What does the Fox say? Die Strategie eines Super-Zuhälters für Amnesty International

Übersetzt aus dem Englischen
Veröffentlicht im Original von Martin Dufresne auf facebook.com/martindufresne am 31.1.2014

fr Siehe https://www.facebook.com/martindufresne/notes für viele französische Übersetzungen zum Thema Prostitution/Abolition, Amnesty

What does the Fox say? Die Strategie eines Super-Zuhälters für Amnesty International

In The Equality Illusion: The Truth About Women and Men Today, identifiziert Kat Banyard Douglas Fox als „Gründer und Geschäftspartner bei Christony Companions – einer von Großbritanniens größten Escort-Agenturen“ (S. 140). In einer Mitteilung vom April 2008 machte Fox weder einen Hehl aus seinem wachsenden Einfluss innerhalb von Amnesty International noch aus seinen Plänen, sie von der „kompletten Entkriminalisierung“ des Frauen-„Markts“ zu überzeugen – will heißen, Escort-Agenturen, Zuhälter, Prostitutionskäufer, etc.

„…Wir müssen sie gnadenlos verfolgen und sie auf unsere Seite bringen, eigentlich sind sie das sowieso schon, sie brauchen nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung…“

“Titel: Bericht von der Amnesty-Konferenz
Eintrag von: Douglas am 07. April 2008, 08:24:09
Die Amnesty International Jahreshauptversammlung 2008 in Nottingham.

Für diejenigen, die es nicht wissen, ich bin Mitglied bei Amnesty International und Aktivist in der Amnesty-Gruppe in Newcastle, die meine Kampagne für die Rechte von SexarbeiterInnen sehr unterstützt hat. Dieses Jahr hat unsere Gruppe in Newcastle bei der Konferenz den Antrag gestellt, dass Amnesty sich zu SexarbeiterInnen-Rechten positioniert. Der Antrag rief Amnesty dazu auf, die Europaratsresolution 1579 zu unterstützen, die besagt, Mitgliedstaaten sollen den Unterschied zwischen erzwungener und nicht erzwungener Sexarbeit anerkennen, und sollen außerdem SexarbeiterInnen zu allen Entscheidungen, die sie betreffen, befragen. Dieser Antrag verlangt auch, dass Amnesty SexarbeiterInnen in ihrem Kampf für Entkriminalisierung unterstützt, da dies der einzige Weg ist, SexarbeiterInnen vor den negativen Auswirkungen eines kriminellen Markts zu schützen, der sie stigmatisiert und entfremdet. Um zu zeigen, dass diese Forderung mit den grundlegenden Prinzipien Amnestys in Bezug auf die Gewissensfreiheit und die freie Meinungsäußerung übereinstimmt, habe ich mich auf die Brüsseler Erklärung über die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa bezogen, die zur Anerkennung der Menschenrechte von SexarbeiterInnen aufruft. Ich habe mich auch auf Artikel 23 der Menschenrechtserklärung bezogen, der das Recht auf freie Berufswahl, das Recht, Gewerkschaften zu gründen, und das Recht auf Freiheit von Diskriminierung enthält.

All dies sollte für Amnesty eigentlich nicht kontrovers sein, aber Amnesty International hat aufgrund der jüngsten Geschichte zwei Hauptgründe, dies nicht zu bald zu unterstützen. Amnesty hat gerade einen dreijährigen kontroversen Kampf um einen Antrag zur Unterstützung des Rechts auf Abtreibung für Frauen hinter sich. Einige bei Amnesty fanden, dass dies einer Pro-Choice-Haltung gleichkäme und Amnesty wurde von der Katholischen Kirche und muslimischen Gruppen verurteilt. Venezuela und Irland weigerten sich, Kampagnen zu machen, und viele Einzelmitglieder verließen Amnesty. Das Thema wurde bei dieser Konferenz wieder besprochen und wieder war es sehr spaltend. Der Amnesty Verwaltungsrat schlug einen Kompromiss vor (gegen den ich stimmte, da ich pro-choice bin) der besagte, dass Amnesty nur Abtreibung unter bestimmten Umständen befürworten würde und dass einzelne Mitglieder oder sogar Länder sich weigern könnten, sich an Kampagnen zu beteiligen. Dieser Kompromiss wurde letztendlich angenommen. Das zweite Problem ist, dass sich Amnesty (in mancher Hinsicht sehr effektiv) gegen Gewalt gegen Frauen eingesetzt hat. Die Leute, und besonders eine Frau, die an der Spitze dieser Kampagne stehen, haben eine Anti-Escorting-Haltung eingenommen und Melissa Farley und Julie Bindel ausgiebig in ihrer Literatur zitiert. Ich habe diese Haltung und die Statistiken, die sowohl auf der Amnesty-Webseite und auf der Konferenz verwendet wurden, in Frage gestellt und am „Gewalt gegen Frauen“-Stand einen Krawall verursacht. Ich habe die Leiterin der Kampagne in Hinblick auf die Statistiken in Frage gestellt und sie hatte eigentlich keine Antwort.

