Rachel Moran vor dem nordirischen Parlament zum Gesetzesvorschlag zur Freierbestrafung (Niederschrift)

Übersetzt aus dem Englischen

Im Original veröffentlicht von der nordirischen Regierung auf niassembly.gov.uk 

Es handelt sich um die Niederschrift der Anhörung von Rachel Moran als Vertreterin der Überlebenden-Organisation SPACE International zum Gesetzesvorschlag Lord Morrows zur Kriminalisierung von Prostitutionskunden vor dem Justizausschuss des nordirischen Parlaments am 30.1.2014.

Offizieller Bericht (Hansard)

Committee for Justice

Anwesende Mitglieder

Zeuginnen und Zeugen

SPACE International:

Frau Rachel Moran

Gesetzesvorschlag Menschenhandel und Ausbeutung (weitere Maßnahmen und Unterstützung für Opfer): SPACE International

 

Der Vorsitzende: Ich heiße offiziell Frau Rachel Moran willkommen. Sie ist Mitgründerin und Europa-Koordinatorin von SPACE International. Diese Tagung, wie andere zu dem Gesetzesvorschlag, wird von Hansard aufgezeichnet und zu gegebener Zeit veröffentlicht. Ich werde an Sie übergeben, um ein paar einleitende Worte zu sprechen. Wenn wir versuchen könnten, das bei so etwa 10 Minuten zu halten, das wäre hilfreich, und dann werden die Mitglieder Fragen an Sie haben. Frau Moran, vielen Dank für Ihre Anwesenheit heute.

 

Frau Rachel Moran (SPACE International): Ich bin die Europa-Koordinatorin einer Gruppe namens SPACE International. SPACE steht für Survivors of Prostitution-Abuse Calling for Enlightenment (Überlebende des Prostitutions-Missbrauchs fordern Aufklärung). Alle Frauen in der Gruppe haben die Prostitution überlebt und sind der Abolition des Sex-Gewerbes verschrieben, von dem wir wissen, dass es sich dabei lediglich um bezahlten sexuellen Missbrauch handelt. Unsere Gruppe hat 17 Mitglieder und erstreckt sich über fünf Länder, nämlich Irland, Großbritannien, die USA, Dänemark und Frankreich. Wir haben auch eine enge Arbeitsbeziehung mit Frauen in Australien, Südamerika und Kanada. Es sollte betont werden, das wir bei weitem nicht die einzige Überlebenden-Gruppe sind. Abolitionisten-Gruppen die aus ehemals prostituierten und in die Sex-Industrie gehandelten Menschen bestehen, schießen auf der ganzen Welt aus dem Boden, und einige davon sind viel größer als unsere Gruppe.

In der Welt findet ein Umbruch statt. In den letzten Jahren haben sich verschiedene Länder auf die eine oder andere Art dazu positioniert, und lassen Sie mich ganz deutlich sagen, dass es hier keinen Mittelweg gibt. Ihnen wird im Laufe Ihrer Beratungen zweifellos die Vorstellung des neuseeländischen Modells der totalen Entkriminalisierung als so eine Art Utopie vorgestellt werden. Wenn es eine Utopie für jemanden ist, dann für die Freier und Zuhälter. Es ist für keine Frau eine utopische Erfahrung, wenn ihr Körper auf den Status einer lebenden Ware zum Nutzen eines Sex-kaufenden Mannes reduziert wird. Das war es noch nie und das wird es nie sein, und wenn es überhaupt möglich wäre, dass es das ist, dann hätten wir uns die Jahre sparen können, die wir damit verbrachten, diese Erfahrungen mit Alkohol und Drogen verdrängen, genau wie jede von uns sich die unzähligen Stunden, die wir in der Folge bei unseren TherapeutInnen saßen, hätte sparen können. Wie eine gute Freundin von mir einmal fragte: „Wenn ihre Orgasmen so harmlos sind, warum brauche ich dann jahrelang Therapie, um über sie hinwegzukommen?“ Weit davon entfernt so etwas wie ein Mittelweg zu sein, ist Neuseeland einfach nur eine gesetzfreie Zone, in der Prostitution sozial gesäubert wurde, und als logische Folge ist die Nachfrage danach gestiegen. Wenn eine Regierung Prostitution als sozialverträgliches und moralisch einwandfreies Verhalten für Männer billigt, dann steigt die Nachfrage. Das wurde in den australischen Staaten bewiesen, in denen legalisiert wurde, und in Holland, Deutschland und in jedem anderen Land, Bundesstaat und County in dem man Männern sagt, dass es okay ist, sexuellen Zugang zu den Körpern von Frauen zu kaufen. Natürlich gibt es, als Antwort auf diesen zwangsläufigen Anstieg der Nachfrage, einen zwangsläufigen Anstieg des Angebots, und die Zahl der Bordelle und der Frauen, die darin ausgebeutet werden, steigt, in vielen Fällen exponentiell. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Das ist wirtschaftliches Grundwissen.

Was Ihnen die Befürworter des Entkriminalisierungsmodells nicht sagen werden, ist, dass viele Bürgerinnen und Bürger Neuseelands genug davon haben und nach einer Gesetzesänderung verlangen, die den Erwerb sexueller Dienste verbietet. Einige dieser Bürgerinnen sind ehemals prostituierte Frauen, und die dortige Regierung hat einen Ausschuss gegründet, um sich mit der öffentlichen Reaktion gegen das Gesetz auseinanderzusetzen. Ich lese einen kurzen Ausschnitt aus einem Bericht, der in diesem Zusammenhang verfasst wurde:

“Ehemalige Prostituierte und ihre Unterstützer verlangen, dass alle Kunden von SexarbeiterInnen strafrechtlich verfolgt werden, und sagen, die Entkriminalisierung der Industrie habe sie im Stich gelassen.“

 

Elizabeth Subritzky, Direktorin von Freedom from Sexual Exploitation, sagte vor dem Justiz- und Wahlausschuss des Parlaments aus, die einzige Lösung für den Schaden, den Prostitution verursache und für die Gewalt, die sie verursache, sei die strafrechtliche Verfolgung von Käufern sexueller Dienste durch eine Reform der Prostitutionsgesetze. 

Der Prostitution Reform Act entkriminalisierte Bordelle, Escort-Agenturen, und das öffentliche Werben für sexuelle Dienste als das Gesetz 2003 um nur eine Stimme verabschiedet wurde.

Das Gesetz ermutigte nicht nur mehr Männer dazu, Sex zu kaufen, sondern verwandelte Prostitution in eine zumutbare, sogar attraktive Arbeit für junge, arme Frauen in Neuseeland, sagte Subritzky“

 

Der Vorsitzende des Ausschusses Scott Simpson sagte, der Ausschuss würde die Petition in Erwägung ziehen und nächstes Jahr einen Bericht veröffentlichen.

Der Gesetzesvorschlag bezieht sich auf den Menschenhandel, und wir wissen alle, dass das umstrittene Element Absatz 6 ist, der die Nachfrage nach bezahltem Sex kriminalisiert. Offensichtlich ist es vernünftig, die Folgen ähnlicher Gesetze in anderen Ländern in Augenschein zu nehmen. Sex-Kauf ist in Schweden seit 15 Jahren kriminalisiert, aber nach weniger als der Hälfte dieser Zeit, 2007, sagte Jonas Trille, ein Inspektor bei der Prostitutionseinheit der Stockholmer Polizei:

“wir haben erheblich weniger Prostitution als unsere Nachbarländer… Wir haben nur zwischen 105 und 130 Frauen – sowohl im Internet als auch auf der Straße – die in Stockholm heute in der Prostitution (aktiv) sind. In Oslo [im benachbarten Norwegen] sind es 5000.“

 

Ein weiterer relevanter Aspekt des Verbots ist die Reduzierung der Zahl der Ausländerinnen, die für Sex nach Schweden gehandelt werden. Die schwedische Regierung schätzt, dass in den letzten paar Jahren nur 200 bis 400 Frauen und Mädchen pro Jahr in die Prostitution nach Schweden gehandelt wurden, während im benachbarten Finnland diese Zahl zwischen 15.000 und 17.000 liegt. Diese Zahlen sprechen für sich, und ich sollte ihnen nicht viel hinzufügen müssen, aber falls dies jemanden unbewegt lässt, dann empfehle ich einen Blick auf das Verhältnis der Mordstatistik zwischen Schweden und Holland in den letzten Jahren, welches bei eins zu mehr als 170 liegt.

