“Was Sie Zuhälter nennen, nennen wir die Geschäftsleitung”

Übersetzt aus dem Englischen

Veröffentlicht im Original von Cath Elliott auf toomuchtosayformyself.com am 7.2.2014 (mit Audio-Aufnahmen des Interviews)

 “Was Sie Zuhälter nennen, nennen wir die Geschäftsleitung.”

 

Dieses Zitat stammt von Douglas Fox:

Wie ihr vielleicht bemerkt habt, ist unser alter Freund Douglas Fox wieder in den Nachrichten, diesmal damit, dass er sich Amnestys neue Position, entschuldigt, Konsultation, zur Entkriminalisierung von „Sexarbeit“ zuschreibt. Amnesty wollen sich offensichtlich verzweifelt von ihm distanzieren – tatsächlich wollen sie sich so verzweifelt von ihm distanzieren, dass sie inzwischen zwei verschiedene Mitteilungen veröffentlich haben, in denen erklärt wird, dass er nichts mit der neuen Position, Verzeihung, Konsultation, zu tun hatte:

Douglas Fox and Amnesty International

Amnesty UK AGM’s Decisions on sex work to date

Fox hat inzwischen zugegeben, dass er 2008 damit beschäftigt war, seine Unterstützer im „Sex-Gewerbe“ dazu aufzufordern, de Amnesty beizutreten und von innen Lobby zu betreiben, um die Positionierung zum Thema „Sexarbeit“ zu bekommen, hinter der er her war.

Der Name Fox ist auch im Zusammenhang mit seinem Beitrag zur Amnesty-Position, Verzeihung, Konsultation, im nordirischen Parlament gefallen, wo ein Justizausschuss des Parlaments im Rahmen eines Gesetzesvorschlags, den Sex-Kauf zu kriminalisieren, um den Menschenhandel zu reduzieren, eine Anhörung von Beweismaterial durchführt.

Angesichts all dieses neuerlichen Interesses an Fox dachte ich mir, dass es höchste Zeit ist, meine Sachen in Ordnung zu bringen und etwas mit den fast 2 Stunden Interviewaufnahme, die ich seit dreieinhalb Jahren auf meinem Computer habe, anzufangen. Ein Interview, dass Julie Bindel und ich im Juni 2010 mit Fox führten und welches Material lieferte für Julies jüngstes Exposé der IUSW – de Eine Gewerkschaft, die keine ist (An Unlikely Union) – und über das Fox selbst auf Harlot’s Parlour schrieb, unter der charmanten Überschrift „Julie Bindel is my Bitch“.

Das Interview fand in einem Restaurant während dem Essen statt, ich entschuldige mich also für die schlechte Qualität der Aufnahme an einigen Stellen und den schrecklichen Soundtrack im Hintergrund: das war definitiv nicht unsere Musikauswahl! Fox brachte einen Kollegen zu dem Interview mit, vordergründig um Notizen zu machen (auch wenn er das Ganze auch aufzeichnete), und ich vermute mal um ihn vor den schlimmen Radikalfeministinnen zu beschützen, und daher hört man manchmal in der Aufnahme eine vierte Stimme. Da er eigentlich nicht Teil des Interviews war und um seine Identität zu schützen, habe ich ihn in dem Transkript des Interviews nur als „R“ bezeichnet.

Ich habe exzerpiert, was ich für die interessantesten und relevantesten Teile des Interviews halte, und unter jedem Abschnitt gibt es ein Transkript, aber es gibt am Ende auch Links zum vollen Interview und dem vollen Transkript für alle, die das Ganze komplett durchgehen wollen. Die einzigen Teile, die herausgeschnitten wurden, sind die, in denen wir Essen bestellen oder über Essen reden, denn ich vermute mal, das will wirklich überhaupt niemand hören.

Also, nun zur Sache.

