sind Väter, Ehemänner, Kollegen, etc. Wir wollen nicht eingestehen, dass ein guter Bürger sich wie ein schlechter Mensch benehmen kann. Ich verstehe diese Angst. Wir hassen es, die schöne gesellschaftliche Ordnung durcheinander zu bringen, aber auf wessen Kosten?

Ich dagegen würde als schlechte Bürgerin gesehen. Ich hatte keinen Job, ich habe Unterstützung vom Staat erhalten, ich war eine Heroinsüchtige, und, am schlimmsten von allem, ich stand an einer öffentlichen Straße und habe meine Ware feilgeboten, habe diese guten Bürger zu mir gelockt als hätten sie keine Wahl. Aber ich bin ein guter Mensch; das war ich schon immer. Das ist das Gleichgewicht, das Sie finden müssen: zwischen dem guten Bürger und dem guten Menschen, und wer von uns zuerst kommt, wenn es um Schutz geht.

Die Leute fragen mich, wie viele Männer. Vier bis fünf Täter kauften mich an zwei bis drei Nächten die Woche, mindestens 45 Wochen im Jahr, für fast 6 Jahre. Das ist eine Gleichung, die ich niemals ausrechnen werde. Ich war keine Sexarbeiterin; ich war ein gefangener Geist, der in einem Körper lebte, der nicht länger mir gehörte. Ich war ein entfremdetes, drogensüchtiges, wandelndes Vergewaltigungsopfer. Das waren wir alle. Wie unsere gefangenen Psychen damit klarkamen hing von einer großen Bandbreite von Faktoren ab, die zu komplex sind, um sie hier kurz zu erklären. Prostitution ist wie „Inception“, und es bringt die Psyche durcheinander.

Ich kannte Frauen, die ihren echten Namen verwendeten und ihre Haltung verteidigten. Für mich war das erschreckend, denn es bedeutete, dass sie jede realistische Hoffnung, dass sich das hier ändern könnte, verloren hatten und angefangen hatten, in ihrer eigenen Ausbeutung Wert zu sehen. Es war zufriedene Akzeptanz, auch von der meisterhaften Manipulation der Käufer angetrieben. Ich war der Ansicht, dass es einen grundlegenden Unterschied gibt zwischen der Verteidigung dessen, dass man etwas wird, und der Verteidigung dessen, was aus einem geworden ist, und weise Forscherinnen und Forscher verstehen dieses Konzept. Wir lernen Fähigkeiten um zu überleben, wir benutzen Lachen als Bewältigungsstrategie, und wir vertrauen einander, denn wir wissen, wie die Welt über uns denkt. Diese Botschaften kommen laut und deutlich an, und es gibt keine Botschaften, die uns sagen, dass man uns jemals willkommen heißen würde, wenn wir zurückkämen. Wir sind zu der schlimmsten Beleidigung geworden, die eine Frau zu einer Frau sagen kann oder mit der ein Mann eine Frau bedenken kann. Wir unterschreiben einen gesellschaftlichen Vertrag, der die höchsten Kosten mit sich bringt, denn das Kleingedruckte dieses Vertrags, die Geschäftsbedingungen, sind hart, verstörend und nicht zu rechtfertigen. Es scheint den Meisten, als würden wir frei auf der Straße stehen, und doch sind überall Ketten.

Prostitution und Menschenhandel in die Prostitution sind untrennbar miteinander verbunden: das eine gibt es, weil es das andere gibt. Die letzten 18 Monate auf der Burlington Road stand ich neben einer gehandelten Frau. Sie wurde zu meiner engsten Freundin, und ich habe noch nie ein so gebrochenes menschliches Wesen gesehen. Die Bedingungen, in denen sie lebte, waren unmenschlich und obwohl wir auf unterschiedliche Weise am selben Ort angekommen waren, waren wir miteinander verbunden weil wir von denselben Tätern gekauft, benutzt, ausgebeutet, erniedrigt und vergewaltigt wurden. Eines Nachts wurde ich gekauft, und ein paar Nächte später kaufte derselbe Mann sie. An ein paar Gelegenheiten wurden wir zusammen gekauft. Diese Verbindung kann niemals gebrochen werden, von niemandem, in keinem Land.

Es gibt solche, die argumentieren, dass Menschen ein Recht darauf haben, mit ihrem Körper zu tun, was sie wollen. Allerdings sehe ich das nicht als ein absolutes Recht. Wenn das, was man mit seinem Körper tut, eine Industrie fördert und unterstützt, die in ihrer schlimmsten Ausprägung in der Vergewaltigung und Sodomisierung von Kindern resultiert, dann ist es viel eher ein begrenztes Recht. Woran ich glaube ist ein absolutes Recht, wie es in Artikel 4 der Menschenrechtserklärung steht, dass Sklaverei in all ihren Formen verboten werden muss. Wir müssen uns immer daran erinnern, dass die Freiheit einiger weniger nicht vor der Freiheit vieler kommen darf. Jedes Mal, als dies im Lauf der Geschichte passierte, wurde die Menschenwürde abgebaut und Freiheit ging verloren.

Ich habe das, was man in Schweden vor 15 Jahren gemacht hat, nie als Modell beschrieben. Sie haben ein bemerkenswertes Beispiel gesetzt, dem Europa nun folgen muss. Wie wir wissen, haben drei Länder das bereits getan. Es ist für mich nicht überraschend, dass Schweden das Land war, das mit diesem Beispiel vorangegangen ist, denn als die Gesellschaft, die auf dieser Welt der Gleichberechtigung am nächsten kommt, ist es das einzige Land, in dem das Zurückgewinnen der Menschenwürde seinen Anfang nehmen konnte. Schweden hat die Menschenwürde an die oberste Stelle gesetzt. Sie haben das Konzept der Menschenwürde vollständig verstanden, denn es handelt sich dabei um den Wert und den Respekt, den wir einander als menschliche Wesen beimessen. Was passiert, wenn für uns die Menschenwürde an oberster Stelle steht, ist, wie Schweden zweifellos gezeigt hat, dass das Gute triumphiert, und in Ländern wo sie an letzter Stelle steht, gedeiht das Böse, wie mehr als ersichtlich ist in den Ländern, in denen die Prostitution entkriminalisiert oder legalisiert ist und toleriert wird. Das Böse ist sowohl der Menschenhandel als auch das, wohin gefährdete Frauen und Kinder gehandelt werden: die Prostitution. Dort kommen sie zu den süchtigen, entfremdeten und geschädigten Frauen wir mir, die auch feststecken, aber auf eine andere Art, um die Bedürfnisse einer bestimmten Gruppe von Männern zu befriedigen.