Ich möchte betonen, dass es nicht möglich ist, die Prostitution zu verteidigen ohne auch das Leid und den Schaden, die sie anrichtet, zu verteidigen. Daher ist es nicht möglich, für Frauen in der Prostitution zu sein aber für die Prostitution zu sein, wie einige für den Erhalt des Sex-Gewerbes argumentieren. Auch ist es nicht möglich, dass Prostitution in manchen Fällen schädlich ist und in anderen nicht. Der Schaden und das Leid der Prostitution stehen nicht der subjektiven Interpretation frei; sie sind objektive Realität.

Das universelle Leid der Prostitution wird oft von den Verfechtern der Prostitution unbewusst anerkannt. Sehr oft habe ich jene, die Prostitution als eine freie Entscheidung darstellen, sagen gehört, der Menschenhandel zum Zweck der Prostitution sei ein furchtbares Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie haben Recht, aber sie erklären nie warum und wie, wenn Prostitution an sich nicht schädlich ist, dazu gezwungen werden so furchtbar sein soll. Was, wenn Frauen entführt und gezwungen würden, als Friseurinnen, Sekretärinnen und Floristinnen zu arbeiten? Würden die Verfechter das als ein genauso furchtbares Verbrechen gegen die Menschlichkeit sehen wie Zwangsprostitution? Nein, das würden sie nicht. Das Mantra, das Prostitution gewöhnliche Arbeit ist, ist ganz einfach eine Lüge, und wir alle wissen es.

Es ist nicht irgendein verrückter Zufall, dass Prostitution Frauen und Mädchen am härtesten trifft. Die Wahrheit, die weiterhin offensichtlich ist, trotz der absolut endlosen Versuche, sie zu verschleiern, ist, dass Prostitution eine hochgradig geschlechterspezifische Form der Unterdrückung ist. Die Wahrheit ist, dass Frauen kämpfen mussten, um wählen zu dürfen. Wir mussten um Empfängnisverhütung kämpfen. Jetzt müssen wir um Freiheit von kommerzieller sexueller Ausbeutung kämpfen. All diesen Kämpfen liegt ein Kampf zugrunde: der Kampf darum, als vollwertiger Mensch anerkannt zu werden.

Die Prostitution schadet auch anderen Gruppen. Weil der Schaden hauptsächlich prostituierten Frauen zugefügt wird, achten die Leute kaum auf die Anderen, doch das sollten sie. Die Wahrheit ist, dass Prostitution für die gesamte Gesellschaft schädlich ist, und somit ist sie natürlich schädlich für alle, die ihr angehören. Es gibt Frauen von einem Ende dieser Insel zum anderen, deren Männer Sex kaufen, eine Woche nach der anderen. Diese Frauen sitzen vor kaputten Ehen und, in einigen Fällen, irreparabel geschädigter körperlicher Gesundheit und doch finden diese Frauen – die Ehefrauen und Partnerinnen der Sex-Käufer – fast nirgends Erwähnung. Wenn sie mal ausnahmsweise erwähnt werden, vermeiden es die Verfechter der Prostitution praktischerweise, auf ihre sehr realen Problemen und auf ihr Recht, frei des giftigen Einflusses der Prostitution zu leben, einzugehen. Ich persönliche wurde von einigen dieser Frauen kontaktiert und habe zugehört, was sie über ihre zerstörten Ehen und zerrissenen Familien zu sagen hatten. Es ist nur rechtens, dass wir auch von ihrer Position sprechen, und von dem Schaden, den die Prostitution in ihren Leben angerichtet hat. Sie sollten auch wissen, dass diesen Frauen klar ist, wie unsichtbar sie bisher in dieser Debatte gewesen sind, was das Ganze nur noch schlimmer macht.

Es gibt solche, die behaupten, behinderte Männer müssen um ihrer Gesundheit willen Prostituierte benutzen. Diese bizarre Aussage verwechselt Wünsche mit Bedürfnissen. Sie bestätigt und fördert außerdem die Kategorisierung von Frauen in Klassen, von denen manche ungewollten Sex über sich ergehen lassen müssen oder sie sehen sich der Armut ausgesetzt. Das Argument stellt außerdem eine Randgruppen – behinderte Menschen – gegen eine andere – prostituierte Menschen – auf und besteht darauf, dass eine das Recht darauf hat, die andere um ihrer Gesundheit willen zu benutzen. Um unserer Gesundheit willen brauchen Frauen es, nicht in eine Klasse gezwungen zu werden, die ungewollten Sex über sich ergehen lassen muss oder der Armut ausgesetzt ist, weder zum Wohle der Behinderten noch für irgendjemand anderen. Mitglieder von SPACE International wissen das, weil wir es gelebt haben. Wir sind nur froh, dass es Andere da draußen gibt, die es nicht gelebt haben müssen, um es zu wissen. Wir hoffen von Herzen, dass wir die Mitglieder dieses Parlaments zu diesen Menschen zählen können werden.

Leider gibt es Einige, die die Prostitution nicht durchlebt haben und Vermutungen über ihr Wesen anstellen, die zum Teil oder vollständig das entwürdigende Wesen der Prostitution verkehren, ignorieren oder abstreiten. Diejenigen, die diese Vorstellungen herbeitheoretisiert haben, fühlen sich berechtigt, ihre Hypothesen an uns wiederzukäuen, als seien sie Fakten. Gesagt zu bekommen, Prostitution sei eine vertretbare Arbeit, von Menschen, die denken, sie hätten genug Bücherwissen, um uns darüber etwas zu lehren, ist schlichtweg beleidigend. Es ist auch absolut unangebracht. Ich habe meine Abschlussarbeit im Studium über Holocaust-Memoiren geschrieben. Ich hatte deswegen nie den Eindruck, dass ich das Recht hätte, das Wesen der Todeslager für deren Überlebende zu analysieren.

Einige von Ihnen – ich denke, das werden die meisten wenn nicht sogar alle von Ihnen sein – die das Schlimmste der Troubles [des Nordirlandkonflikts] durchlebt haben, werden sich mit damit identifizieren können, wie sich eine solche Beleidigung anfühlt. Stellen Sie sich vor, jemand aus der Republik Irland, England, Schottland oder Wales studierte die neueste Geschichte Nordirlands und käme hierher, um Sie darüber aufzuklären. Das ist das, womit wir, die Prostitution gelebt haben, uns jeden Tag konfrontiert sehen. Wir erfahren eine Negierung unserer gelebten Erfahrung von Medizinern, Akademikern, und, am bizarrsten von allen, von einigen in Menschenrechtskreisen, die nicht zu verstehen scheinen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind. Wir finden das höchst bizarr, denn ihre Position steht in Konflikt mit mehreren zentralen UN Menschenrechtsgrundsätzen, unter anderem der Konvention zur Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer von 1949, in der es heißt, dass

“die Prostitution und das sie begleitende Übel des Menschenhandels zum Zwecke der Prostitution mit der Würde und dem Wert der menschlichen Person unvereinbar sind“

Artikel 6 der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau von 1979 bringt eine ähnliche Haltung zum Ausdruck. Das UN-Protokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung von Menschenhandel von 2000 sieht ähnlich Prostitution als Menschenhandel an, wenn sie unter bestimmten Umständen stattfindet. Das Protokoll verurteilt auch die Nachfrage für kommerzielle sexuelle Ausbeutung.