Zuerst einmal haben wir hier Fox, wie er versucht, den Unterschied zwischen der IUSW und dem GMB/IUSW Adult Entertainment Branch zu erklären, und behauptet, in keiner der beiden Organisationen Vertreter, Sprecher oder Inhaber einer Position zu sein:

JULIE BINDEL: Meiner Meinung nach ist der Kampagnen-Flügel der IUSW keine Gewerkschaft, so wie wir Gewerkschaften kennen, er ist eine Kampagnen- und Lobby-Gruppe. Also habe ich mich gefragt, wie viele Menschen wohl wenn sie z.B. Catherine Stephens oder Thierry oder Sie sprechen hören, sich von Ihren Argumenten, dass es ja um den Schutz der Arbeiter ginge, überzeugen lassen würden, wenn Sie eigentlich keine Gewerkschaft sind.

DOUGLAS FOX: Nun, die IUSW hat zwei Seiten. Es gibt die IUSW Aktivistengruppe. Und dann gibt es den IUSW London Adult Entertainment Branch. Äh, welches die GMB ist. Das sind zwei sehr unterschiedliche Gruppen.

CATH ELLIOTT: Aber, sie sind’s aber sie sind’s nicht.

DOUGLAS FOX: Sie sind zwei sehr verschiedene Gruppen. Wir haben unsere eigene, die IUSW hat ihre eigene Verfassung, während der GMB Adult Entertainment Branch den Regeln der GMB folgt und ein Zweig der GMB ist.

CATH ELLIOTT:  Aber gehören nicht beiden dieselben Leute an?

DOUGLAS FOX: Oh, es gibt eine Überschneidung bei den Kernmitgliedern der beiden. Aber ich denke, ich meine, ich bin sehr sehr vorsichtig wenn ich als Aktivist der IUSW spreche dann spreche ich als Aktivist der IUSW und nicht für den GMB-Zweig. Thierry ist sehr in der GMB und im Gewerkschaftswesen involviert, also spricht er meist eher für die GMB. Ich denke wenn Sie mit ihm geredet haben, dann hat spricht er mehr für die GMB. Ich weiß dass Cath sehr, sie ist Geschäftsführerin des GMB-Zweigs, ich denke sie achtet sehr darauf, deutlich zu machen, dass sie wenn sie für die IUSW spricht, als Aktivistin für die IUSW spricht und nicht als Geschäftsführerin des GMB-Zweigs, außer es gibt einen bestimmten Grund für sie das zu tun, wie zum Beispiel als vor kurzem Briefe direkt an David Cameron etc. gesendet wurden, dann wird das natürlich als Zweig gesendet. Das sind also zwei sehr getrennte Dinge.

JULIE BINDEL: Aber Menschen, die Sie reden hören, wegen Ihrem Namen und wegen der Dinge, die gesagt werden, werden glauben, dass Sie eine Gewerkschaft wie jede andere Gewerkschaft sind, obwohl Sie eigentlich eine Kampagnen- und Lobby-Gruppe sind. Und ich schätze, da drängt sich die Frage auf, warum haben Sie das Wort „union“ (Gewerkschaft) verwendet? Warum nicht SexarbeiterInnen-Vertr– ich weiß nicht, was für Namen Sie sich geben könnten.

DOUGLAS FOX: Also das, die IUSW wurde gegründet, lange bevor ich überhaupt beigetreten bin. Und obwohl ich ein Aktivist bin, bin ich kein Vertreter. Ich habe keine Position innerhalb der IUSW oder im GMB-Zweig.

JULIE BINDEL: Aber Sie werden oft als deren Gesicht wahrgenommen, nicht wahr, Ihrem Profil bei Comment is Free nach zu urteilen.

CATH ELLIOTT:  Sie werden als ein Sprecher gesehen.

DOUGLAS FOX: Naja, das ist weil eigentlich jeder, der aufsteht und spricht, es gibt nicht viele von uns die wirklich aufstehen und für SexarbeiterInnen-Rechte sprechen. Natürlich sieht man uns als Sprecher ob wir die Gruppe vertreten oder nicht. Aber wenn ich spreche, dann spreche ich als Individuum und nicht als Vertreter der IUSW.