Arendt kam zu dem Schluss, dass das meiste Böse in der Welt von Niemanden verübt wird, und ich stimme ihr zu. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass es nun an der Zeit ist, die Niemande zur Rechenschaft zu ziehen, für die grausame Industrie und den Sklavenhandel, den sie willentlich fördern und erhalten. Tatsächlich existieren sie nur aufgrund von ihnen.

Ich wiederhole, Schweden hat nichts radikales oder kontroverses getan; sie haben das Richtige getan, im Namen der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Gleichheit. Jetzt ist unsere Insel an der Reihe. Wir haben eine außergewöhnliche Chance, einen gesellschaftlichen Wandel für das Allgemeinwohl zu bewirken, eine Gelegenheit, die wir nicht an uns vorbeiziehen lassen dürfen.

Sehr verehrte Ausschussmitglieder, ich habe zwei wunderschöne Enkelinnen, und ich will, dass sie in einem Land, auf einer Insel und in einem Europa aufwachsen können, in denen die Körper, in die sie hineingeboren wurden, respektiert werden und zu keiner Zeit zum Verkauf stehen wie der ihrer geliebten Großmutter. Das ist mein Wunsch für jedes kleine Mädchen. Die eine Sache, die mich fast sechs Jahre der sexuellen Ausbeutung mit Sicherheit gelehrt haben, ist, dass Prostitution nicht vereinbar ist mit Menschlichkeit; wir wählen das eine oder das andere. Ich bitte sie inständig, eine weise Entscheidung zu treffen.

Der Vorsitzende: Mia, vielen Dank. Wir haben ein paar Beweisanhörungen gehabt, die für uns alle schwierig waren. Dies ist eine weitere. Allerdings ist es natürlich nicht ansatzweise so schwierig, wie es für Sie gewesen ist. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie heute vor dem Ausschuss erscheinen, und ich schätze Ihre Ehrlichkeit und die Art, wie Sie sich vor uns verhalten haben. Die Mitglieder werden Fragen an Sie haben, die wir stellen müssen, um unsere Arbeit der Beweisführung zu machen. Ich hoffe, sie haben dafür Verständnis. Lassen Sie mich mit ein paar Fragen beginnen, und dann werde ich an die Mitglieder übergeben.

Ihre Aussage hat mich sehr ergriffen, als Sie davon sprachen, dass Sie vergewaltigt wurden. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt die Polizei kontaktiert?

Fr. de Faoite: Nein. Die Polizei zu rufen ist etwas, an das man gar nicht denkt. Wie gesagt, wir wissen nicht, ob wir es Vergewaltigung nennen können. Wir wissen, dass es das ist, aber es fühlt sich so an, als könnte man das nicht. Es ist schwer genug für Frauen außerhalb der Prostitution, Vergewaltigungen zu melden. Viele Menschen glauben nicht einmal, dass prostituierte Frauen vergewaltigt werden können. Es kommt uns nicht einmal in den Sinn, die Polizei zu rufen.

Der Vorsitzende: Sie haben den Fall von Ihnen und Jenny erzählt. Sie sagten, dass Sie dem Mann in die Augen sahen und er einfach durch Sie hindurchsah als würden Sie nicht existieren. Ist das eine typische Erfahrung?

Fr. de Faoite: Man wird gekauft; jemand hat einen Gegenstand gekauft. Wenn die Leute etwas kaufen und mit nach Hause nehmen, nur um festzustellen, dass es nicht richtig funktioniert, dann ist das Erste, was Viele tun, es zu schütteln. Dasselbe Prinzip lässt sich auf die Prostitution anwenden: „Ich habe dich gekauft um das zu tun, du tust es nicht richtig, also schüttle ich dich.“ Man wird nicht als vollwertiger Mensch gesehen. Man wurde gekauft. In gewisser Weise sind in der Prostitution die Bedingungen so, dass Vergewaltigung vorprogrammiert ist. Dort wo man gute Bürger hat, die vielleicht außerhalb dessen stehen, würde es nie passieren. Aber wenn diese Bedingungen existieren, dann ist es wahscheinlicher. Eine psychologische Studie nach der anderen beweist, dass Menschen unter den entsprechenden Bedingungen zu Allem fähig sind. Das ist das Problem. Das ist der Grund, warum sogar unabhängig arbeitende Frauen ihren eigenen Alarm dabeihaben und legale Bordelle Alarm-Knöpfe haben. Man kann das nicht vorhersagen oder dafür Gesetze erlassen. Wissen Sie, was ich meine? Wenn eine Person gekauft wird, dann weiß sie nicht, wie der Käufer sich verhalten wird. Man kann lernen, die Signale zu erkennen, die einem sagen, dass man nicht sicher ist. Es hängt auch davon ab, wie viele Drogen man in der Blutbahn hat, wo man ist und wie sehr man friert, aber eigentlich sind die Bedingungen so, dass es passiert und gedeiht.

Der Vorsitzende: Einige der ZeugInnen, die wir hier gehört haben, haben uns berichtet, dass ihren Kunden, wie sie sie nennen, ihr Wohlergehen am Herzen liegt. Waren in Ihrer Erfahrung die Männer auf Ihr Wohlergehen bedacht?

Fr. de Faoite: Nicht jeder Mann, der mich gekauft hat, war gewalttätig oder ausfällig, aber ich weigere mich, dafür dankbar zu sein. Manche glauben, sie würden sich um einen kümmern. Es gab einen, der regelmäßig zu mir kam, der niemals ausfällig oder gewalttätig mir gegenüber war. Er hob mich vom Boden auf, als ich in einem schrecklichen Zustand war, aber ich bin nicht aus seinem Auto gestiegen, ohne seine Bedürfnisse zu befriedigen. Er würde seine Tat vielleicht damit rechtfertigen, dass er etwas Gutes für mich getan hatte. Aber die Tatsache, dass sie kaufen, bedeutet, dass ihnen allen klar ist, dass wir nicht auf der Straße stehen, weil wir funktionierende Leben haben. Ich habe nur eine Frau getroffen, die nicht alkohol- oder drogenabhängig war und die keine zugrundeliegenden psychischen Probleme hatte. Käufer wissen das. Tatsächlich ist es so, dass man gefragter ist, je verletzlicher man aussieht, denn es geht nicht um Sex, es geht um Macht.