In Bezug auf Lord Morrows Gesetzesvorschlag, ich denke, das Parlament sollte besonders auf die Konvention von 1979 achten, die Unterzeichnerstaaten verpflichtet, alle angemessenen Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich gesetzlicher Maßnahmen, um alle Formen des Menschenhandels mit Frauen und die Ausbeutung gehandelter Frauen zu bekämpfen. Es ist bereits bewiesen, dass Gesetze wie das hier vorliegende den Frauenhandel bekämpfen. Ich weiß nicht, ob Politikerinnen und Politiker hier nach Schweden gereist sind, um mit schwedischen Politikern und mit Leuten, die Dienste für prostituierte Menschen anbieten, zu sprechen. Wenn sie das nicht getan haben, dann rufe ich dazu auf, dass ein überparteilicher Ausschuss dorthin reist und selbst sieht, wie das Gesetz funktioniert. Ich habe dieses Thema zwei Mal mit der schwedischen Polizei besprochen und bin auch zwei Mal nach Norwegen gereist. Ich bin vollständig überzeugt, dass dieses Gesetz der einzig vernünftige Weg nach vorne ist. Ich sage das aus vielen Gründen, nicht zuletzt aufgrund der normativen Wirkung, die hier am Werk ist. Eine ganze Generation von jungen Menschen ist nun in einem Schweden aufgewachsen, in dem es als einfach nur schändlich gilt, den Körper einer anderen Person zu kaufen, um sich daran zu befriedigen, und so sollte es auch sein.

Es gibt aber auch solche, die in unseren momentan noch unaufgeklärteren Teil der Welt als eine Art öffentlichen Dienst sehen. Wenn das der Fall ist und Prostitution ein notwendiger öffentlicher Dienst ist, dann lassen Sie mich vorschlagen, dass wir eine Lotteriesystem einführen, das so ähnlich wie Geschworenendienst funktioniert, wo die Frauen dieser Insel nacheinander an die Reihe kommen, Sex-kaufende Männer sexuell zu befriedigen. Es würde von jeder Frau erwartet, dass sie ihre Bürgerinnenpflicht tut und ihre Beine für jeden Mann spreizt, der entscheidet, dass er das Bedürfnis und das Recht hat, sich dazwischen zu legen, und jeder Mann würde sehen müssen, dass man seine Töchter, seine Schwestern, seine Mutter und seine Frau auf diese Art benutzt. Wenn irgendjemand in diesem Raum das flaue, ölige Gefühl der Abscheu empfindet, dass dieser Vorschlag hervorrufen sollte, dann lassen Sie mich ganz direkt sagen, egal welche Haltung sie im Moment einnehmen oder für welche Seite sie hier heute argumentieren wollen, dann verstehen Sie das schädliche und missbräuchliche Wesen der Prostitution. Das tun Sie: Sie haben es gerade gefühlt.

Das ist das Ende meiner Stellungnahme. Ich beantworte gerne Ihre Fragen.

 

Der Vorsitzende: Rachel, vielen Dank für diese Aussagen. Ich möchte nur noch ein bisschen mehr über Sie als Person wissen. Natürlich, Sie haben ein Buch geschrieben, „Paid For: My Journey Through Prostitution“. Zu welchem Zeitpunkt in Ihrem Leben sind Sie in die Prostitution geraten und warum?

Fr. Moran: Ich geriet im August 1991 in die Prostitution, nachdem ich 18 Monate zuvor mein Elternhaus verlassen hatte. Ich verbrachte diese 18 Monate mit Unterbrechungen in Pflegeheimen, Pensionen und in jeder Art Heim, die es so gibt. Ich wurde ständig verlegt, denn so funktionierte das System damals in Dublin. Während dieser 18 Monate war ich abschnittsweise obdachlos, manchmal ein paar Wochen lang, mal ein paar Monate, und ich wusste, dass ich das nicht noch einmal durchmachen konnte. Als ich dann einen jungen Mann Anfang zwanzig traf, der die Idee hatte, wie ich mich selbst versorgen könnte, hatte ich eigentlich nur diese Option oder zurück in die Obdachlosigkeit zu gehen, und tatsächlich war ich zu der Zeit auch obdachlos. Natürlich wusste ich da noch nicht, dass ich viel mehr ihn als mich selbst versorgen würde. Ab diesem Zeitpunkt verbrachte ich sieben Jahre in der Prostitution. Als ich mit 22 Jahren aus der Prostitution herauskam, ging es mir finanziell nicht besser als zu dem Zeitpunkt, als ich anfing. Der einzige Unterschied war, dass ich ein Dach über dem Kopf hatte. Ich hatte auch eine chronische Kokainsucht. Ich fing zwei Jahre später, mit 24, wieder mit meiner Ausbildung an. Ich erzielte gute Leistungen an dem College, an dem ich meinen Schulabschluss nachholte, und im darauffolgenden Jahr sicherte ich mir einen Platz im Journalismus-Studiengang der Dublin City University. Es war kurz danach, ich glaube, im zweiten Jahr, das ich anfing, das Buch zu schreiben. 

Der Vorsitzende: Es ist eine bemerkenswerte Geschichte. Als eine Person, die damals in der Prostitution war und jetzt eine sehr starke  Fürsprecherin für Überlebende ist, unterstützen Sie Lord Morrows Gesetz. Was waren bisher die Konsequenzen für Sie, dafür, dass Sie Ihren Ansichten zum Thema Prostitution so klar und deutlich Ausdruck verleihen?

Fr. Moran: Die erste Sache, die passierte, war, dass etwa eine Woche oder 10 Tage nach meinem Auftritt in der „Late Late Shows“, der zeitlich auf die Veröffentlichung meines Buchs abgestimmt war, meine Wohnungstür von erwachsenen Männern eingehämmert wurde, die schrien, dass sie nach Rachel Moran suchen. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause. Meine Familie war da – mein Bruder und mein Sohn. Das ging zwei Tage lang so und sie waren außer sich vor Angst. Sie sagten, ihr Auftreten sei extrem aggressiv gewesen und es sei offensichtlich gewesen, dass jemand mir wehtun wollte. Also musste ich die Polizei einschalten. Sie haben das Haus daraufhin ungefähr eine Woche unter Beobachtung gestellt. Es war eine sehr erschreckende Zeit.

Ich habe viel Unterstützung von der irischen Bevölkerung erhalten. Ich habe viel Wohlwollen. Ich habe auch einige wirklich widerliche Erfahrungen gemacht, von denen die schlimmste, abgesehen von diesen Fremden an meiner Tür, das Mal war, als ich vor ein paar Monaten durch einen Tunnel in der Nähe meiner Wohnung lief. Ungefähr fünf junge Männer Anfang oder Mitte zwanzig folgten mir durch den Tunnel, lachten und rissen Witze darüber, wie viel Spaß es machen würde, mich in der Gruppe zu vergewaltigen. Sie sagten „Sie ist eine Prostituierte. Steck ihn ihr rein“ und solche Sachen. Das sollte Frauen in der Prostitution eine ganz deutliche Sicht auf die Erniedrigung sein, die ihnen bestimmt ist.