Dies nun war also der Hintergrund zur Amnesty-Konferenz und so war ich nicht wirklich optimistisch. Um also auf den Punkt zu kommen: Amnesty hält zuerst einmal Workshops, in denen die Anträge diskutiert und abgeändert werden etc. Die Anträge werden dann gegebenenfalls auf der vollen Konferenz weiter diskutiert. Mein Workshop hatte ungefähr 150 Teilnehmer. Ich sprach fast 10 Minuten über den Antrag. Der Amnesty-Rat war nach mir an der Reihe und argumentierte, dass Amnesty keine Position zum Thema Escorting habe und die Deklaration über die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa von 2005 sowie die Europaratsresolution 1579 unterstützen solle, aber anstatt die Entkriminalisierung voll zu unterstützen, solle Amnesty zu einer umfassenden Studie zur weltweiten Entkriminalisierung aufrufen.

Ich erhob im Workshop Einspruch gegen diese Änderung, aber sie wurde angenommen während mein Antrag auf Unterstützung der Entkriminalisierung abgelehnt wurde. Ich hatte die Unterstützung von ca. einem Drittel der Arbeitsgruppe.
Der Antrag wurde später auf der Konferenz vorgestellt und ich musste vor der gesamten Konferenz von ca. 5/600 Leuten noch einmal etwa 10 Minuten reden. Der Rat gab wieder dieselbe Änderung ein und wieder erhob ich mit der Begründung, dass viele Mitglieder sie ablehnten, dagegen Einspruch. Es wurde abgestimmt und ich verlor (allerdings hatte ich wieder ca. ein Drittel des Saals auf meiner Seite). Es wurde über die Änderung des Amnesty-Rats abgestimmt und sie wurde mit einer ausreichenden Mehrheit angenommen.
Amnesty haben nun also erklärt, dass sie die Europaratsresolution 1579 unterstützen, und haben erklärt, dass sie die Deklaration über die Rechte von SexarbeiterInnen in Europa von 2005 unterstützen, und haben beschlossen zu einer „umfassenden, weltweiten Studie zum Thema der Entkriminalisierung des Escorting“ aufzurufen. Ich halte das absolut nicht für ein schlechtes Ergebnis.

Hinterher war ich der örtliche Star LOL und ich habe mit so vielen Leuten geredet, die mir Fragen stellen wollten. Es war so frustrierend, denn nachdem ich mit ihnen geredet hatte, sagten sie alle, dass sie für den gesamten Antrag gestimmt hätten, wenn sie das Thema richtig verstanden hätten, und nicht nur für den Kompromiss (so gut dieser auch war). Ich denke, wenn sie das getan hätten, hätte ich gewonnen. Ein weiterer ähnlicher Antrag wird auf der Konferenz nächstes Jahr gemacht werden, und zweifellos wird meine Amnesty-Niederlassung in Newcastle einen ähnlichen Antrag formulieren. Das hier ist eine gewinnbare Kampagne würde ich sagen, aber SexarbeiterInnen müssen bei Amnesty Lobby machen, vor Allem bei der „Gewalt gegen Frauen“ Kampagnengruppe, die aufgrund meines Wutausbruchs auf der Webseite und am Stand gezwungen waren, ein zweiseitiges Dokument mit alternativen Standpunkten zu kopieren und am Stand zu verteilen.
Ich habe später auch noch weniger zornig mit der Gewalt gegen Frauen-Gruppe geredet, und sie waren gewillt, eine Debatte mit mir, der IUSW und anderen SexarbeiterInnen zu eröffnen, um eine ausgewogenere Sicht im Hinblick auf Literatur und auf der AI-Webseite zu haben. Viele verschiedene regionale Amnesty-Gruppen hätten es gerne, dass SexarbeiterInnen mit ihnen sprechen und ihnen unsere Ansichten erklären und ich habe einige gute Gewerkschaftskontakte durch den TUC* geknüpft, die es hoffentlich mir und anderen erlauben werden, im Nordosten [Englands] mit dem TUC zu reden und die Druckergewerkschaft an der Debatte zu beteiligen. Ich oder jemand anderes wurde dazu eingeladen, in Belfast für SexarbeiterInnen-Rechte zu sprechen, da anscheinend dort Gesetzesänderungen vorgeschlagen worden sind und wieder einmal niemand für die SexarbeiterInnen spricht oder zumindest hört man ihnen nicht zu.
Ich habe mit dem Vertreter von Amnesty in Schweden gesprochen und ein paar Kontaktadressen bekommen, die werde ich jetzt also verfolgen LOL und mit der chinesischen Amnesty Hong Kong Gruppe, die mir auch wieder einige Kontakte brachte.