Der Vorsitzende: Es war für mich aus den Aufzeichnungen nicht ganz klar, wie alt Sie waren, als Sie anfingen. 

Fr. de Faoite: Ich fing mit  33 an, als ich heroinsüchtig wurde. Ich arbeitete kurz an der Benburb Street, dann war ich von Anfang 2005 bis zum 10. Oktober 2010 auf der Burlington Road. Das war die letzte Nacht, die ich auf der Straße stand.

Der Vorsitzende: Wir sind speziell daran interessiert, wie viele Menschen in der Prostitution Opfer des Menschenhandels sind. In Ihrer Erfahrung während dieser Zeit, wie häufig kam Menschenhandel vor? Können Sie mir auch sagen, wie alt einige von den Mädchen sind? Sind Minderjährige beteiligt? Vielleicht könnten Sie auf diese zwei Punkte eingehen.

Fr. de Faoite: Natürlich. Die meisten gehandelten, gezwungenen Frauen sind „indoors“, auch wenn die Frau, die ich kannte, das nicht war. Sie war 10 Jahre zuvor aus Afrika entführt worden und hatte in Griechenland angefangen. Dann wurde sie in die Schweiz gebracht, dann Großbritannien und schließlich Dublin. Der Grund, warum wir uns so nahekamen, war, dass ich hörte, wie sie eine Sprache sprach, und ich war ein paar Jahre zuvor in diesem Teil Afrikas gewesen. So haben wir uns kennengelernt. Ihr Menschenhändler oder Aufseher überwachte sie wo immer sie hinging, patrouillierte die Straßen. Sie wurde um 17 Uhr rausgeschickt und arbeitet durchgehend bis 5 Uhr morgens. Sie musste immer zurückkommen, wenn sie 100 € hatte. Sie war süchtig nach Crack, und er war der Dealer. Er verbot ihr, mit mir zu reden. Er konnte mich nicht ausstehen, nicht weil ich sie vielleicht dazu bringen könnte, für jemand anderen zu arbeiten oder weil ich sie von den Drogen wegbringen könnte, sondern weil ich sie wie einen Menschen behandelte. Ich war die einzige Freundin, die sie in 10 Jahren gehabt hatte. Ich erinnerte sie an ihre Kinder zu Hause wenn ich von meinem erzählte, und das war das Einzige, das sie von ihm hätte wegbringen können: Menschlichkeit. Ich habe ihn einmal herausgefordert, und er drehte sich um und ging. Es war ziemlich unheimlich. Er sendete mir eine Botschaft, indem er sie zusammenschlug und zu mir schickte. Sie verteidigte ihn. Sie hatte diese Loyalität zu ihm. Ich verstehe heute, dass es sich dabei um eine traumatische Bindung handelt. Frauen, die in diesen Zuständen gehalten werden, können eine Bindung zu ihren Aufsehern, Menschenhändlern oder Zuhältern entwickeln. Sie verteidigte ihn, und ich konnte es nicht verstehen. Ich nahm sie einmal mit zu mir nach Hause, nachdem man sie – ich habe es in dem Schreiben geschildert. Ich dachte, dass ich sie einfach aus dem Land schaffen und nach Hause bringen könnte, aber ich hatte kein wirkliches Verständnis der Bindung der Frauen, die von ihren Peinigern so viel Kontrolle, Einschränkung und Missbrauch erfahren. So sehr ich sie liebte und sie mir am Herzen lag, ich konnte die Bindung nicht brechen. Sie kehrte zu ihm zurück.

Der Vorsitzende: Erzählen Sie uns von dem Altersprofil einiger der anderen Opfer.

Fr. de Faoite: Ich traf nie ein junges Mädchen unter circa 17. Ich kannte zwei oder drei die 18 und 19 waren. Ich habe nie eine 14- oder 15-Jährige auf der Straße getroffen. Ich weiß wirklich nicht, was ich getan hätte, denn ich hatte eine Tochter zu Hause, die im selben Alter war. Ich kannte 18-Jährige. Ich weiß nicht genau, wie alt sie waren, als sie anfingen, aber so alt waren sie, als ich auf die Straße ging. Dann gab es ein paar ältere Damen, die schon seit 20 Jahren auf der Straße waren. Eines Nachts sagte eine Frau, „Ich setze mich zur Ruhe“. Ich weiß noch, dass ich sie ansah und mir dachte, „Mein Gott, bin das ich in 20 Jahren?“. Es war einfach so seltsam.

Die Straße ist anders. Es gibt Regeln. Es gibt eine Hierarchie. Es ist ein ziemlich komplexes Umfeld. In gewisser Weise gibt es normale Gruppendynamiken. Den Älteren wird Respekt gezollt. Die Jüngeren können ziemlich chaotisch sein, denn Crack verursacht unberechenbares Verhalten, und sie begeben sich in mehr Gefahr. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie schwer es ist, als Mutter einer Tochter zuzusehen, wie eine 18-Jährige sich auf die Rückbank eines Autos setzt. Dann kommt sie zurück, und sie ist nicht ganz sicher, was genau passiert ist.

Eines Nachts wurde eine der Jüngeren hinten aus einem Lieferwagen geworfen. Sie wusste, dass der Mann etwas in sie eingeführt hatte. Sie fühlte, dass etwas immer noch feststeckte, aber sie bekam es nicht heraus. Und so mussten ich und ein anderes Mädchen ihr helfen, es herauszuholen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie es ist, eine 18-Jährige in meinen Armen zu halten, die ich nicht nach Hause schicken konnte weil sie kein Zuhause hatte. Ich konnte ihre Eltern nicht anrufen, weil sie mit ihnen keinen Kontakt hatte. Ich sah zu, wie sie weinte. Alles was ich tun konnte war, ihr Geld zu geben, damit sie losziehen konnte und sich etwas holen, um alles zu betäuben. Als sie etwa zwei Wochen später zurückkam, war sie so wütend. Ihr gehörte die Straße, und sie stritt mit allen. Ich dachte, „Gott, ist es Wut, oder ist es einfach, naja, du weißt schon?“ Sie war eigentlich ein Kind. Sie war so geschädigt, verletzt und gedemütigt, und sie wusste nicht wohin damit, und so kam sie wütend zurück.