Hr. A Maginness: Rachel, das war eine sehr bewegende Ansprache und ich danke Ihnen dafür. Sie sagten, dass Sie der Meinung sind, diese Art von Gesetzen – die Kriminalisierung des Erwerbs sexueller Dienste – haben eine normative Wirkung. Könnten Sie das noch etwas näher ausführen? In Ihrem Brief an uns schrieben Sie davon, dass andere Gesetze ähnliche Auswirkungen gehabt haben, was eine Änderung der Einstellungen und Werte angeht, zum Beispiel in Bezug auf Fahren unter Alkoholeinfluss, Rauchen in Gebäuden und so weiter. Könnten Sie diesen Punkt noch etwas ausführen?

Fr. Moran: Natürlich. Ich bin 37, und ich erinnere mich, als ich ein Kind, als ich ein Teenager und Anfang zwanzig war, galt es als hoch amüsant, in ein Auto zu steigen und nach Hause zu fahren, den ganzen Weg im Zickzack, betrunken bis oben hin. Man lachte einfach darüber. Es ist wirklich erst in der letzten Generation – in den letzten 10 oder 15 Jahren – zu einer kompletten Wende in der Gesetzgebung der Republik gekommen ist, sodass es nun als absolute Schande gilt, das zu tun. Wenn heute jemand in solch einem Zustand in ein Auto steigen und nach Hause fahren würde, würde die Person es für sich behalten; sie würde sicherlich nicht in der Öffentlichkeit darüber sprechen. Mit dem Rauchen ist es ähnlich. Man raucht heutzutage einfach nicht mehr am Arbeitsplatz; man würde gar nicht daran denken. Sich einfach eine anzuzünden, in einem Pub oder anderswo, ohne Rücksicht auf andere, würde als extrem ignorant, arrogant, und vieles andere Negative gesehen.

Worauf ich in dem Schreiben an Sie hinaus wollte, ist, dass Gesetzgebung menschliches Verhalten prägt. Sie ist, neben dem Verhalten, das Einzige, das die Ansichten der Gesellschaft ändern und prägen kann. Das ist es, wozu es Gesetze überhaupt gibt, und es funktioniert in Schweden, Norwegen und Island – es funktioniert definitiv. In Schweden würde man eine Person, die für Sex bezahlt, als sehr verzweifelt ansehen. Man würde es so sehen, dass ein Mann seine eigene Männlichkeit in Frage stellen würde, wenn er für Sex bezahlen müsste, und genauso sollte es auch sein, denn das ist es, was er – zusätzlich zu vielen anderen extrem schädlichen Verhaltensweisen – tut. Die normative Wirkung dieses Gesetzes wird riesig sein. Es ist sehr seltsam und interessant für mich, dass es gezeigt worden ist, dass eine Mehrheit der älteren Bevölkerung in Schweden – Menschen in den 50ern, 60ern und 70ern – das Gesetz befürwortet, aber nicht mit der über 80-prozentigen Mehrheit, mit der es junge Menschen tun. Teenager und junge Menschen sind mit dem Gesetz aufgewachsen. So ist es für sie schon immer gewesen. So ist die Welt heute, wie sie sie verstehen.

Hr. A Maginness: Ein Argument, das diejenigen, die gegen Absatz 6 sind, vorbringen, ist, dass Frauen sich freiwillig zur Prostitution entscheiden. Ich weiß, dass Sie sagen, es sei keine freiwillige Entscheidung. Es gibt das Argument, dass zumindest manche Frauen – eine wesentliche Minderheit – in die Prostitution gehen, diese Entscheidung für sich treffen und es ihnen in dem Kontext gut geht. Ich schätze, Sie könnten es das „Glückliche Hure“ Argument nennen. Wie lautet Ihre Ansicht dazu?

Fr. Moran: Ich habe dazu ein paar Ansichten. Die erste ist die, dass ich in sieben Jahren, in allen Aspekten des Sex-Gewerbes – ich bin nicht stolz, es zu sagen, aber ich war überall auf diesem Spektrum – nicht eine Frau getroffen habe, auf die dieses Profil zutrifft. Ich habe nie eine Frau getroffen, die unter Umständen in die Prostitution ging, wo sie eine Reihe realisierbarer Optionen gehabt hätte. Die Leute reden von der Entscheidungsfreiheit, aber sie sollten von realisierbaren Entscheidungen sprechen, denn es gibt einen Unterschied.

Ich bin keine Gesetzgeberin – das sind Sie – aber ich bin mir sicher, es dürfte allen um diesen Tisch herum klar sein, dass Sie, wenn Sie Gesetze machen, diese für die Mehrheit machen müssen. Sie können keine Gesetze für die ein oder zwei Prozent machen, oder sogar für die zwanzig Prozent, welche es, das können Sie mir glauben, definitiv nicht sind. Sie können keine Gesetze für die Minderheit machen. Ich glaube nicht, dass ich jemals auf der Welt ein Beispiel einer Gesetzgebung für die Minderheit gesehen habe. Es ergibt keinen Sinn.

Hr. McCartney: Vielen Dank für Ihre Aussage, Rachel. Wir haben Sie vor Weihnachten getroffen, und ich habe ein Exemplar Ihres Buchs erhalten, wofür ich Ihnen danke. Ihre Aussage ist natürlich sehr bewegend und es handelt sich dabei ja um Ihre eigene sehr traumatische Erfahrung, daher möchte ich mit den Themen sensibel umgehen. Allerdings haben im Laufe der Beweisführung Menschen behauptet, und werden Menschen noch behaupten, dass die Kriminalisierung bisher die Prostitution nicht in den Griff bekommen, sondern sie in Wirklichkeit nur weiter in den Untergrund getrieben habe und Frauen mehr gefährde. Wie denken Sie wird Absatz 6 dieser Entwicklung entgegenwirken oder verhindern, dass das passiert?

Fr. Moran: Als erstes: natürlich werden Sie solche Aussagen von Menschen hören, die nicht wollen, dass dieses Gesetz verabschiedet wird. Die Ergebnisse der schwedischen Polizei zeigen konsistent, dass Menschenhandel in die Prostitution massiv abgenommen hat. Ich habe mich mit Simon Hagström von der Prostitutionseinheit der Stockholmer Polizei getroffen und ihm zugehört, wie er Vorträge über die Situation dort gibt. Ich habe auch in den letzten Monaten einem deutschen Polizeibeamten in Brüssel zugehört. Dieser Mann hat praktisch mit den Händen gerungen über die Situation in Deutschland, die komplett ohne Einschränkungen und außer Kontrolle ist. Es gibt zu viele osteuropäische Teenager und junge Frauen, um sie zu zählen. Sie haben in Deutschland keine Ahnung, was sie tun sollen. Ich bin mir sicher, dass die Länder, in denen die Dinge völlig außer Kontrolle sind, und das sind sie, letzten Endes das nordische Modell in Augenschein nehmen werden müssen. Ausgerechnet in Holland sprechen Politiker darüber, und das sollte eigentlich schon alles sagen.

Es ist eine Tatsache, dass die Menschen immer Beweise anfechten werden, die nicht in ihr Argument passen. Sie werden viel davon hören, und mein Rat ist wie gesagt, in diese Länder zu reisen und es mit eigenen Augen zu sehen. Und reisen Sie ruhig auch nach Deutschland und Holland, wenn Sie einen fairen, ausgewogenen Vergleich suchen. Das wäre eine gute Idee.

Hr. McCartney: Ich war nicht unter den Ausschussmitgliedern, die in Schweden waren, aber meine Kollegin, Rosaleen, die heute nicht hier ist, hat einen Bericht über diesen Besuch geschrieben. Es ist interessant, dass manche Menschen sagen, obwohl der Menschenhandel in die Prostitution abgenommen habe, sei das bei der Nachfrage nach sexuellen Diensten nicht der Fall.