Sam Ruddick (Anita Ruddicks Tochter) sprach auf der Konferenz und hat ein paar interessante Punkte vorgebracht. Ich habe nach ihrer Rede kurz mit ihr geredet und sie hat eingewilligt, sich mit Cath oder mir zu treffen, um Ideen zu besprechen, wie sie der Gewerkschaft behilflich sein kann. Ihre Rede war leider nicht unterstützend, aber das war wahrscheinlich keine Absicht. Sie hat sich auf ihre Kampagnenarbeit gegen Menschenhandel konzentriert, was starker Tobak war, und sie scheint eng mit anderen Gruppen gegen Menschenhandel zusammenzuarbeiten. Als ich mit ihr redete gab ich ihr meine Bedenken bezüglich ihrer Rede zu verstehen und sie erklärte mir, dass sie die Ansicht vertritt, dass die zwei Themen SexarbeiterInnen-Rechte und das Aufhalten des Menschenhandels zwei getrennte Themen sind (und natürlich sind sie das) aber ich glaube nicht, dass ihr das klar ist, wegen den Medien und der zerstörerischen Negativität der Julie-Bindel-Unterstützer ist Menschenhandel in den Köpfen der Leute synonym mit Sexarbeit geworden. Ich wurde wieder und wieder und wieder zu Sorgen gefragt, Unterstützung für SexarbeiterInnen könnte zu einem Anstieg des Menschenhandels führen. Jedoch habe ich sie jedes Mal sehr leicht auf meine Seite gebracht, was wieder zeigt, dass es wichtig es ist, die Presse/Medien auf unsere Seite zu kriegen um Gegenargumente zu bringen.
Abschließend, es ist traurig dass Amnesty sich nicht dafür entschieden haben, morgen schon für die Entkriminalisierung Kampagne zu machen, und vielleicht dauert es noch ein Jahr bevor sie irgendwelche positiven Aussagen machen, aber jetzt haben sie sich der Recherche verschrieben und Amnesty Neuseeland könnte hier durchaus sehr hilfreich sein. Amnesty auf unsere Seite zu kriegen wird einen Riesenschub für unsere Moral und unser Ansehen bedeuten, allerdings müssen wir sie gnadenlos verfolgen und sie auf unsere Seite bringen, eigentlich sind sie das sowieso schon, sie brauchen nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung. Es wäre auch keine schlechte Idee, wenn mehr bekennende SexarbeiterInnen Mitglieder bei verschiedenen Amnesty-Niederlassungen werden.

Douglas Fox”

Und hier ist ein Teil dessen, was Fox geschafft hat, in Amnesty Internationals vorgeschlagene Positionierung zur Prostitution einzubringen:
„…Wie bereits in Amnesty Internationals Grundsatz zur Sexarbeit festgehalten wurde, lehnt die Organisation die Kriminalisierung aller Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Sex ab. Sexuelles Begehren und sexuelle Aktivität sind ein menschliches Grundbedürfnis. Diejenigen, die nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, dieses durch traditioneller anerkannte Methoden zu erfüllen und daher Sex kaufen, zu kriminalisieren, könnte eine Verletzung der Privatsphäre bedeuten und die Rechte auf Meinungsfreiheit und Gesundheit untergraben.“ (http://www.scribd.com/doc/202126121/Amnesty-Prostitution-Policy-document, Seite 5, Fußnote 2)

[* TUC: Trades Union Congress, ein gewerkschaftlicher Dachverband in Großbritannien. Er vereint 65 Gewerkschaften mit ca. 6,5 Millionen Mitgliedern.]

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