Es ist eine ziemlich grausame Welt da draußen. Die Art und Weise, wie man mit Trauma umgeht und die Fähigkeiten, die man zum Überleben benutzt, hängen von einer Reihe Faktoren ab. Es ist nicht leicht, mit anzusehen. Ja, wir lachen viel, aber das ist weil man, wenn man wütend wurde, Angst davor bekam, wie wütend man noch werden würde. Wenn man weinte, würde man vielleicht niemals aufhören. Und so ist Lachen wie eine Art Befreiung. Wir lachen manchmal über die seltsamsten Dinge.

Der Vorsitzende: Dies wird meine letzte Frage sein. Ich werde dann an die anderen Mitglieder übergeben. Absatz 6 dreht sich um die Kriminalisierung der Käufer. Schweden sind hier die Vorreiter, aber es hat die Prostitution und den Menschenhandel nicht aufgehalten. Warum glauben Sie würde die Kriminalisierung der Käufer einen Einfluss haben, sowohl hier in Nordirland als auch in der Republik wenn man das Gesetz verabschieden würde, auf die Dinge, von denen Sie uns heute berichtet haben, und um das Problem einzudämmen?

Fr. de Faoite: Ich persönlich glaube nicht, dass irgendjemand das Recht hat, einen anderen Menschen zu kaufen, um mit dessen Körper zu verfahren, wie er wünscht. Ich denke, das sollte so oder so im Gesetz stehen. Die Statistiken aus Schweden sprechen für sich, und nein, die Prostitution wurde dadurch nicht komplett abgeschafft. Sie wird wahrscheinlich nie vollständig abgeschafft, denn in dieser Welt wird es immer Menschen geben, die die Verletzlichen ausnutzen und auf die Kosten anderer Menschen Profit machen. Niemand, nicht einmal in Schweden, der gleichberechtigtsten Gesellschaft der Welt, hat für das menschliche Dasein in all seiner Komplexität eine Lösung gefunden. Das bedeutet nicht, dass wir nichts tun sollten.

Fr. McCorley: Go raibh maith agat, a Chathaoirligh [„Danke, Vorsitzender.“]. Danke für Ihren Vortrag. Es muss sehr schwierig für Sie sein, über all das zu sprechen. Es ist vermutlich das Schrecklichste, das ich im Laufe dieser Sitzungen gehört habe. Wie haben Sie es geschafft, aus diesem Leben herauszukommen? Hätten Sie etwas dagegen, uns zu erzählen, wie Sie das geschafft haben? War es ungewöhnlich, dass jemand aussteigt?

Fr. de Faoite: Ich habe mich nicht eines Tages entschieden, dass ich genug hatte. Meine Tochter hatte eine Krankheit. Sie wurde ziemlich krank und brauchte stationäre Behandlung. Während sie dort war, traf sie eine Sozialarbeiterin. Sie mochte sie gern. Meine Tochter kann recht zurückhaltend sein. Wir hatten ein recht isoliertes Leben geführt. Ich war den ganzen Tag daheim und kümmerte mich um sie, und ich ging drei Nächte die Woche aus, um zur Burlington Road zu gehen. Abgesehen davon gab es nur uns. Jedenfalls ließ sie sie an sich heran. Die Sozialarbeiterin bat mich eines Tages in ihr Büro zu kommen, was ich tat, mit einer vorsichtigen Fassade wie immer. Sie stellte mir ein paar Fragen, die mir noch nie jemand gestellt hatte. Sie fragte mich, wie das Leben für mich sei, wie es sei, ganz alleine dort draußen zu sein, wie es sei eine Mutter zu sein und zuzusehen, wie meine Tochter dahinwelkt und mich hilflos zu fühlen. Niemand hatte mir je diese Fragen gestellt. Ich war immer nur Verurteilung oder den Vorurteilen der Menschen begegnet.

Jedenfalls fing ich an, mit ihr zu reden. Ich redete jedes Mal mit ihr, wenn ich ausging. Ich vertraute ihr. Ich erzählte ihr Dinge, die ich noch nie jemandem erzählt hatte. Ich ließ sie an mich heran. Als es meiner Tochter gut genug ging, um nach Hause zu gehen, fragte mich die Sozialarbeiterin, ob ich ihr genug vertraute, um meinetwillen zwei Anrufe zu machen. Ich sagte ja. Sie hatte davor 10 Jahre lang im Gesundheitsrat gesessen, und 8 Jahre davon als Leiterin einer Entgiftungseinheit für Heroinkonsumenten. Sie rief meinen ehemaligen Chef an, einen Facharzt für Psychiatrie. Er traf sich mit mir, und er traf die Entscheidung. Er rief mich an und sagte, dass ich nach St. Michael’s zur Entziehungskur geschickt würde, und dann weiter ins Rutland [Centre in Dublin für Entziehungskuren]. Also war es am Ende wieder nicht ich, die die Entscheidung traf. Sie konnte Entscheidungsmöglichkeiten sehen. Das konnte ich einfach nicht. Meine Entscheidung wäre vielleicht viel düsterer gewesen.

Fr. McCorley: Es war also Entziehung.

Fr. de Faoite: Ja.  Ich hatte drei Wochen lang medizinische Entgiftung. Dann verbrachte ich fünf Wochen im Rutland. Ich hatte damals schweren posttraumatischen Stress. Ich hatte nach der Gruppenvergewaltigung eine Dissoziation erlitten. Ich sah die Frau, die ich nachts war, „Lucy“, als separat. Ich musste das überwinden. Dazu brauchte es oft zwei Menschen und einen Stuhl für Lucy, so dass ich mich zu all dem bekennen und mich selbst wiederfinden konnte. Es war, als wären ein siebenjähriger Krieg vorbei. Ich wusste nicht, wer ich war, aber ich weiß jetzt, dass Dissoziation und all das recht verbreitet ist. Ich las auch viel über Trauma und darüber, wie man sich davon erholt. Ich ging zu Ruhama, und seitdem habe ich nicht zurückgeblickt. Ich wusste, dass Bildung die eine Sache war, die mich retten konnte. Es ist die eine Sache, die Menschen aus Widrigkeiten herauszieht. Es ist hauptsächlich der Mangel an Bildung, der dazu führt, dass Frauen in der Prostitution enden.