CATH ELLIOTT:  Aber das, was Sie auf Comment is Free geschrieben haben, Ihr Profil war…

DOUGLAS FOX: Naja, Comment is Free, ja, ich wurde bei dieser Gelegenheit spezifisch gebeten, von einer IUSW-Perspektive zu sprechen, aber die meisten Dinge, die ich tue, wie Harlot’s Parlor etc., da spreche ich als ich selbst und nicht als Vertreter der IUSW. Ich habe keine Position in der IUSW. Ich kann das also nicht.

CATH ELLIOTT:  Aber hatten Sie das mal? Hatten Sie das mal in der Vergangenheit? Ich meine, ist das etwas Neueres oder hatten Sie das nie?

DOUGLAS FOX: In der IUSW?

CATH ELLIOTT:  Ja. Hatten Sie nie eine Position?

DOUGLAS FOX: Die einzige Position die ich habe, ich bin der Schatzmeister, das ist alles.

CATH ELLIOTT:  Ah ja.

Hier ist Fox noch einmal später im Interview, wo er noch einmal behauptet, kein Vertreter oder Sprecher zu sein – obwohl er die Kommentare auf seinem Blog mit Douglas Fox (IUSW und Amnesty International Aktivist) signierte – und noch einmal behauptet, keine Position in der IUSW zu haben:

JULIE BINDEL: Aber worum drehte sich den der eigentliche Streit innerhalb der IUSW? Waren es die üblichen Machtkämpfe oder ging es mehr darum, wie es aussehen würde, wenn Sie Sprecher für ein Gewerbe sind, das, Sie wissen schon, voll mit Leuten ist, die nicht sind wie Sie?

DOUGLAS FOX: Ich habe nie für die IUSW gesprochen außer vielleicht in dem einen Artikel den ich gebeten wurde, für Comment is Free zu schreiben. Ich spreche immer als Einzelperson.

JULIE BINDEL: Ich dachte es hätte mehrere Anlässe gegeben, wo Sie–

DOUGLAS FOX: Ich habe pro-IUSW-Artikel geschrieben aber aus einer individuellen Perspektive und nicht mit irgendeiner Vollmacht der IUSW.

CATH ELLIOTT: Haben Sie nicht an einer Amnesty International Konferenz gesprochen?

DOUGLAS FOX: Nein, als einzelner Sexarbeiter. Ich habe keine Position als Vertreter der IUSW außer bei der einen Gelegenheit als ich gebeten wurde, einen kurzen Beitrag für Comment is Free zu schreiben.

JULIE BINDEL: Sind Sie also noch Mitglied der GMB und der IUSW?

DOUGLAS FOX: Äh, ich bin noch bei der IUSW als Aktivist. Und ich bin noch Mitglied bei der GMB, ja.

Und hier behauptet er wieder, unabhängig zu sein.

CATH ELLIOTT:  Behaupten Sie, dass sie keine Position außer Schatzmeister haben und Sie sind kein Sprecher, aber man hat Sie interviewt und Sie haben gesagt, als Sie gerade in der Gründung begriffen waren, Sie haben gesagt, Sie wollten einen Gewerkschaftszweig für Escorts gründen.

DOUGLAS FOX: Nicht für meine Escorts, ich habe gesagt für die Agentur, dass wir gerne einen Zweig gegründet hätten, einen getrennten IUSW-Zweig, einen IUSW GMB Zweig, ja.

CATH ELLIOTT:  Die Agentur?

DOUGLAS FOX: Naja durch die Agentur aber als getrennter Zweig für SexarbeiterInnen im Nordosten, ja. Das wäre das Ideal gewesen.

CATH ELLIOTT: Und haben Sie denn Mitglieder für die IUSW rekrutiert? Waren Escorts dabei?

DOUGLAS FOX: Ich glaube es sind einige Mitglied geworden, ja.

CATH ELLIOTT:  Haben Sie also einen Zweig?

DOUGLAS FOX: Es ist kein Zweig. Die GMB im Moment, soweit ich das verstehe, erlaubt im Moment keinen anderen Zweig als den Londoner Zweig. Also denke ich sind wir alle Mitglieder des Londoner GMB-Zweigs.