Fr. Moran: Die Nachfrage nach sexuellen Diensten hat in Schweden eindeutig abgenommen.

Hr. McCartney: Das ist der Streitpunkt. Manche sagen, dass habe sie, andere sagen, das habe sie nicht

Fr. Moran: Natürlich werden die Leute sagen, die Nachfrage sei nicht zurückgegangen, aber die Realität ist: wenn Männer wissen, dass der Kauf von Sex kriminalisiert ist, dann wissen sie, dass sie schon mit einem Fuß in Gefängniszelle stehen. Selbst wenn wir die Statistiken nicht hätten, und die haben wir, der gesunde Menschenverstand und die Vernunft sagen einem ja schon, dass Männer weniger gewillt wären, Sex zu kaufen, wenn es kriminalisiert wäre. Es ist Blödsinn, zu behaupten, der Sex-Kauf sei in Schweden nicht zurückgegangen wenn konsistent aus aller Welt Beweise von Freiern gesammelt wurden. Die Boston-Studie ist einen Blick wert; darin wurden 101 oder 102 Sex-kaufende Männer befragt. Die überwältigende Mehrheit sagte, dass das, was sie in Boston vom Sex-Kauf abhalten würde, eine strafrechtliche Verurteilung oder ein Eintrag in der Sexualstraftäterliste wäre. Es ergibt keinen Sinn, so zu tun, als hätte das keine Auswirkungen auf das Verhalten Sex-kaufender Männer.

Hr. McCartney: In Ihrem Buch schreiben Sie von den vielen Frauen, die gezwungen und gehandelt worden sind. Es gibt sehr gute Gesetze zu Zwang und Menschenhandel, aber die scheinen keine Anwendung zu finden. Haben Sie eine Meinung dazu, und warum denken Sie, dass dieses Gesetz, wenn es verabschiedet würde, mit mehr Nachdruck verfolgt werden würde, angesichts des offensichtlichen momentanen Misserfolgs?

Fr. Moran: Es gibt viele Faktoren, manche davon außerhalb meines Verständnisses, warum die existierenden Gesetze nicht effektiver eingesetzt werden. Ruhama hat neulich hier einen Vortrag gehalten, und ich wüsste gerne, ob ihnen dieselbe Frage gestellt wurde. Ich erinnere mich an eine Diskussion, die ich mit Sarah Benson hatte, und sie sprach über die Legalität und darüber, dass auf Menschenhandel so eine hohe Strafe steht. Ich glaube, sie sagte, es gäbe darauf lebenslänglich, was in gewisser Hinsicht die Polizei in der Ausführung ihrer Pflicht hindert. Ich bin mir sicher, das Thema ist umfangreicher, aber so habe ich es verstanden.

Hr. Anderson: Danke, Rachel, dass Sie heute hier vor dem Ausschuss erscheinen und für Ihren bewegenden Vortrag. Der Vorsitzende erwähnte Ihr Buch, „Paid For: My Journey through Prostitution“, in dem Sie davon sprechen, dass Drogen- und Alkoholmissbrauch endemisch seien. Ich weiß, dass Menschen Drogen dazu verwenden können, die schrecklichen Gefühle, die sie bei sexueller Aktivität verspüren, zu betäuben. Wie verbreitet ist Drogenabhängigkeit bei Menschen, die in der Prostitution arbeiten?

Fr. Moran: Sie grassiert absolut überall.  Allerdings gibt es eine Sache, die in den Medien falsch dargestellt wird, und zwar, dass es darum geht, dass junge, heroinsüchtige Mädchen auf die Straße gehen und dass das die Haupteinstiegsroute für junge Frauen in die Prostitution ist, wenn es um Drogensucht geht. Ich habe das gesehen – das gibt es definitiv – aber was ich viel häufiger gesehen habe, waren Frauen, die am Anfang keine Drogensucht hatten und dann in der Prostitution eine entwickelten. Ich war eine dieser Frauen.

Hr. Anderson: Es ist interessant, dass Sie das Wort „grassieren“ verwenden. Das erzählt schon eine Geschichte für sich.

Fr. Moran: Ja, sie grassiert absolut. Wie gesagt, ich habe innen und außen gearbeitet, und wenn ich „indoors“ war, habe ich in Massagesalons und Escort-Agenturen gearbeitet, das ganze Programm.  Die Art und Weise, in der Frauen Drogen missbrauchen, und welche Drogen sie missbrauchen, verschieben sich, wenn sich das Spektrum verschiebt. In der Escort-Prostitution waren die meisten von uns kokainsüchtig. An diesem Ende des Markts gab es nicht allzu viel Heroin. Ich habe das schon immer sehr seltsam gefunden. Ich schätze, es ist in dieser Hinsicht wie überall sonst in der Gesellschaft.

Hr. Anderson: Sie sprachen auch am Anfang davon, dass es einfach unrealistisch sei, in der Prostitution glücklich zu sein. Vor ein paar Wochen hat eine Dame, die vor dem Ausschuss ausgesagt hat, angegeben, dass es ihr tatsächlich Spaß mache, in der Prostitution zu arbeiten. Wie reagieren Sie auf diese Behauptung? 

Fr. Moran: Ich würde sie fragen, wo Frauen wie sie sich versteckt hielten, als ich noch auf dem Strich war. 

Hr Anderson: Das haben Sie einfach nicht gesehen. Sie waren nur unglücklich in der Prostitution.

Fr. Moran: Während meiner Zeit dort habe ich nie eine Frau getroffen, die mir gesagt hätte, sie sei glücklich in der Prostitution. Wir haben vielleicht versucht, den Leuten etwas vorzumachen, und das haben wir, aber wir haben diese Spielchen nicht miteinander gespielt. Wie ich in dem Buch geschrieben habe, manche Lügen sind peinlich offensichtlich.

Hr. Anderson: Sie würden sagen, dass sie gute Miene zum bösen Spiel gemacht haben.

Fr. Moran: Ja. Das habe ich selbst getan, als ich mit etwa 16 oder 17 Jahren interviewt wurde. Ich wollte ganz bestimmt nicht einem Reporter, den ich noch nie im Leben gesehen hatte, die schmerzhaftesten Aspekte meines Lebens erzählen, mit denen ich jeden Tag zu kämpfen hatte. Ich wollte das nicht offenbaren. 

Hr. Anderson: Sie sagten auch, dass für Prostituierte Gewalt Alltag ist. Das ist allgemein. Könnten Sie das für den Ausschuss näher ausführen?

Fr. Moran: Zuerst einmal, Prostitution ist Gewalt, und das ist etwas, über das die Welt sich klar werden muss. Sie ist Gewalt an und für sich. Es gibt auch die Drohung der körperlichen Gewalt, die immer dabei ist und nie verschwindet. Wenn Sie in einer Situation sind, in der ihr Körper von jemand anderem benutzt wird, um seine sexuellen Wünsche zu befriedigen, wenn Sie nicht tun was er sagt, dann haben Sie aus der Sicht dieser Person nicht die bestellte Ware geliefert. Diese Situationen können sehr schnell todgefährlich werden. Allerdings ist die hauptsächliche Gewalt, der eine Frau in der Prostitution ausgesetzt ist, die Drohung der Gewalt und die Tatsache, dass sie ständig Dinge mitmachen muss, die sie nicht tun will und die über die Vereinbarung, die sie eingegangen ist, hinausgehen. In diesem Moment, für diese Zeitspanne, ist ihre Autonomie verschwunden weil sie sie verkauft hat. Das ist in sich selbst ein Akt der Gewalt. Dann sind natürlich die körperlichen Gewalttaten Berufsrisiko. So sieht man es.