Fr. McCorley: Ist es Ihnen möglich gewesen, zu einigen der Menschen zu gehen, die dieses Leben mit Ihnen geteilt haben, und ihnen zu zeigen, wie sie entkommen können?

Fr. de Faoite: Ich arbeite mit dem Referat für die Bekämpfung des Menschenhandels im irischen Migrantenrat (Immigrant Council of Ireland, ICI) und mit Ruhama, aber ich habe mich hauptsächlich dafür eingesetzt, dieses Gesetz bei uns und jetzt hier auf den Plan zu setzen. Ich habe mein Wissen mit ein paar Forschern geteilt. Ich konnte nicht zu dieser Straße zurückgehen und Rat bieten. Es wäre zu nah. Es ist erst drei Jahre her, dass ich da draußen gearbeitet habe. Meine Freunde sind noch dort. Daher gebe ich mein Wissen an Menschen weiter, die wissen, was damit zu tun ist, ob es um die Gesetzgebung oder Betreuungsangebote geht. Vielleicht kann ich eines Tages helfen, aber im Moment könnte ich nicht an die eigentliche Front.

Fr. McCorley: Sie sagten, fast alle hätten eine Sucht und komplexe Probleme. Sie sagten, sie seien heroinsüchtig gewesen. Hatten die meisten Frauen, die Sie trafen, eine solche Sucht und solche komplexen Probleme?

Fr. de Faoite: Nur bei einer Frau, die ich traf, war das nicht der Fall. Bei den älteren Frauen war es meist Alkohol. Die Jüngeren waren süchtig nach Crack, Heroin und Allem, was es so gab. Manche der Heroinsüchtigen waren chaotischer als andere, aber, ja, alle hatten eine Sucht. Bei manchen war es vielleicht Alkohol oder Speed. Manchmal waren es Tabletten oder was mal als multiplen Substanzmissbrauch bezeichnet – eine Kombination von was auch immer.

Fr. McCorley: Wenn wir jetzt an die Menschen und die Vorfälle, die Sie beschrieben haben, denken, können Sie sich vorstellen, dass Absatz 6 solche Menschen davon abbringt, Sex zu kaufen? Wenn sie zu solchen Dingen fähig sind, denken Sie, dass Absatz 6 sie abschrecken würde? Das ist das, was ich schwierig finde.

Fr. de Faoite: Ja. Es ist das absolut Einzige, das sie aufhalten kann. Wie einer mal zu mir sagte : „Ich mache mir keine Sorgen um die Polizei, denn so lange ich vor ihr an die Post rankomme, kann ich die 50 € Strafe bezahlen.“ Absatz 6 ist das Einzige, das wir tun können, und ich bin überzeugt, dass es auch das Richtige ist. Ich kenne die Männer, die mich gekauft haben, sehr gut. Ich habe sechs Jahre in ihrer Gesellschaft verbracht. Sie sind keine Männer, die dieser Debatte zusehen oder zuhören werden –  Sie wissen, was ich meine; sie werden da kein Risiko eingehen. Sie müssen zur Rechenschaft gezogen werden, und sie wissen es. Noch kommen sie damit davon. Die Gesellschaft gibt ihnen dazu Erlaubnis. Aber wenn die Gesellschaft und die Regierung darüber hinweg sind, und ich meine nicht die Auferlegung einer 50-Euro-Strafe, die er vor seiner Partnerin aus dem Briefkasten holen kann, dann wird es Verantwortung übernehmen müssen. Der einzige Weg, solches Verhalten zu ändern, ist, sie für ihr Verhalten zur Rechenschaft zu ziehen.

Fr. McCorley: Was sollte die Strafe Ihrer Meinung nach sein wenn, sagen wir, Absatz 6 verabschiedet würde, für jemanden, der schuldig befunden wird, für sexuelle Dienste bezahlt zu haben?

Fr. de Faoite: Ich glaube in Frankreich wird es eine Geldstrafe von 1000 € bis 1500 € geben. Selbst wenn sie auf dem Einkommen basieren würde – wir sind nicht auf demselben Stand wie Schweden, um das zu tun – wäre es erheblich mehr als 50 €.

Fr. McCorley: Sie haben bereits erklärt, dass dies eine abschreckende Wirkung haben soll. Absatz 6 ist ein einzelner Absatz. Was ist mit den komplexen Bedürfnissen und Problemen dieser Frauen? Wo bleiben sie da?

Fr. de Faoite: Das fragt man mich oft. Wenn ich noch immer da draußen stünde und jemand käme zu mir und sagte, „Wir legalisieren das hier jetzt“, dann hätte ich diese Person für verrückt gehalten. Ich hätte gesagt, „Sieh dich um – jetzt mal im Ernst – du hast vor, das hier offiziell legitim zu machen?“ Wenn Sie zu mir gesagt hätten, „Das hier ist furchtbar; Sie müssen aufhören; niemand wird je wieder das Recht haben, Sie zu kaufen; das ist schrecklich“, dann wäre das nicht das gewesen, was ich gehört hätte. Ich hätte gehört „Oh mein Gott, sie nimmt mir gleich das weg, was mir Zugang zu der Droge gibt, die mich bei Verstand hält“. Wenn man die Droge entfernen würde, dann würde ich mich erinnern; Ich wäre nicht mehr betäubt, aber das würde nicht bedeuten, dass ich für immer davon ablassen würde. Es wäre schwierig gewesen, und ich wäre krank geworden, aber ich hätte um die Hilfe bitten müssen, die da war, aber dich ich einfach nicht sehen konnte.

Fr. McCorley: Das ist ein guter Punkt. Es gibt verschiedene Ansichten, wie mit Prostitution umgegangen werden sollte. Es gibt die Sichtweise, dass damit am besten nicht mit einem einzigen Absatz umgegangen werden sollte und dass wir sie und alles, was damit zusammenhängt, untersuchen müssen. Mit dem, was Sie von diesen Frauen erzählt haben, haben Sie gezeigt, dass man definitiv untersuchen muss, was für Leben sie führen, und wie man sich um ihre Bedürfnisse und Gesundheitsprobleme kümmern kann. Sie haben gute Argumente dafür geliefert, das Thema ganzheitlicher anzugehen.