CATH ELLIOTT: Aber Sie sagten, Sie sind kein Sprecher oder Vertreter der IUSW, und doch gehen Sie auf, Sie waren auf Punternet und Northern Pleasuers und all diesen anderen Freier-Foren und haben um Spenden gebeten, Ratschläge verteilt, versucht Leute als Mitglieder für die IUSW zu rekrutieren. Wie passt das zusammen wenn Sie kein Vertreter oder–

DOUGLAS FOX: Weil ich Aktivist bin. Also, als Aktivist will ich, dass so viele Leute wie möglich bei uns Mitglied sind.

CATH ELLIOTT:  Aber sehen Sie, wie das rüberkommt, weil Sie so lautstark sind und Sie und Catherine Stephens sind die zwei, und jetzt natürlich noch Thierry, aber ich denke wir verstehen, dass Thierry GMB ist, aber wie das rüberkommt, dass die Menschen Sie jetzt automatisch mit der IUSW assoziieren. Sie als Sprecher sehen.

DOUGLAS FOX: Ich denke das ist unausweichlich, ja, ich stimme zu, aber es gibt einen Unterschied zwischen für etwas gehalten werden und tatsächlich etwas sein.

JULIE BINDEL: Aber wenn Sie so ein Aktivist für die IUSW sind, warum haben Sie dann keine Position? Sie investieren schließlich viel Arbeit und Zeit.

DOUGLAS FOX: Weil ich das schon erklärt habe. Ich will komplett unabhängig sein. Und falls ich irgendwann mal die IUSW oder den GMB-Zweig kritisieren will, dann will ich sie kritisieren können.

Und hier nun Fox wie er zugibt, dass er in Wahrheit die einzige Person ist, die in der IUSW eine offizielle Position jeglicher Art hat. Und er versucht, den Unterschied zwischen der IUSW und dem GMB Adult Entertainment Branch zu erklären. Schon wieder.

CATH ELLIOTT: Aber die IUSW, wie ist die denn nun aufgebaut, Sie sagen Sie haben keine Position, aber es gibt doch Positionen, es gibt so etwas wie eine Führungsriege, eine Leitung. Wird sie nicht von einem Komitee geleitet?

DOUGLAS FOX: Die Verfassung hat ein Komitee eingerichtet. Also gibt es ein Komitee, das sich um die alltägliche Organisation kümmert, und dann gibt es den Schatzmeister.

CATH ELLIOTT:  Sind Sie in dem Komitee?

DOUGLAS FOX: Nein, das bin ich nicht.

CATH ELLIOTT:  Waren Sie es?

DOUGLAS FOX: Man wollte mich nominieren, aber ich habe abgelehnt. Also habe ich es nicht gemacht. Da Thierry auch nicht im IUSW-Komitee ist, er dachte es würde einen Interessenkonflikt geben wenn er der Präsident des GMB-Zweigs und der IUSW ist.

CATH ELLIOTT:  Also es gibt ein Komitee, tut mir Leid, ich werde bei diesen Sachen immer ganz genau und theoretisch, es gibt also ein Komitee mit 6, 7, 8, keine Ahnung, ich pflücke hier nur mal Zahlen aus der Luft, und dann gibt es den Schatzmeister, aber das sind die einzigen Positionen?

DOUGLAS FOX: Ja.

CATH ELLIOTT:  Das heißt Sie sind in Wirklichkeit die einzige Person in der IUSW, die eine Position hat?

DOUGLAS FOX: Ich schätze so könnten Sie argumentieren! (lacht)

JULIE BINDEL:  Daran haben Sie nicht gedacht, was?

DOUGLAS FOX: Äh, doch. Ich kontrolliere die Finanzen. Nicht, dass es viel Geld gibt.

JULIE BINDEL: Vermutlich überleben Sie durch Ihre Spenden, durch Mitgliedschaften und Spenden?

DOUGLAS FOX:  Durch Spenden eigentlich. Es gibt keine Mitgliedschaft.

JULIE BINDEL: Mitgliedschaft geht natürlich an die GMB.