Hr. Anderson: Als Folgefrage zum Thema Gewalt: es gibt Menschen, die behaupten, den Kauf sexueller Dienste zu kriminalisieren würde die Prostitution gefährlicher machen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Fr. Moran: Vor ein paar Jahren wurde in Norwegen ein Bericht veröffentlicht von einer Gruppe, die an vorderster Front Dienste für Frauen in der Prostitution bietet. Diese Gruppe hieß Pro Sentret. Die Studie kam zu dem Schluss, dass schwere Körperverletzung und Vergewaltigung erheblich gesunken waren aber dass das Haareziehen und Beschimpfen merklich gestiegen waren. Die Gruppe machte eine öffentliche Mitteilung, in der es hieß, die Gewalt in der Prostitution habe zugenommen. Ich weiß nicht, ob das für jemanden hier um diesen Tisch Sinn ergibt, aber für mich ergibt es ganz sicher keinen Sinn. Frauengruppen und Menschenrechtsgruppen in Norwegen haben das sofort bestritten, zurecht, und das Pro Sentret wurde dazu gezwungen, die Mitteilung, die auf ihren eigenen Statistiken basierte, zurückzuziehen. Es ist einfach nicht wahr, dass die Gewalt angestiegen ist. Wie gesagt, wenn der Mann schon weiß, dass er auf der falschen Seite des Gesetzes ist, dann ist es weniger wahrscheinlich, dass er auch noch anfängt, ihr die Seele aus dem Leib zu prügeln.

Hr. Anderson: Ich habe eine letzte Frage. Was für Menschen kaufen Sex? Sind es Männer, die Sie gut behandeln, sind es Männer, die schon eine Frau oder Partnerin haben und so etwas? Ist es die Ausnahme, dass sie an Ihr Wohlergehen denken?

Fr. Moran: Könnten Sie die letzte Frage wiederholen?

Hr. Anderson: Waren solche Männer die Ausnahme, oder waren sie in irgendeiner Weise gut zu ihrem Kunden [sic]?

Fr. Moran: Sie müssen es wieder darauf zurückbringen, dass Prostitution an sich eine Gewalttat ist. Es macht keinen Unterschied, wie sanft der Mann ist, und es macht keinen Unterschied, wie nett er ist. Wenn er für Geld seinen Penis in Sie steckt, dann ist das eine Vergewaltigung [engl. „violation“]. Es fühlt sich an wie eine Vergewaltigung; es wird erfahren und gelebt als eine Vergewaltigung. Die Tatsache, dass man 50 oder 250 Scheine im Geldbeutel hat, kann das nicht im geringsten ausradieren. In Wirklichkeit ist es sogar so, dass das Geld in gewisser Weise der grausamere Aspekt des Vertrags ist, den es bringt ein Gefühl der Schuldhaftigkeit mit sich. Fast keine Frau ist dazu bereit, in der Öffentlichkeit aufzustehen und darüber zu sprechen, wie das ist. Es gibt einen Grund dafür, warum Frauen so lange geschwiegen haben: es ist genau diese Scham und dieser Schmerz, die uns nicht haben sprechen lassen.

Sie haben nach der Art der Männer gefragt. Als ich in den 1990ern in der Prostitution war, waren die Männer, die mich kauften, meist drei oder vier Mal so alt wie ich. Wie gesagt fing ich mit 15 Jahren an. Bis ich 16 war hatte ich schon einen Stammfreier, der 83 Jahre alt war. Sicher, manchmal traf man Männer, die so unwissend waren, das sie das Wesen und die Tragweite dessen, was man durchmachte, nicht verstanden. Das werde ich zugeben: es ist wahr. Allerdings macht es das nicht weniger traumatisch, wenn Sie die Person in dieser Situation sind. Es gibt Männer, die Sex von Prostituierten kaufen, um ihre misogynen, frauenhassenden Fantasien an ihren Körpern auszuspielen. Ich musste das viele Male erleben. Es ist ein Wunder, dass ich hier sitzen und darüber sprechen kann. Aber es ist die Wahrheit. Was die Menschen nicht verstehen – und das kann man ihnen verzeihen, denn sie haben keine Möglichkeit es zu verstehen – ist die Art von Interaktion, mit der man jeden Tag in der Prostitution konfrontiert ist.

Ich hatte einen Freier, der es liebte, mit seinen Zähnen an meinen Brustwarzen zu reißen. Ich war damals 16 Jahre alt. Ich habe diesen Mann absolut gehasst und verachtet. Aber manchmal, wenn man im Winter eine Stunde in der Ecke stand, in der Kälte, und er kam vorbei, dann nahm man, was man kriegen konnte. Viele Jahre später, lange nachdem ich aus der Prostitution heraus war, kaufte ich eines Tages eine Zeitung und sah, dass er dafür verurteilt worden war, dass er einer prostituierten Frau mit den Zähnen die Brustwarzen abgerissen hatte. Der Kick, den er die ganze Zeit davon hatte – die Fantasie, die er um ein Haar an mir ausgespielt hätte – war etwas, von dem ich immer wusste, dass er es in sich hatte. Niemand hätte mir geglaubt, aber der Beweis stand letzten Endes in der Zeitung. Das sind die Menschen, mit denen man es in der Prostitution zu tun hat. Dein Körper ist nur so ein lebendes Ding mit einem Puls, das sie benutzen, um ihre Fantasien auszuspielen. Sie hätten in einen Sex-Shop gehen und eine aufblasbare Puppe kaufen können, die einen Herzschlag und einen Puls hat. Das ist alles was man für sie ist, nichts weiter als das.

Hr. Anderson: Danke, Rachel.

Hr. Wells: Ich muss sagen, Rachel, dass man einen starken Magen braucht, um Ihr Buch zu lesen. Ich bin mir sicher, Sie stimmen mir zu, dass es ziemlich schrecklich ist. Es ist nicht einfach, es zu lesen. Es ist sehr aufschlussreich.

Ich stelle diese Fragen, weil ich es muss, und aus keinem anderen Grund. Es gibt den Gedankengang – das haben wir in Schweden gehört – dass Prostituierte Menschen mit schweren Behinderungen und Lernschwierigkeiten einen Dienst erweisen, und dass die einzige Möglichkeit für sie, eine sexuelle Beziehung zu haben, ist, sie von einer Prostituierten zu kaufen. Sie haben sich bereits darauf bezogen. In Ihrer Erfahrung und in Ihrer Zeit in der Prostitution, kam das häufig vor?

Fr. Moran: In sieben Jahren in der Prostitution hatte ich einen behinderten Freier. Es ist unwahrscheinlich, dass ich in je vergessen werde. Ich war damals entweder 16 oder 17 Jahre alt. Ich weiß das, weil ich in der Waterloo Road gearbeitet habe. Es war bevor die Gesetze von 1993 verabschiedet wurden. Ich habe mich immer an diesen Mann erinnert weil wir in eine Tiefgarage fuhren, die kaum beleuchtet war, weil an der Seite Leisten angebracht waren, die das Licht der Straßenlaternen in Streifen durchließen. Ich wusste, dass das Auto, das er fuhr, irgendwie ungewöhnlich eingerichtet war, aber ich achtete nicht darauf, bis wir aus dem Auto stiegen. Er hatte Krücken, die er zum Gehen brauchte. Ich werde so lange ich lebe nicht die Erfahrung vergessen, vor diesem Mann zu knien, der gegen die Wand gelehnt stand, und der seine Hose herunterließ während ich mit seinem Schritt auf Augenhöhe war. Er hatte die verbogensten, deformiertesten, verzerrtesten Beine, die ich je gesehen hatte oder mir hätte vorstellen können. Wir redeten hinterher darüber, und er erzählte mir, dass er sich als Baby Polio zugezogen hatte, als er mit seinen Eltern irgendwo im Ausland gewesen war. Ich glaube, er erzählte mir, dass sein Vater in Indien gearbeitet hatte, als er klein war. Der Mann war Ende sechzig. Ich werde niemals meinen Schrecken vergessen und die Angst, weil ich nie so eine Deformität gesehen hatte. Es passierte in einer Tiefgarage mitten in der Nacht. Das ist das ganze Ausmaß dessen, was ich mit Männern mit Behinderungen erleben musste. Es gibt vieles, was ich dazu sagen könnte. Wie ich in unserer Stellungnahme sagte, es widersetzt sich jeder Logik, dass eine Randgruppe eine andere um ihrer Gesundheit willen benutzen dürfen sollte.