Fr. de Faoite: Es gibt Absatz 6. Allerdings weiß ich sehr gut, dass Frauen ein Unterstützungssystem brauchen werden. Ich würde gerne sehen, dass die Mittel aus den Geldstrafen direkt in diese Unterstützungssysteme fließen. Aus meiner Sicht ist es das Geringste, das sie tun können, finanziell dazu beizutragen, den Schaden zu beheben, den sie verursacht haben. Ja, ich bin mir dessen bewusst, dass es Bedürfnisse gibt, um auszusteigen, und dass die Frauen Unterstützung brauchen werden.

Hr. Humphrey: Vielen Dank für Ihren Vortrag und das Beweismaterial, Mia. Ich weiß, das ist eine klischeehafte Aussage, aber es war sehr bewegendend und bestürzend nicht nur für Sie sondern auch für uns, die Ihnen zugehört haben. Wir als Gesetzgeber haben eine riesige Verantwortung, dem, was sie sagen, gut zuzuhören und entsprechend zu handeln.

Der Ausschuss hat zu diesem Thema im Laufe der letzten Monate Beweise gesammelt. Sie verwendeten die Terminologie, dass Sie „gekauft“ wurden oder dass Menschen kamen um zu „kaufen“. Andere, die hier ausgesagt haben, schrecken vor dem Gebrauch dieser Terminologie zurück und würden Ihnen nicht zustimmen. Ich sage nicht, dass Ihnen wohl dabei ist, es zu sagen, aber warum verwenden Sie diese Terminologie, und warum denken Sie, dass es die angemessene Terminologie ist?

Fr. de Faoite: Die Leute tendieren dazu, von „Sex-Kauf“ zu sprechen, aber man kann keinen Sex kaufen. Es ist der Kauf eines menschlichen Wesens für Sex. Wenn jemand zu mir kam und mich nach einer sexuellen Handlung fragte, habe ich sie nicht aus meiner Tasche geholt und ihm gereicht. Sie mussten mich kaufen und alles von mir kaufen, und ich musste mit ihnen mitgehen und alles von mir musste mit ihnen mitgehen. Man muss immer die Person kaufen, bevor man Zugang zum Körper bekommt.

Hr. Humphrey: Wenn ich Sie da richtig verstanden habe, sagten Sie, Sie wären mit nur einer Prostituierten in Kontakt gekommen, die weder alkohol- noch drogenabhängig war. Waren Alkohol und Drogen für Sie nötig, um durch den Tag oder die Nacht zu kommen?

Fr. de Faoite: Für mich persönlich?

Hr. Humphrey: Kollektiv.

Fr. de Faoite: Ich war extrem genau darin, wie ich mein Heroin konsumierte, denn ich musste für meine Tochter eine gewisse Stabilität erhalten, also rauchte ich morgens 10 bis 15 Lines. Ich rauchte es nie bevor ich auf die Straße ging, denn in der frühen Entzugsphase sind die Sinne geschärft, und ich fühlte mich sicherer dabei, mit geschärften Sinnen rauszugehen, als vorher Heroin zu nehmen, denn dann wäre ich betäubt, aber viele Frauen nehmen es vorher. Sobald ich mich ins Taxi nach Hause setzte, war es das Erste, das ich nahm. Ich rauchte vor der Gruppenvergewaltigung und der Dissoziation nur ein Tütchen am Tag, aber es nahm danach zu – also ja, ich nahm mehr um ziemlich vieles zu verdrängen. Ich kann es nicht sagen, weil ich solche Unterhaltungen im Grunde nicht führe, aber ich weiß dass einige Frauen, wenn sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben, losgehen und Alkohol holen und zurückkommen. Manche Frauen verdienen 100 Pfund, ziehen los, machen sich stoned und kommen wieder zurück.

Hr. Humphrey: Es könnte ein Teil der Bewältigungsstrategie sein.

Fr. de Faoite: Das könnte es sein, oder manchmal ist es auch chaotische Sucht.

Hr. Humphrey: Sie sagten für die Käufer ginge es nicht um Sex, sondern um Macht. Wenn Ihnen wohl genug dabei ist, könnten Sie das näher ausführen?

Fr. de Faoite: Heutzutage, mit dem Zugang zum Internet und allem anderen, das wir haben, kann man online gehen und einwilligende Erwachsene treffen, ohne dass Geld auch nur im Geringsten im Spiel wäre. Es scheint eine ziemlich große Anzahl von Menschen zu geben, Gruppen und Paare die auf alles Mögliche stehen, und man kann das machen ohne jemals Geld zu bezahlen, also was kaufen sie?

Hr. Humphrey: Wir haben auch Aussagen von verschiedenen Gruppen und Individuen gehört, hier vor dem Ausschuss und in Stockholm. Einige sagten, dass Frauen eine Entscheidung treffen können, und dass sie diese Entscheidung freiwillig treffen. Glauben Sie das?

Fr. de Faoite: Ich weiß, dass einige wenige Frauen sagen, sie sind glücklich darin und unabhängig. Ich habe auch hin und wieder mit einigen von ihnen gesprochen. Ich glaube immer noch nicht, dass irgendjemand das Recht hat, sie zu kaufen, egal wie glücklich sie behaupten zu sein. Sie sind sehr wenige in der Zahl. Wie ich vorhin sagte, die Freiheit einiger weniger sollte niemals vor der Freiheit von so vielen kommen. Wie gesagt, ich traf was ich für eine rationale Entscheidung hielt, aber ich war nicht im richtigen geistigen Zustand – in der Sucht ist niemand im richtigen geistigen Zustand. Deswegen wurde die Entziehungskur erfunden; weil wir unser Leben und unsere Angelegenheiten in den Sand setzen. Die Fähigkeit, Entscheidungsmöglichkeiten zu sehen, schwindet oder ist extrem beeinflusst von Traumata und Entfremdung von der Gesellschaft im Allgemeinen.