DOUGLAS FOX: Mitgliedschaft geht an die GMB. Die meisten Mitglieder der GMB so wie ich zahlen monatlich eine Gebühr wie alle Gewerkschaftsmitglieder und die geht an den GMB-Zweig. Die IUSW sammelt Geld durch Fundraising, durch hier und da mal eine Spende. Wir überleben mit sehr wenig.

CATH ELLIOTT:  Weil dann gibt es da diese ganze, wenn man Mitglied der GMB ist, wir hatten diese Diskussion am Anfang, dass die Mitgliedschaft sich bei beiden ja meist überschneidet, dass viele Leute bei beiden Mitglied sind.

DOUGLAS FOX: Nicht alle sind das. Nicht alle sind das, aber viele Leute sind Mitglied bei beiden.

CATH ELLIOTT:  Jetzt sagen Sie, es gibt keine Mitgliedschaft bei der IUSW.

DOUGLAS FOX: Nein, der GMB-Zweig.

JULIE BINDEL: (Lacht) Du hast es nur schlimmer gemacht, Cath. Ich dachte, du hast es.

CATH ELLIOTT: Das dachte ich auch, jetzt hab ich’s nicht mehr, jetzt ist es wieder weg.

DOUGLAS FOX: Es ist ganz einfach. Für den GMB-Zweig gibt es eine Mitgliedschaft bei, das ist die Mitgliedschaft bei der GMB. Die IUSW ist die Aktivismus-Liste, welche von Aktivisten ist, die auf der Liste sind…

JULIE BINDEL: Es ist eine Liste, keine wirkliche Mitgliedschaft.

DOUGLAS FOX: Ja, und die die Grundsätze der IUSW unterstützen.

Inzwischen ist es in etwa so klar wie dicke Tinte, oder?

Aber zurück zum Zitat am Anfang: hier ist Fox über die gewerkschaftliche Zusammenschließung von Zuhältern:

DOUGLAS FOX: Aber Sie haben nach der gewerkschaftlichen Organisation der GMB gefragt. Ich meine, aus meiner persönlichen Sicht, ich unterstütze die Position, dass sie alle vertreten, die stigmatisiert oder kriminalisiert sind. Für mich ist Teil der Gewerkschaften, Menschen zu vertreten, die unterdrückt sind und Menschen, die stigmatisiert sind und Menschen, die außerhalb der Gesellschaft sind. Das ist schon immer ein Teil der gewerkschaftlichen Organisation gewesen, soweit ich das verstanden habe, definitiv aus einer Menschenrechtsperspektive.

JULIE BINDEL: Naja, außer dass mir Menschen einfallen, die stigmatisiert und kriminalisiert sind, wie Kindesmissbraucher, denen wir wirklich keine Vertretung geben sollten, oder uns mit Menschenrechtsargumenten auseinandersetzen, warum sie nicht kriminalisiert werden sollten.

DOUGLAS FOX: Aber wir sprechen von SexarbeiterInnen, die als Erwachsene einwilligen…

JULIE BINDEL: Aber Zuhälter sind kriminalisiert und stigmatisiert, da gibt es keine Frage, aber was bedeutet das?

CATH ELLIOTT:  Sind Sie der Meinung, die IUSW sollte sie repräsentieren?

DOUGLAS FOX: Alle, die stigmatisiert und kriminalisiert sind, sollten eine Vertretung haben und gewerkschaftlich organisiert sein.

JULIE BINDEL: Also haben Sie gerade gesagt, ja, Sie denken wir sollten Gewerkschaften für Zuhälter haben.

DOUGLAS FOX: Was Sie Zuhälter nennen, nennen wir die Geschäftsführung (engl.: „managers“)

JULIE BINDEL: Also glauben Sie nicht, dass Zuhälterei existiert oder glauben Sie, Zuhälter müssen schwarz sein und einen Filzhut tragen?

DOUGLAS FOX: Könnten Sie definieren, was ein Zuhälter ist?

JULIE BINDEL: Einen Profit daraus machen, dass Frauen Sex verkaufen.

DOUGLAS FOX: Diese Definition ist das gleiche wie Prostitution. So wie wir das sehen, sollten alle in diesem Gewerbe eine Vertretung haben. Und das schließt Menschen ein, die leitende Angestellte sind. Und die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Erwachsene zu vertreten, die sich dazu entscheiden, sie darum zu bitten, sie zu vertreten.