Hr. Wells: Wir haben auch von einer Vertreterin der International Union of Sex Workers (IUSW) gehört, die sagte, sie sei sehr wenigen Zuhältern oder solchen, die die Prostitution kontrollieren, begegnet. Ihrer Ansicht nach arbeitet die große Mehrheit der Prostituierten freiwillig und ungebunden und verdient dabei Geld. Sie seien vielleicht unter sehr schlimmen Umständen aufgewachsen und dies sei die einzige Art von Einkommen, die ihnen zugänglich ist. Sind Ihrer Erfahrung nach Zuhälter aktiv in der Republik Irland?

Fr. Moran: Lassen Sie mich als erstes sagen, dass es mich amüsiert eine solche Aussage von einer Vertreterin der IUSW zu hören, denn sie ist bekannt, in unserer Terminologie, als die Zuhältergewerkschaft. Es ist komisch, dass jemand von dem, was wir die Zuhältergewerkschaft nennen, Ihnen sagen würde, dass es gar nicht so viele Zuhälter gibt. Sie hat diesen Ruf weil sie vor Zuhältern nur so strotzt. Gibt es viele Zuhälter? Es gibt Anhäufungen von kleinen organisierten Gruppen, und das sagte mir die Leitung der Menschenhandelseinheit in Dublin. Viele von ihnen sind Ausländer, und viele von ihnen sind einheimisch. Sie sind Albaner, Rumänen, Afrikaner. Sie sind von überall – die ganze Bandbreite. Anstatt dass es zwei oder drei große Zuhälterkartelle gäbe, gibt es hunderte von kleineren Operationen, die sechs, acht, zehn oder zwölf Frauen für sich arbeiten lassen.

Ich werde vorsichtig sein, mit dem was ich sage, denn ich will nicht zu viel von den persönlichen Angelegenheiten anderer preisgeben, aber als ich heute Morgen in Belfast ankam, traf ich eine junge Frau, die in dieses Land gehandelt und von Gruppe zu Gruppe verkauft wurde. Ich werde mich später noch einmal mit ihr treffen, und ich bleibe heute Nacht in Belfast. Das Mädchen hat mich vor Kurzem kontaktiert. Sie hat vieles, worüber sie reden muss und viel zu verarbeiten. Ich wünschte, sie säße jetzt neben mir, denn wenn Sie etwas über Zuhälter wissen wollen, dann wäre sie die richtige Ansprechpartnerin.

Hr. Wells: Letztlich: wir werden später von Akademikerinnen und Akademikern hören, die dieses Thema erforscht haben. Haben sie Menschen wie Sie befragt, die aus diesem Gewebe herausgekommen sind und eine ziemlich schockierende Geschichte zu erzählen haben?

Fr. Moran: Das hängt von den Akademikern ab. Manche haben eine Pro-Lobby-Haltung und geben sich alle Mühe, das auch zu beweisen, und geben sich auch alle Mühe, mit den richtigen Leuten zu sprechen, um dazu in der Lage zu sein. Das ist sehr verbreitet. Unglücklicherweise für uns abolitionistische Überlebende nehmen gute 90 % aller Akademikerinnen und Akademiker auf dieser Insel und sonst überall eine Pro-Lobby-Haltung ein. Mein Gefühl, was das angeht, ist, dass es einfach im Trend liegt.

Hr. Wells: Zum Beispiel, hat die Queen’s University oder haben Amnesty International mit Ihnen gesprochen?

Fr. Moran: Nein, nicht im Geringsten.

Hr. Wells: Und doch könnte man Sie als eine der bekanntesten Überlebenden dieses Gewerbes ansehen.

Fr. Moran: Sie würden nicht davon träumen, in meine Nähe zu kommen; ich würde ihnen sagen, was sie nicht hören wollen.

Fr. McGlone: Vielen Dank, dass Sie heute hier sind und dass Sie so offen und ehrlich mit uns sind. Vielem von dem, was Sie sagen, geht etwas darüber voraus, dass etwas zwingend oder verpflichtend war, und etwas von einem Zwang, dieses und jenes zu tun. Für die Durchschnittsperson, wo kommt dieser Zwang in allen Fällen her? Wir haben von dem gehört, was allgemein als das Sex-Gewerbe bezeichnet wird. Wir haben auch in dieser Sache von einigen Menschen gehört, die sagen, es sei eine Lebensentscheidung oder eine Karriereentscheidung. Könnten Sie das für uns klarstellen? Vielleicht ist das falsch gesagt: könnten Sie uns erklären, woher dieser Zwang kommt? In anderen Worten, wenn es eine freie Wahl gibt – oder gibt es überhaupt eine Wahl? Sie haben einen Punkt erreicht, an dem Sie eine Wahl getroffen haben, und Sie waren erfolgreich darin. Sie sind heute das Ergebnis davon. Sie sind ausgesprochen redegewandt und haben zu jener Zeit die richtige Entscheidung getroffen, aus Angst vor dem Ort, an dem sie angelangt waren. Können Sie erklären, wie dieser Zwang oder diese Macht existiert und die Abwesenheit der freien Wahl, die Menschen daran hindert, mit ihrem Leben zu tun, was sie können und die Entscheidungen für ihr Leben zu treffen, die sie wollen?

Fr. Moran: Lassen Sie mich zuerst klarstellen, dass es kein innerer Zwang ist, von dem ich spreche; es ist äußerer Zwang. Zwang ist ein bisschen wie Perlen an einer Schnur: eine führt zur anderen. Als ich erst seit einem Tag in der Prostitution war, fühlte ich mich so schmutzig und befleckt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dasselbe Mädchen wie am Vortag zu sein. Nachdem ein paar Jahre vergangen sind, hat man keine Bildung und keine Möglichkeit, sich einem Arbeitgeber zu empfehlen. Man hat keine Arbeitserfahrung. Man hat niemanden in der Sphäre des normalen Lebens. Als ich aus der Prostitution entkommen war, musste ich mein Adressbuch wegwerfen, weil alle um mich herum prostituierten, Drogen verkauften, Drogenkuriere waren, oder Drogen an Frauen in der Prostitution verkauften. Ich kannte mehrere Zuhälter. Die Menschen in meiner Umgebung und die, in deren Mitte ich aufgrund der Richtung, in die mich mein Leben geführt hatte, gelandet war, redeten nie über Dinge, die in normalen Situationen passieren. Als ich aus der Prostitution herauskam, zum Beispiel, wie ich in meinem Buch beschrieben habe, hatte ich noch nie den Begriff „Erwachsenenbildung“ gehört. Ich wusste einfach nicht, dass man überhaupt eine Chance im Leben hatte, wenn man keinen Schulabschluss hat. Ich hatte nicht einmal mein Inter Cert [„Intermediate Certificate“, Zwischenabschluss nach 3 Jahren Sekundarschulbildung, Prüfung im Alter von 14/15], weil ich im Alter von 14 Jahren von der Schule ausgeschlossen wurde. Das sind die Dinge, die passieren: man fliegt aus einer Herberge, wird aus der Schule ausgeschlossen und ist auf der Straße, und man trifft einen Mann, der eindeutig ausbeuterisch, manipulativ ist, und weiß, was er tut. Man ist fünf, sechs, oder sieben Jahre jünger als er, und man selbst weiß nicht, was man tut. Ich habe diese Geschichte schon so oft gesehen, dass ich aufgehört habe, zu zählen.