Viele Frauen, neben denen ich stand, waren Abhängige zweiter Generation, also waren Abhängigkeit und gestörte Verhältnisse nichts neues. Tatsächlich bestanden einige von ihnen darauf, dass es das Einzige sei, dass sie je gekannt hatten. Wenn es eine ruhige Nacht auf der Straße war, dann gab es plötzlich einen großen Radau, denn wenn man sich an Trauma gewöhnt, dann kann es zu etwas werden, das man meint zu brauchen oder worin man meint Halt zu finden. Man verliert die Fähigkeit, Entscheidungsmöglichkeiten zu sehen, und für viele Frauen waren die Entscheidungsmöglichkeiten niemals vorhanden. Es war, als wäre das Drehbuch ihres Lebens schon geschrieben, also haben sie sie nicht gesehen. Sie fanden mich recht seltsam, und sie haben sich mir gegenüber sehr als Beschützerinnen gefühlt, weil sie das Gefühl hatten, ich gehörte nicht dorthin. Ich war respektabel und gebildet. Sie haben sich mir gegenüber sehr als Beschützerinnen gefühlt, aber das sagte mir nicht, dass sie mich für einen besseren Menschen hielten oder so etwas. Es sagt mir nur eines, nämlich wie wenig Wert sie ihrem eigenen Leben beimaßen.

Hr. Humphrey: Vor ein paar Wochen hatte dieser Ausschuss eine gemeinsame Sitzung mit dem Ausschuss des Unterhauses der Republik Irland. Während Ihrer Aussage sagten Sie, dass Sie Gesetze möchten, die Frauen in Irland, auf der Insel und in Europa beschützen. Was denken Sie würde passieren, wenn in der Republik das Gesetz verabschiedet würde und das nordirische Parlament zöge nicht mit?

Fr. de Faoite: Ich denke, dass einige Menschen in den Norden hochreisen würden. Wenn wir ihnen das Geschäft untergraben und ihre Profite abdrehen und so weiter, dann werden sie ihre Ware dorthin befördern, wo sie sie legal verkaufen können. Unsere nächsten Nachbarn sind Sie und England. Sie werden weiterziehen. Frankreich hat jetzt die Türen geschlossen, und sie werden sich nach Spanien verlagern. Israel sieht hier zu. Kroatien sieht hier zu. Es wird weiterziehen. Ja, wir müssen das mit in Betracht ziehen, wenn wir das tun. Ich würde gerne eine ganze Menge von–

Hr. Humphrey: Also würde das Problem verlagert.

Fr. de Faoite: Das würde es. Ja, natürlich. Schweden ist für sie nicht mehr attraktiv, denn warum würden sie Frauen importieren, wenn es illegal ist, sie zu kaufen? 

Hr. Elliott: Vielen Dank für den Vortrag und die Aussagen. Sie sprachen von Hilfsangeboten und von dem Potential für Unterstützung für Opfer. Wie stellen Sie sich deren Funktionsweise vor? Ich vermute, dass man ziemlich viele Menschen vor Ort bräuchte, die in der Prostitution involviert sind und natürlich in der Rehabilitierung. Könnten Sie ein wenig näher erklären, was Sie zu diesem Thema im Sinn haben?

Fr. de Faoite: Im Süden ist Ruhama die einzige Organisation, die sich um betroffene Frauen kümmert, die aussteigen wollen, während sie noch in der Prostitution sind. Sie brauchen zusätzliche Unterstützungssysteme. Sie kümmern sich gut um Frauen, die Opfer des Menschenhandels sind. Eine Reihe Dinge, die organisiert werden müssen, stehen in unseren Empfehlungen – die Definition von Menschenhandel, sein Status und von sicherer Unterbringung. Die Empfehlungen werden von einem Unterausschuss gemacht, und das macht es möglich, sie einzubringen.

Hr. Elliott: Wie viel von dem sehen Sie als die Verantwortung der Regierung, im Gegensatz zur Verantwortung von Organisationen und ehrenamtlichen Gruppen?

Fr. de Faoite: Ich denke, dass es die Verantwortung der Regierung ist, sicherzustellen, dass die Mittel dafür vorhanden sind, denn es ist passiert und wurde toleriert.

Hr. Elliott: Als Sie in der Prostitution waren, fühlten Sie sich da in irgendeiner Weise als Opfer des Menschenhandels? Es geht hier um Gesetzgebung in Bezug auf Menschenhandel. Würden Sie sagen, dass Sie in irgendeiner Weise Opfer des Menschenhandels waren?

Fr. de Faoite: Nein, ich war kein Opfer des Menschenhandels. Es gibt nur noch wenige irische Frauen in der Prostitution. Die Zahl ist minimal, und wir sind meist auf der Straße. Für viele Frauen auf der Straße ist der Zuhälter der drogensüchtige Freund oder Partner. Ich hatte einen Partner, der nie auf die Straße ging, aber dennoch erwartete, dass etwas nach Hause gebracht wurde. Lange Zeit war ich sehr nervös, und ich weiß nicht wirklich, warum. Ich blicke jetzt zurück und denke, „Gott, warum habe ich nicht einfach…“, aber das sieht man nicht, wenn man mittendrin steckt.

Hr. Elliott: Sie haben ausgesagt, dass Sie der Ansicht sind, dieses Gesetz würde die Prostitution reduzieren. Denken Sie, dass es den Drogenmissbrauch auch erheblich reduzieren würde?

Fr. de Faoite: In der Hinsicht, dass die betroffenen Frauen, auf die das zutrifft, sich Hilfe suchen. Ruhama und die Organisationen sehen sich alles im Leben der Person an, ob es ums Gericht geht, um Kinder, Drogen, oder was auch immer. Das ist eines der Dinge, um die man sich kümmern muss.

Hr. Elliott: Das wäre also auch eines der benötigten Unterstützungsangebote.

Fr. de Faoite: Ja.

Der Vorsitzende: Herr Elliott fragte, ob Sie das Gefühl habe, Opfer des Menschenhandels gewesen zu sein. Das ist eine faire Frage. Manchmal laufen wir Gefahr, zu denken, dass dieses Gesetz sich nur um Prostitution und Menschenhandel dreht. Der Name des Gesetzesvorschlags bezieht sich auf Menschenhandel und Ausbeutung. Ich werde nicht fragen, ob Sie das Gefühl haben, dass Sie ausgebeutet wurden. Das wäre für mich eine dumme Frage. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es nicht nur um Menschenhandel und Prostitution geht; es geht um Ausbeutung.