Und hier ist er, wie er abstreitet, dass so etwas wie Zuhälterei überhaupt existiert:

JULIE BINDEL: Ich denke Prostitution kann für viele, viele Frauen eine hässliche Erfahrung sein, und ich finde, dass Wort Zuhälter (engl.:„pimp“) sollte hässlich sein, denn es ist eine sehr, sehr hässliche Tätigkeit. Ich habe kein Problem damit, ich meine, was ich an dem Wort „pimp“ hasse, ist dass es für Kaffee und Autos und solche Sachen verwendet wird. Dann hasse ich es, aber denken Sie, es gibt Zuhälterei? Sogar nach Ihrer Definition in der Industrie?

DOUGLAS FOX: Das habe ich schon beantwortet.

JULIE BINDEL: Das haben Sie nicht.

DOUGLAS FOX: Ich habe diese Frage beantwortet. Ich habe gesagt, dass es eine Vielfalt von Erfahrungen innerhalb der Industrie gibt. Manche Leute haben gute Erfahrungen. Manche Leute haben vielleicht nicht so gute Erfahrungen. Wie kann ich sie sonst beantworten?

JULIE BINDEL: Sie könnten einfach ja oder nein sagen.

DOUGLAS FOX: Nun, das werde ich nicht.

Aber ob er nun glaubt, dass Zuhälterei existiert oder nicht, Douglas Fox ist der Meinung, dass alle, die Geld an der Prostitution verdienen, einschließlich seines Escort-Agentur-besitzenden Partners, „SexarbeiterInnen“ sind und vermutlich daher ein Recht auf Mitgliedschaft in der GMB-Gewerkschaft haben:

JULIE BINDEL: Aber warum sollten Sie verschwiegener sein, wenn es darum geht, zu sagen, dass Sie stolzer Sexarbeiter sind, als wenn es um Ihre stolze Assoziation mit etwas geht, das viele von uns als den Verkauf von Frauen, Zuhälterei und illegalen Prostitutionsgeschäften sehen?

DOUGLAS FOX: Es ist ja kein Verkauf von Frauen und keine Zuhälterei, es ist Management.

JULIE BINDEL: Ja, aber Sie wussten, dass viele Zuschauer es so sehen würden, denn Sie haben das Aufhebens ja in der Sendung wo Sie, wo John als Internet-Zuhälter bezeichnet wird, und wo es eine verdeckte Operation gab. Also wussten Sie, dass viele Zuschauer das sagen würden. Sie sind offensichtlich nicht der Meinung. Aber ich kann einfach nicht verstehen, warum es so ein Geheimnis oder so versteckt war, dass Sie Sexarbeiter sind. Denn ich persönlich glaube nicht, dass Sie Sexarbeiter sind. Ich denke, das dient Ihnen einfach als Berechtigung, für Menschen zu sprechen, die aktiv verkaufen anstatt zu managen, wenn Sie wissen was ich meine.

DOUGLAS FOX: Also, ich kann Ihnen versichern, ich bin Sexarbeiter, ich verkaufe Sex. Ich manage keine SexarbeiterInnen. Mein Partner macht das, und das ist sein Job. Ich habe damit nichts zu tun. Wenn ich mich öffentlich dazu bekennen würde, all so etwas ist öffentlich sehr schwierig. Wir waren schon 18 Monate lang in den Regionalzeitungen. Alle wussten, was wir tun. Äh, meine Familie wusste, was ich tue. Äh, aber, ich hatte zu diesem Zeitpunkt mich noch nicht öffentlich als richtiger, wenn Sie so wollen, ich meine, ich denke, John ist genauso viel Sexarbeiter wie ich Sexarbeiter bin, aber ich hatte mich noch nicht öffentlich dazu bekannt, Sexarbeiter an vorderster Front zu sein, also mit Kunden zu sprechen und Termine zu haben.

JULIE BINDEL: Ah ja.

CATH ELLIOTT:  Warum meinen Sie, John sei Sexarbeiter?