Fr. McGlone: Sie sagen also, dass es ein konsistentes Muster des Missbrauchs gibt, Hintergründe und Verbindungen mit Drogen in allen Fällen. Sie sagen, dass die Menschen nicht, wie einige vielleicht behaupten, diesen Weg wählen?

Fr. Moran: Ich habe nicht gesagt, dass das Muster, dass ich am häufigsten um mich herum sah, absolut universell war. Ich habe gesagt, dass die Prostitution voll davon ist, und das ist sie. Wie ich sagte über Frauen, die sagen, sie seien glücklich, es sei ihre Entscheidung, sie wollen damit weitermachen und wollen nicht, dass das Gesetz sie in irgendeiner Weise daran hindert – ich sage wir erlassen keine Gesetze für die Minderheit.

Fr. McGlone: Außerdem, es sind nicht nur Frauen?

Fr. Moran: Es sind hauptsächlich Frauen und Mädchen, aber es sind auch einige Männer und Jungen und Personen, die Transgender sind. Allerdings muss ich sagen, dass ich in den sieben Jahren, die ich in der Prostitution war, nur eine winzige Anzahl von ihnen gesehen habe. Vielleicht ist die Zahl heute ein wenig höher. Es hat aus mehreren Gründen Veränderungen gegeben, in der Art und Weise, wie die Prostitution funktioniert, vor Allem in der Republik, zum Beispiel aufgrund der „Celtic Tiger“ Wirtschaft [Irischer Wirtschaftsboom 1995–2007], und auch aufgrund der virtuellen Prostitution heute. Ich stieg in dem Jahr aus, als das ganze Onlinegeschäft anfing.

 

Hr. Dickson: Vielen Dank für die Information und die sehr persönliche Art, in der Sie sie uns beschrieben haben. Patsy fragte nach der Anzahl der Männer. Haben Sie aus Ihrer Erfahrung irgendeine Ahnung von der Anzahl der Frauen in der Prostitution, die laut Gesetz in Irland Opfer des Menschenhandels sind oder es nicht sind? Wie viele Menschen haben Sie im Laufe der Jahre getroffen, die Opfer des Menschenhandels waren? Um des Arguments willen, zählt Ihre Organisation die Opfer im Vergleich zu denen, die freiwillig in der Prostitution sind?

Fr. Moran: Wir haben keine Möglichkeit, auf diese Art zu zählen. Die Wirklichkeit sieht so aus–

Hr. Dickson: Was ist Ihr Eindruck oder Ihre Erfahrung, was das angeht?

Fr. Moran: Sie müssten mir sagen, wie genau sie Menschenhandel definieren. Dieser Begriff wird unterschiedlich definiert.

Hr. Dickson: Es gibt eine gesetzliche Definition von Menschenhandel. Ich spreche von Menschen die aus gesetzlicher Sicht zur Prostitution gezwungen werden.

Fr. Moran: Das verstehe ich, aber–

Hr. Dickson: Ich versuche mir nur eine Vorstellung von dem Zahlenverhältnis zu machen.

Fr. Moran: Die Organisationen, die sich damit auseinandersetzen, wie Ruhama – soweit ich weiß, haben Sie hier oben nichts derartiges – und die Gardaí [Polizei der Republik Irland] wären bessere Ansprechpartner für Statistiken. Allerdings weiß ich, dass eine riesige Zahl von Frauen in dieses Land kommen, die aus armen Ländern in Südamerika oder anderswoher stammen, und die man davon überzeugt hat–

Hr. Dickson: Dass sie für andere Arbeit hierherkommen.

Fr. Moran: Nein, ich war dabei zu sagen, dass man sie davon überzeugt hat, dass die Form und das Wesen des Sex-Gewerbes, in das sie eintreten werden, sich sehr von der Realität unterscheiden. „Du gehst da hin, und dann musst du ein paar Männer die Woche treffen. Du kannst Englishkurse besuchen, Computerkurse und all das.“ Dann finden sie sich in einem Bordell wieder wo sie täglich acht, neun, zehn Männer bedienen müssen, sieben Tage die Woche. Das ist nach der gesetzlichen Definition kein Menschenhandel, aber ist es fair und gerecht? Diese Frage sollten wir stellen.

Hr. Dickson: Haben Sie Opfer des Menschenhandels gesehen, die in der Zwangsprostitution sind oder effektiv eingesperrt, die ankamen und Ihnen in gewisser Weise ihr Gebiet streitig machten, das Sie damals hatten?

Fr. Moran: Ich erfahre das Meiste, das ich über Menschenhandel weiß, von Frauen, die erst seit ein paar Jahren aus der Prostitution heraus sind. Ich bin seit 15 Jahren aus der Prostitution heraus. Wie gesagt, mit dem Boom in der Republik Irland gab es einen massiven Wandel in der Prostitution. Der Zustrom gehandelter Frauen war ein Teil davon.

Hr. Dickson: Absatz 6 schlägt vor, was als das Schwedische Modell bekannt ist, worin der Käufer der Dienstleistung kriminalisiert ist. Sollten wir diesen Kreis nicht komplett schließen? Sie können von uns nicht erwarten, dass wir glauben, dass alle Prostituierten unschuldig sind und alle Käufer schuldig. Vielleicht sind alle Käufer schuldig; unter dem Schwedischen Modell sind sie es sicherlich. Sollten wir den Kreis nicht schließen und den gesamten Vorgang zu einem kriminellen Vorgang machen? In anderen Worten, sollten wir nicht auch diejenigen, die die Dienstleistung anbieten, kriminalisieren, und nicht nur die, die sie kaufen?

Fr. Moran: Das denke ich nicht, und ich werde Ihnen sagen warum. Es gibt viele Gründe, warum ich das nicht denke. Wenn ich eingestehen würde, dass wir das tun sollten, dann müsste ich eingestehen, dass ich augenblicklich hätte verhaftet werden sollen als ich 18 wurde, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren als Minderjährige tagtäglich von den Männern Irlands missbraucht worden war. Was genau wäre an meinem achtzehnten Geburtstag passiert? Hätte eine magische Fee mir sexuellen-Missbrauchs-Feenstaub auf den Kopf gestäubt, um mich von einer missbrauchten Minderjährigen in eine Kriminelle zu verwandeln? Das ergibt keinen Sinn. Ich denke nicht, dass irgendjemand für die eigene Ausbeutung kriminalisiert werden sollte.

Hr. Dickson: Das ist interessant. Danke.

 

Der Vorsitzende: Es gibt keine weiteren Fragen. Rachel, vielen Dank. Dies ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Anhörungen gewesen, die wir seit langem hatten, aber es war richtig, dass Sie so offen gesprochen haben. Ich weiß Ihre Aussage vor diesem Ausschuss sehr zu schätzen. Ich finde, Sie sind eine unglaublich mutige Frau, und ich danke Ihnen dafür, dass Sie vor den Ausschuss getreten sind, um den Mitgliedern dabei zu helfen, ein Verständnis der Situation zu entwickeln. Vielen Dank.

Fr. Moran: Danke, dass Sie mir zugehört haben.

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