Eines der Argumente gegen Absatz 6 ist, dass es Frauen in noch größere Gefahr bringen könnte, weil er die Prostitution in den Untergrund treiben wird. Was ist Ihre Antwort darauf?

Fr. de Faoite: Sie werden das nur von einer Seite hören, denn es ist ein Trugschluss. Der Fehler in der Logik dieses Arguments ist der, dass Prostitution nicht wie andere Verbrechen ist. Drogen und Waffen brauchen den Untergrund; sie überleben nur im Untergrund, weil es Verbrecher sind, die mit Verbrechern handeln. Wo Prostitution sich unterscheidet, ist das sie nur dank des guten Bürgers oder der Allgemeinheit gedeiht und überlebt. Sie wird immer ein Gesicht brauchen. Sie würde nicht existieren und man könnte damit kein Geld verdienen, wenn man nicht werben könnte. Sie braucht ein Gesicht und eine Domäne. Prostitution ist das eine Verbrechen, das nicht im Untergrund existieren kann.

Der Vorsitzende: Es wütet eine akademische Debatte um das Thema. Manche sagen, dass es Statistiken gibt, die zeigen, dass es in Schweden funktioniert, andere sagen es gibt Statistiken, die zeigen, dass es nicht funktioniert hat. Ideologische Ansichten zu diese Thema sind teilweise sehr polarisiert. Was ist Ihre Ansicht zu der akademischen Debatte?

Fr. de Faoite: Ich studiere momentan an einer Universität. In unserer Soziologieabteilung gibt es zwei AkademikerInnen, die anderer Meinung sind als ich. Wobei sie nie mit mir gesprochen haben obwohl sie wissen, dass ich dort bin und wer ich bin. Ich denke, dass es letzte Woche hier deutlich gezeigt wurde, dass die Forschungen einer genauen Untersuchung nicht standhalten. Es gibt viele weibliche Akademikerinnen. Manchmal habe ich keine Antwort; Ich werde nie Frauen verstehen, die dafür kämpfen, andere Frauen in der sexuellen Ausbeutung zu halten, vor Allem nicht, wenn sie es aus den Elfenbeintürmen der Universitäten rufen. Es gibt Orte, zu denen die Frauen, mit denen ich Seite an Seite stand, niemals Zugang haben werden. Sie werden die üblichen Argumente vorbringen, dass eine Frau das Recht hat, mit ihrem Körper zu tun was sie will. Ich habe bereits erklärt, was meine Sicht davon ist. Manchmal verwenden sie den Untergrund-Trugschluss. Ich verstehe beim besten Willen ihre Position nicht. Eines sage ich Ihnen: Sie werden zwei oder drei davon in jeder Soziologieabteilung jeder Universität finden, überall. Auf jede zwei oder drei kommen vier, fünf oder sechs Soziologinnen und Soziologen – wie an meiner Universität – die niemals diese Position einnehmen würden.

Der Vorsitzende: Sie waren offensichtlich sehr mutig, über Ihre Erfahrungen zu sprechen. Wie haben Menschen, die momentan in der Industrie, wenn Sie es so nennen wollen, sind, auf sie reagiert, dafür dass Sie aufgestanden sind und darüber gesprochen haben?

Fr. de Faoite: Die Reaktionen sind hauptsächlich positiv gewesen. Ich habe keine Garstigkeiten oder Drohungen oder so etwas erhalten. Ich habe sogar mit ein paar unabhängigen Frauen gesprochen, die sehr mitfühlend waren. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber es hat keine Feindseligkeit gegeben. Ich empfinde ihnen gegenüber keine Feindseligkeit. Es ist das Richtige für das Allgemeinwohl und um das Übel des Menschenhandels zu bekämpfen. Es ist soweit positiv. Ich habe gute Freunde und gute Unterstützung. Ich habe großartige Unterstützung von meinen Professorinnen und Professoren, vor Allem in der Philosophieabteilung. Ich verbringe viel Zeit alleine und vertraue Anderen nicht leicht. Ich habe eine Handvoll gute Freunde, die ich für nichts in der Welt eintauschen würde. Es ist soweit hauptsächlich positiv. Absolut.

Der Vorsitzende: Gut.  Der letzte Punkt, den ich machen will, geht auf etwas zurück, dass Frau McCorley sagte. Manche von uns haben Schwierigkeiten, diesen Punkt zu verstehen. Wir haben existierende Gesetze in Nordirland, die sich mit Zwang beschäftigen, und es gibt keine Verteidigung, nicht einmal Unwissen, wenn man Sex mit Prostituierten hatte und sie in die Industrie gehandelt oder gezwungen wurden. Wenn diese Individuen sich nicht um die momentanen Gesetze kümmern und sie sich nicht um Sie kümmern – Sie haben erzählt wie die Person, die Sie vergewaltigte, einfach durch Sie hindurchsah, als würden Sie nicht existieren – wenn Sie unter den bereits existierenden Gesetzen nicht ein Mindestmaß an Gewissen für sie aufbringen, warum sollte Absatz 6 dann einen Einfluss auf sie haben?

Fr. de Faoite: Es macht sie verantwortlich. Die Tatsache, dass es Strafen geben wird, die höher als 50 € sind, zieht sie zur Rechenschaft. Es birgt für sie das Risiko, dass das, was sie nachts tun, ans Tageslicht kommt. Verstehen Sie mich?

Der Vorsitzende: Ja.

Fr. de Faoite: Es ist ein großes Risiko für sie. Ich weiß, dass die meisten Männer, die mich gekauft haben, nicht bereit wären, es einzugehen.

Der Vorsitzende: Okay. Keine weiteren Mitglieder haben Fragen, also vielen Dank, Mia, dafür, dass Sie vor dem Ausschuss erschienen sind. Das waren für uns sehr bewegende Aussagen und ich bin sehr dankbar, dass Sie sich die Zeit genommen haben, hierherzukommen und mit uns zu sprechen. Danke.

Fr. de Faoite: Danke, dass ich hier sein durfte.

Der Vorsitzende: Es war uns eine Freude.

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