DOUGLAS FOX: Ich finde, jeder, der mit Sexarbeit Geld verdient, ist ein Sexarbeiter.

Beschämenderweise scheint es so, als würde die GMB ihm da zustimmen:

DOUGLAS FOX: Sie deckt ein ganzes Spektrum von Menschen ab. TänzerInnen, Stripper, wie Sie sagen, Menschen, die in Pornos und Prostitution arbeiten, sie deckt alle ab, die in dem, was allgemein als Sexgewerbe bezeichnet wird, arbeiten.

JULIE BINDEL: Aber würden Sie zum Beispiel einen Pornoregisseur annehmen, denn das ist das Gleiche wie ein Besitzer oder Geschäftsführer einer Escort-Agentur, und würden Sie einen Sex-Shop-Besitzer annehmen?

DOUGLAS FOX: Der GMB-Zweig? Nun, soweit ich die momentane Mitgliedschaft bei der GMB verstanden habe, sind es die Regeln der GMB, nicht unsere Regeln, es ist die GMB.

JULIE BINDEL: Es kommt mir absolut verrückt vor. Das ist einfach nicht wie irgendeine andere Gewerkschaft, die mir je untergekommen wäre. Wir reden jetzt von der GMB, nicht der IUSW, die mir wie der Kampagnen–

CATH ELLIOTT: Ich verstehe immer noch nicht–

JULIE BINDEL: Nicht?

JULIE BINDEL: Ich habe noch nie davon gehört, dass Gewerkschaften so organisiert wären. Die Mitgliedschaft, es überrascht mich wirklich, dass man da beitreten kann als, und wir hatten das vorhin schon, als Besitzer eines Sex-Shops, als Besitzer eines Strip-Clubs, als Besitzer einer Escort-Agentur, als Pornoregisseur, und dann als Akademiker, Freier, wie verrückt ist das, Freier?

DOUGLAS FOX: Aber das ist nicht unsere Schuld. Sie müssen da mit der GMB über ihre Regeln zur Mitgliedsaufnahme reden.

JULIE BINDEL: Aber Sie sind so eng verbunden, dass Sie offensichtlich…

DOUGLAS FOX: Die IUSW ist in der GMB ein kleiner Zweig in der, was ist sie nochmal, die drittgrößte Gewerkschaft im…

Hier ist das vollständige Interview (siehe Original-Link)

Hier ist das vollständige Transkript – Fox interview

Interessanterweise sieht man, wenn man die ersten paar Minuten dieses Nachrichtenbeitrags sieht, dass laut Laura Lee die IUSW, die laut Fox angeblich eine Listen- und keine Mitgliedschaftsorganisation ist, anscheinend eine Mitgliedschaft von 10 Personen hat. Ja, richtig gelesen, zehn Personen — Committee is briefed on trafficking bill.

Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die jetzt ein paar Fragen nicht nur an Amnesty UK hat, sondern auch an die GMB. Zum Beispiel, Amnesty haben auf Twitter behauptet, sie würden “SexarbeiterInnen”-Organisationen in Großbritannien befragen, um ihre neue Position zu formulieren: wird diese Befragung die IUSW einschließen und damit ihre Mitgliedschaft von 10 AkademikerInnen/AktivistInnen/jegliche-interessierte-Partei-die-eigentlich-gar-kein/e-SexarbeiterIn-ist? Oder den GMB Adult Entertainment Branch, von dem Fox bereits zugegeben hat, dass er alles und jeden mit einem Interesse an der Sex-Industrie aufnimmt, von Pornoregisseuren bis hin zu Freiern?

And für die GMB muss die Frage lauten, wie viele Mitglieder gibt es im London Adult Entertainment Branch, und wen genau im Gewerbe vertreten sie, die ArbeiterInnen oder die Bosse und die Freier?

Für mehr Hintergrundinformationen und für mehr von mir über Fox, die IUSW, die GMB und die Prostitutionsdebatte, siehe:

The great IUSW con

Douglas Fox gets it wrong again

The IUSW playing dirty? Surely not!

Sex workers are not criminals

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